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Weihnachten ohne Weihnachtsmärkte?

Das Dresdner Stadtfest ist wegen Corona endgültig abgesagt worden. Was passiert nun mit Sachsens Weihnachtsmärkten? Das hat die Landesregierung vor.

Eins steht fest: So wird es auf dem Dresdner Striezelmarkt dieses Jahr nicht aussehen.
Eins steht fest: So wird es auf dem Dresdner Striezelmarkt dieses Jahr nicht aussehen. © Archiv: Sven Ellger

Dresden. Große Feste müssen dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie ausfallen, darunter das Dresdner Elbhangfest und die Bunte Republik Neustadt. Seit Donnerstag steht fest, dass auch das Dresdner Stadtfest nicht stattfinden wird. Nun stellt sich die Frage: Müssen auch die sächsischen Weihnachtsmärkte abgesagt werden?

"Wir sind uns einig: Weihnachtsmärkte sollen stattfinden können", sagte Sachsens Kultur- und Tourismusministerin Barbara Klepsch (CDU) am Donnerstag in Dresden. Sie betonte, wie wichtig die Märkte für die Wirtschaft seien. Immerhin gebe jeder Besucher im Schnitt 35 Euro pro Besuch aus. Aber wie soll verhindert werden, dass die Weihnachtsmärkte zu den nächsten Corona-Hotspots werden?

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"Die zweite Infektionswelle hat Deutschland erreicht und es gibt täglich neue Infektionsherde", so Klepsch. Deshalb müsse für jeden einzelnen Weihnachtsmarkt ein individuelles Konzept erarbeitet werden. Ein Konzept, mit dem große Menschenansammlungen auf engem Raum vermieden werden. Erste Ansätze seien bereits in kleiner Runde besprochen worden, im August ist ein weiteres Gespräch zwischen der Ministerin, dem Gesundheitsministerium, dem Gastronomieverband Dehoga, den Weihnachtsmarkt-Organisatoren und dem Landestourismusverband geplant.

Dresdner Märkte könnten mehr Fläche bekommen

Konkretere Vorstellungen hat schon Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Nein, wie in den vergangenen Jahren könnten der weltberühmte Striezelmarkt und all die anderen Dresdner Weihnachtsmärkte dieses Mal nicht stattfinden. Das sei schon jetzt klar, sagte er. Die Frage sei, wie man mehr Raum schaffen könne, auf dem sich die Besucher verteilen. "Das geht nur, indem wir großflächig schauen, wie wir die Märkte entzerren können." 

Dazu müsse man die Innenstadt in Gänze betrachten. Möglich sei etwa, den Striezelmarkt auf die Wilsdruffer Straße auszudehnen. Das heißt, Buden, die bisher auf dem Altmarkt standen, müssten umziehen. Noch Flächen-Reserven sieht Hilbert auch auf dem Neumarkt und an der Hauptstraße. Ziel sei es, allen Händlern, denen man bereits Zusagen geschickt habe, einen Platz zu geben.

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sind sich einig: Die Weihnachtsmärkte sollen dieses Jahr stattfinden. Wie, darüber muss aber noch gesprochen werden.
Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert sind sich einig: Die Weihnachtsmärkte sollen dieses Jahr stattfinden. Wie, darüber muss aber noch gesprochen werden. © Sven Ellger

Darüber hinaus schlägt Hilbert vor, die kulturellen Höhepunkte, die sich sonst auf den Altmarkt konzentrierten und Tausende Menschen an den Wochenenden anlockten, auf die Innenstadt zu verteilen. Die Kulturbeiträge wären dann zeitlich begrenzt, sodass man zum Beispiel nach einer halben Stunde sagen könnte: So, und jetzt geht ihr weiter. Es gehe darum, zum Laufen zu motivieren. Mit den Kulturinseln, die es aktuell in Dresden gibt, könne man sogar schon auf ein Konzept zurückgreifen. 

Offen zeigte sich Hilbert für den Vorschlag, den Striezelmarkt zu verlängern. Auch das soll zu einer Verteilung der Besucher führen. Aber, betont Hilbert: Schon am Totensonntag in die Adventszeit zu feiern, komme für ihn nicht infrage. "Das ist meine Position. Damit würden wir unsere wesentlichen Grundsätze aufgeben." Auch eine Verlängerung über Weihnachten hinaus sei für das Stadtoberhaupt denkbar.

"Mit Namenslisten können wir es sein lassen"

Ein Plan, den Frederic Günther vom Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller gern hören dürfte. "Für unsere Branche sind Weihnachtsmärkte existenziell." Allein in Dresden gebe es jedes Jahr rund 50 Stände mit erzgebirgischer Holzkunst. In ganz Sachsen sind es etwa 200. An Weihnachtsmarkt-Tagen erzielten die Händler bis das Zehnfache an Umsatz, verglichen mit einem Tag im restlichen Jahr. Man sei auf Einschnitte vorbereitet und auch bereit, Plexiglasscheiben in die Buden einzubauen. "Man sollte aber nicht unbedingt an den Händlern sparen", so Günther.

Hilbert sagte am Donnerstag in Richtung Landesregierung auch, dass die Weihnachtsmärkte unter den derzeit gültigen Corona-Regeln nicht stattfinden könnten. Kontaktnachverfolgungen, zum Beispiel über Namenslisten, seien bei derart großflächigen Veranstaltungen mit so vielen Besuchern nicht machbar. "Dann können wir es sein lassen. Wir brauchen andere rechtliche Verordnungsregeln", so Hilbert.

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Dass diese Regeln am Ende auch Grenzen haben, stellte Klepsch klar. Werde in einer Kommune eine bestimmte Zahl an Neuinfektionen innerhalb einer Woche überschritten, müsse dort gehandelt werden. In Sachsen liegt die Grenze aktuell bei 30 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Dresden ist mit 0,4 Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen davon noch weit entfernt. Alle anderen sächsischen Städte und Gemeinden auch. Dennoch: Dieses Kriterium gilt, so Klepsch. "Daher ist es zum Schutz der Gesundheit wichtig, verantwortungsbewusst und achtsam zu handeln, je nach Gegebenheiten vor Ort."

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