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Sachsen braucht ein anspruchsvolles Abitur

Sächsische Schüler hatten Probleme mit Aufgaben in Geometrie und Stochastik. Das Kultusministerium sollte die Beschwerden ernstnehmen, sagt SZ-Redakteurin Andrea Schawe. Ein Kommentar.

Andrea Schawe.
Andrea Schawe. © dpa/Montage: SZ-Bildstelle

Der Aufstand ist groß. Mehr als 65.000 Menschen haben eine Online-Petition unterschrieben, die fordert, die Bewertung des Mathematik-Abiturs in Bayern an den Schwierigkeitsgrad anzupassen. In Sachsen gibt es ähnliche Beschwerden über zu schwierige, unbekannte Aufgaben und die nicht ausreichende Zeit. Dass Schüler sich beschweren, ist normal. Wer findet schon eine so wichtige Prüfung einfach? Im Internet ist der Protest besonders schnell und laut. Das Mathe-Abi ist aber keine reguläre Klausur. Es ist der Test der Hochschulreife. Dafür gibt es Leistungsstandards, die erfüllt werden müssen. Das ist nicht vergleichbar mit anderen Arbeiten oder dem Vor-Abi.

In Mathematik, Deutsch und Englisch schreiben Sachsens Schüler zusammen mit sechs anderen Bundesländern zur selben Zeit mit identischen Aufgaben oder Aufgabenteilen das Abitur. Die Aufgaben, die nun etwa in Bayern als zu schwer kritisiert werden, wurden in Sachsen aber gar nicht gestellt. Alle Aufgaben der Prüfung werden vorher von erfahrenen Fachlehrern genau ausgewählt. Gutachter prüfen in einem mehrstufigen Verfahren das Anforderungsniveau und ob die Aufgaben mit dem sächsischen Lehrplan übereinstimmen.

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Wenn sich die Hinweise häufen, sollte das Kultusministerium das ernstnehmen und den Notenschnitt genau prüfen. Waren die Aufgaben etwa verwirrend formuliert, könnte die Bewertung angepasst werden. Niedersachsen hat das etwa 2016 veranlasst, 2017 durften Tausende Schüler in Brandenburg die Mathe-Klausur noch einmal schreiben, weil im länderspezifischen Teil Stoff abgefragt wurde, der in einigen Schulen nicht unterrichtet worden war. Waren die Aufgaben aber fair, muss der Notenmaßstab bleiben, wie er ist. Sachsen ist im Bildungsmonitor das leistungsstärkste Bundesland, vor Thüringen und Bayern. Damit das so bleibt, braucht es ein anspruchsvolles Abitur.

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Nun generell den gemeinsamen Aufgabenpool in Frage zu stellen, ist aber falsch. Denn der ist nur ein Anfang. Das Abitur muss aber bundesweit vergleichbar und damit gerechter werden. Nur wenn alle Abiturienten die gleichen Leistungen für ihren Abschluss erbringen müssen, ist die Vergabe von Studienplätzen mit Numerus clausus nach der Abiturnote zu rechtfertigen.

E-Mail an Andrea Schawe.