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Trocknen Sachsens Gärten aus?

Sachsens historische Parkanlagen sind lebendige Denkmale. Hitze und Trockenheit machen aber auch ihnen zu schaffen.

Bedrohte Idylle: Der Muskauer Park - hier der Lucisee und das Neue Schloss - ist Gartendenkmal und Welterbe.
Bedrohte Idylle: Der Muskauer Park - hier der Lucisee und das Neue Schloss - ist Gartendenkmal und Welterbe. © Dietmar Damzog

Dresden. Grün beruhigt, heißt es. Cord Panning blickt aus seinem Arbeitszimmer ins Grüne – und ist beunruhigt: „Ich sehe, wie die alten Bäume unter dem Klimawandel ächzen“, sagt der Geschäftsführer der Stiftung Fürst Pückler Park in Bad Muskau. Die Veteranen im Park sind etwa 200 Jahre alt und haben in ihrem langen Leben viel aushalten müssen. 

Angepflanzt wurde manche Buche, manche Linde, manche Ulme 1815, als Hermann Fürst von Pückler-Muskau mit der Planung seines Landschaftsgartens begann. In den 1830er-Jahren war der Park, der weltweit seinesgleichen suchen und Pückler finanziell ruinieren sollte, im Wesentlichen angelegt. 

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Bäume mit Einschusslöchern

Der Fürst und Weltreisende hatte sich von englischen Gärten inspirieren lassen und nannte Muskau „die That meines Lebens“. Heute ist der Pückler-Park ein Gartendenkmal und Unesco-Welterbe. Die Trockenheit macht weder vor Titeln noch vor kapitalen Uraltbäumen halt.

Hinzu kommt in Muskau, dass die Gegend im Zweiten Weltkrieg umkämpft war. Der Park wurde regelrecht zerschossen. „Jeder ältere Baum hat Einschusslöcher oder Granatsplitter in der Rinde und bietet damit Schädlingen Eintrittstore“, sagt Cord Panning. Haben sich Zunderschwamm oder Austernsaitling eingenistet, dann sind diese Pilze nicht mehr zu vertreiben. 

Der Reststamm einer kranken Buche im Muskauer Park. Die verlorene Baumkrone hinterlässt ein Loch im Blätterdach.
Der Reststamm einer kranken Buche im Muskauer Park. Die verlorene Baumkrone hinterlässt ein Loch im Blätterdach. © Symbolfoto: Jürgen Lösel
Die Reste einer uralten Rotbuche, die wegen Weißfäule-Befall gefällt werden musste.
Die Reste einer uralten Rotbuche, die wegen Weißfäule-Befall gefällt werden musste. © Jürgen Lösel
Bernd Witzmann ist der Gartenmeister im Muskauer Park.
Bernd Witzmann ist der Gartenmeister im Muskauer Park. © Jürgen Lösel

Was für den Laien aussieht wie eine Symbiose oder zumindest wie friedliche Koexistenz, das macht den Bäumen das Leben schwer, vor allem denen, die bereits vorgeschädigt sind. Buchsbaumzünsler und Ulmensplintkäfer sind enorm gefräßig. Der Borkenkäfer fühlt sich in der Trockenheit wohl. Die machte den Bäumen in den extremen Sommern von 2018 und 2019 zu schaffen. Man sieht es überdeutlich in den Nadelwäldern. Auch in den Parks gibt es Problemzonen. „Ganze Bestände drohen zu kollabieren“, sagt Panning.

Er spricht von den Höhenlagen im Bergpark, wo es wegen alter Bergbaustollen aus dem 19. Jahrhundert nicht genügend Grundwasser gibt und die Bodenverhältnisse nicht die besten sind. Werden Bäume gefällt, beschweren sich die Parkbesucher, von denen einige die Notwendigkeit nicht erkennen und die Ruhestörung beim Spaziergang beklagen. 

Oberschlaue wissen sogar ganz genau, dass hier Holz zu Geld gemacht werden soll. Würden sie nachdenken, kämen sie von selbst drauf, dass die Holzpreise im Keller sind in Zeiten, in denen ganze Wälder abgeholzt werden müssen. „Außerdem sind die Aufwendungen, große Bäume zu zerkleinern, enorm. Das rechnet sich überhaupt nicht“, sagt Panning. 

Am liebsten wäre es ihm, die Bäume könnten noch Jahre und Jahrzehnte stehen bleiben. Aber die Chance ist gering, denn ob im Muskauer Park oder im Großen Garten von Dresden: Die Menschen dürfen keinen Gefahren ausgesetzt werden. Mancher hat es vielleicht sogar schon einmal erlebt und ist furchtbar erschrocken, als ein scheinbar gesunder Baum urplötzlich einen starken Ast abwarf. Vorsichtig wird man auch, wenn im eigenen Garten der Sturm einen Baum niederstreckt. „Die Besucher schimpfen, wenn wir fällen, die Anwohner beschweren sich, wenn wir nicht fällen“, erzählt Panning.

Großer Garten: Viel mehr Baumfällungen

Ähnliche Erfahrungen gibt es auch im Dresdner Großen Garten, der zur Staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten GmbH (SBG) gehört. Geschäftsführer Christian Striefler beantwortet immer wieder diesbezügliche Anfragen und Beschwerden von Dresdnern, denn die Zahl der gefällten Bäume steigt enorm: „Im Großen Garten wurden früher 20 bis 30 Bäume pro Jahr gefällt. 2018 waren es schon an die 70, im vorigen Jahr mehr als 200“, sagt er. 

Kastanien haben braune Stellen an den Blättern.
Kastanien haben braune Stellen an den Blättern. © Thomas Eisenhuth
Auch im Großen Garten in Dresden finden sich Spuren der Trockenheit. Das Gras ist vielerorts vertrocknet.
Auch im Großen Garten in Dresden finden sich Spuren der Trockenheit. Das Gras ist vielerorts vertrocknet. © Thomas Eisenhuth
Bäume sind teilweise umgestürzt und ausgetrocknet.
Bäume sind teilweise umgestürzt und ausgetrocknet. © Thomas Eisenhuth

Bei einem Bestand von insgesamt 18.000 Bäumen im Großen Garten mag das jetzt noch nicht so stark ins Auge fallen. Doch die Tendenz steigt, und auch die SBG-Gärtner würden gern auf die Fällungen verzichten. „Die Rußrindenkrankheit lässt uns keine Wahl. Das Fällen dieser kranken Bäume ist mit großem Aufwand und hohen Kosten verbunden, und die Arbeiter müssen Schutzkleidung tragen.“

Die Bäume sind hier zuhause

In nicht allzu ferner Zukunft werden sich Schlossgärten und historische Parkanlagen stark verändern. Hohe, prägnante Charakterbäume, die einzeln oder in kleinen Gruppen das Bild einer Anlagen prägen, werden verschwinden. Doch wie kann man Sichtachsen bewahren, das natürlich gewachsene Denkmal erhalten? Striefler vergleicht ein Gartenkunstwerk mit einem Gemälde von Caspar David Friedrich: „Kein Restaurator würde daraus einen Baum wegretuschieren oder statt eines Nadelbaums einen Laubbaum in das Bild malen.“

Was kommt anstelle einer 200 Jahre alten Buche infrage? Wieder eine Buche! Aber wird sie durchhalten, wenn die Trockenheit anhält? In Bad Muskau wurde 2014 in den toten Stamm einer Blutbuche eine junge Blutbuche aus eigener Anzucht gepflanzt. Seitdem wird sie konsequent bewässert. Altbäumen wird so ein Luxus normalerweise nicht mehr zuteil.

Eine junge Blutbuche wurde im Stamm einer alten gepflanzt.
Eine junge Blutbuche wurde im Stamm einer alten gepflanzt. © Jürgen Lösel

Ersatzpflanzung ist nicht gleich Ersatzpflanzung. Buchen verjüngen sich in Muskau von selbst. Aus kleinen Sämlingen werden Bäume gezogen, die im Park meist problemlos auch an dem Standort anwachsen, an dem sie gebraucht werden, denn hier sind sie zu Hause. Bäume, die aus Baumschulen irgendwo in Deutschland oder aus dem Ausland kommen, müssen sich erst akklimatisieren. Und dann gibt es noch die sogenannten Ökotypen. Das sind Bäume, die sich von selbst veränderten Umweltbedingungen angepasst haben, ohne ihr Erscheinungsbild zu verändern. Die zu finden und an den neuen Standort zu gewöhnen, ist nicht so einfach. Da müsse man zunächst einmal wie ein Pflanzenjäger unterwegs sein, meint Panning.

"Der Park ist übernutzt"

Was mit einem Park passiert, in den man Bäume pflanzt, die da nicht hingehören, oder wenn man Wildwuchs einfach wachsen lässt, kann man im Hermann-Seidel-Park in Dresden beobachten. Der kleine Park im Stadtteil Striesen ist bei den Anwohnern beliebt und wie ein kleiner Abenteuerspielplatz für Stadtkinder, obwohl ein Bolzplatz und ein Spielplatz mit Wippe, Schaukel, Sandkasten eine Seite des Parks begrenzen. 

Das Grün der Wiese ist an vielen Stellen längst dem Staub der Erde gewichen. Trampelpfade führen ins Gebüsch, wo kleine Kinder gern Verstecken spielen und große Kinder die Geländegängigkeit ihrer Räder testen. Ein dezenter Zaun an sich hält kein Kind davon ab, drüber zu steigen, um auf den ausladenden Ästen der Rhododendren zu wippen und zu schaukeln, bis sie abbrechen.

„Der Park ist übernutzt“, konstatiert Rudolf Schröder. Er entstand einst aus einer Baumschule. Hermann Seidel hat um 1900 dort winterharte Rhododendren gezüchtet. Als die Gärtnerei mehr Platz brauchte und umzog, blieben einige Rhododendren zurück. „Von diesen Mutterpflanzen sind keine mehr da“, weiß Schröder. Er hat mit seiner Frau im Frühjahr die Rhododendronsorten im Park bestimmt. 

1920 wurden Wege und sogar eine Rodelbahn angelegt und Bäume gepflanzt, ein Volkspark entstand. Heute wachsen dort noch seltene Parkbäume wie „Sachsens stärkste rundblättrige Rotbuche, gemessen 130 Zentimeter über dem Boden. Auch einen Zuckerahorn gibt es, aber der ist schon gestresst. Und drei Japanische Lebensbäume, nur leider an der falschen Stelle“, sagt Schröder. Ansehnliche Exemplare der giftigen Späten Traubenkirsche würde er am liebsten ausmerzen: „Das ist eine gefährliche Pflanze.“

Der Klimawandel gefährdet Sachsens Gärten

Der Gartenbauingenieur im Unruhestand leitet die Fachgruppe Botanik und Gartenkultur im Landesverein Sächsischer Heimatschutz e. V. und kümmert sich um Stadtbäume und Landschaftsparks, kennt die Stressfaktoren, weiß, welche Bäume welche Krankheiten haben und ob die Anlagen gut gepflegt werden. „Wenn man für den Hermann-Seidel-Park eine denkmalpflegerische Zielstellung erarbeitet, müssen darin nicht nur die Gestaltung und Zweckmäßigkeit berücksichtigt werden, sondern man muss auch über Nachhaltigkeit reden.“ 

Seiner Ansicht nach werden zu viele Projekte finanziert, die zu kurz greifen und den langfristigen Pflegeaufwand gar nicht berücksichtigen. Vielen kommunalen Gärten fehlt fachkundiges Personal, weil sie es sich nicht leisten können, auch wenn sie es sich gern leisten würden. Wertvolles Grün zu pflegen ist keine Pflichtaufgabe der Städte und Gemeinden.

Zu wenig Regen:
Während im April 2019 im Dresdner Raum noch 26,71 Liter pro Quadratmeter, immerhin 66% des langjährigen Mittelwertes, fielen, waren es im April 2020 nur noch fünf Liter pro Quadratmeter.

Das Problem: Im Durchschnitt bleibt der jährliche Regen konstant. Doch die Dürre- und die Regenzeiten werden länger und die lokalen Unterschiede größer; beides ist für die Vegetation nicht optimal.

Falscher Zeitpunkt:

Buchen und Fichten beginnen im April mit der Vegetationsperiode. Sind diese Monate besonders trocken, hemmt es das Wachstum. Normalerweise müssen Bäume nur in den ersten drei bis fünf Jahren gewässert werden. Doch geht es so weiter, können die Bäume alleine kaum überleben. Aufwand und Kosten sind kaum abzuschätzen.

Steppen-Klima in Sachsen?

Experten befürchten: Wenn der Niederschlag lokal dauerhaft unter 400 Millimeter/Jahr sinkt, ähnelt das eher einem Steppen-Klima. Eine langfristige starke Veränderung der Vegetation wäre dann kaum noch zu vermeiden.

Quellen: SZ; Schlösser und Gärten Deutschland

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In den staatlichen Schlössern und Gärten nimmt man den Klimawandel mit geballter Kraft ins Visier. Globale Probleme löst man sinnvollerweise global. Zumal jede einzelne Parkverwaltung damit überfordert wäre, die Welt zu verbessern. Deutschlandweite Vereine wie die Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Schlösserverwaltungen wurden gegründet. Cord Panning sagt: „Wir wollen einen bundesweiten Forschungsansatz und kooperieren mit dem Helmholtz-Umwelt-Forschungszentrum Leipzig/Halle, dessen Wissenschaftler auch an Klimaprognosen arbeiten und uns sagen können, was in zehn, zwanzig Jahren auf uns zukommt.“ 

Bäume dauerhaft zu bewässern ist teuer

Methoden zur Bodenverbesserung werden im Potsdamer Helmholtz-Institut entwickelt. Mit Charakterbäumen und Ökotypen befasst man sich in Tharandt an der forstwirtschaftlichen Außenstelle der Technischen Universität Dresden. „Wir wollen wissen, welche Baumarten zu den Gewinnern des Klimawandels gehören. Die Juglans-Walnuss vielleicht? Die Buchen werden die Verlierer sein“, vermutet Panning. Gleichwertigen Ersatz gibt es nicht.

Die beiden großen Pillnitzer Rotbuchen sind in sehr verschiedenem Zustand.
Die beiden großen Pillnitzer Rotbuchen sind in sehr verschiedenem Zustand. © Ronald Bonß
Während die linke gesund und in sehr guter Verfassung ist...
Während die linke gesund und in sehr guter Verfassung ist... © Ronald Bonß
...sind die Schäden am zweiten Baum kaum zu übersehen.
...sind die Schäden am zweiten Baum kaum zu übersehen. © Ronald Bonß

Einen breit gefächerten Ansatz verfolgt der Verein der Schlösser und Gärten in Deutschland mit dem Initiativbündnis „Historische Gärten im Klimawandel“. Ein ganzes Maßnahmenbündel soll auf den Weg gebracht werden. „Den Klimawandel interessieren keine juristischen Strukturen. Ihm ist es egal, wer den Garten verwaltet“, sagt Vereinsvorsitzender Michael Hörrmann. Sechzehn Forschungsanträge seien eingereicht worden. In Baden-Württemberg zum Beispiel laufe eine Studie zur Rettung von Altbäumen, die auch in Brandenburg und Sachsen von großem Interesse sein dürfte. „Außerdem wollen wir erreichen, dass die Gärten besser ausgestattet werden für die Pflege. Viele Probleme lassen sich lösen, aber dafür braucht man Geld und Personal“, so Hörrmann.

Im Muskauer Park werden die Nachpflanzungen bisher drei bis fünf Jahre lang bewässert. „Wir pflanzen jedes Jahr dreißig bis vierzig Bäume nach. Wenn wir die künftig nicht aus der Pflege entlassen können, potenzieren sich Arbeitsaufwand und Wassermenge. Eine Entnahme aus Flüssen und Bächen ist nicht mehr erlaubt, und es wird zunehmend schwieriger, eine Genehmigung für einen neuen Brunnen zu bekommen“, erklärt Cord Panning.

Wird sich das traditionelle Bild verändern?

Wie sollen sich die historischen Parks behaupten in Konkurrenz zu Industrie, Landwirtschaft, Haushalten? Wer wird aufs tägliche Duschen in Dresden verzichten wollen, damit die großen Bäume im Großen Garten kontinuierlich bewässert werden können? „Um die alten Bäume so lange zu erhalten, könnte man Ringankerwassersysteme installieren“, überlegt SBG-Chef Christian Striefler. „Das funktioniert prima bei Obst und Gemüse.“ Aber ob es auch bei Altbäumen Sinn macht, deren Wurzeln tief hinabgehen ins Erdreich?

Auch Forschungsprojekte wachsen langsam. Sind sie erst mal auf den Weg gebracht, dauert es noch ein paar Jahre, bis Ergebnisse vorliegen. So lange wollen und können die professionellen Gärtner nicht mehr warten. Sie haben genug Erfahrungen, wagen auch mal ein Experiment. Im Muskauer Park wird auf der polnischen Seite Humus aus den Gartenabfällen gemacht, der auch den Bäumen auf der deutschen Seite zugutekommt. 

© SZ-Grafik

Das Team um Gartenmeister Bernd Witzmann entwickelt Bewässerungskonzepte und experimentiert mit Pflanzen, probiert aus, welche Arten und welche Sorten sich auch bei Trockenheit im Park wohlfühlen. Panning: „Das ist ein spannendes Denkmodell: Wie lange kann man den Park halten mit den Arten, die schon immer da sind? Wie lange kann man ihn halten mit den Ökotypen, die ähnlich aussehen, sodass Laien den Unterschied gar nicht bemerken? Und ab wann müssen wir Arten pflanzen, die das traditionelle Parkbild verändern?“ 

Parks kämpfen an vorderster Front

Einig ist man sich deutschlandweit auch darüber, dass man die Parkbesucher jetzt dafür sensibilisieren sollte. In Sachsen gelten 3.000 gewachsene Anlagen als Denkmale, davon sind 800 Schlossgärten und -parks. Allein vier bis fünf Millionen Menschen genießen jedes Jahr das schattige Grün im Großen Garten in Dresden.

„Gerade erleben wir in unseren Schlössern, dass die Parks viel beliebter sind als die Museen, und wir bekommen häufig Lob für unsere gut gepflegten Anlagen“, sagt Christian Striefler. „Das Interesse der Besucher ist groß, und die kulturelle Bildung ist auch auf diesem Gebiet für uns ein Topthema. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, wie stark die Gärten bedroht sind und dass uns hier ein kostbares Kulturgut verloren geht.“

Der Buchsbaumzünsler macht den Gärtnern das Leben schwer.
Der Buchsbaumzünsler macht den Gärtnern das Leben schwer. © Sven Ellger

Deshalb sind in vielen staatlichen Gärten die Gartenmeister längst auch als Gästeführer unterwegs. Die Besucher lernen bei geführten Spaziergängen die Pflanzen und die Besonderheiten des Parks kennen. Gezielt werden sie auf die Probleme aufmerksam gemacht, bekommen Tipps, was sie zu Hause ihrem Buchsbaum Gutes tun können und welches das Mittel der Wahl ist, wenn der gefräßige Buchsbaumzünsler über die Pflanze herfällt.

Ananas aus Sachsen

In Sachen Denkmalpflege setzen die SBG in den Schlössern und Burgen schon länger auf faszinierende digitale Vermittlungsangebote. So führen sie den Besuchern das Alte neu vor Augen, ohne die Bausubstanz verändern zu müssen. Dieses Prinzip könnte auch in den Gärten funktionieren. Im vorigen Jahr konnten Besucher von Schloss Hubertusburg bereits einen digitalen Blick zurück in den Park des 18. Jahrhunderts werfen. Es dürfte nicht weniger spannend für sie sein, wenn sie nun auch Bilder zu sehen bekommen, wie ein Park in 50 oder 100 Jahren aussehen könnte. In Pillnitz ist das bereits möglich. Auch im Großen Garten soll irgendwann so eine Zukunftsvision erscheinen.

Die Elbe gehört zu Schloss Moritzburg - im Sommer ist das Bild aber immer häufiger traurig.
Die Elbe gehört zu Schloss Moritzburg - im Sommer ist das Bild aber immer häufiger traurig. © Thomas Kretschel

Und in Bad Muskau? Dort ist man dem Klimawandel voraus. Man züchtet Ananas. Schon die Großeltern des „grünen Fürsten“ haben in ihrem Garten Ananas angebaut. Hermann Pückler hat daraus einen Kult gemacht, und Cord Panning setzt ihn nur zu gern fort: „Die Ananas ist die Königin der Früchte. Herrlicher Geschmack, betörender Duft, und eine wunderbare Tischdekoration ist sie auch.“ 

Er spricht nicht von den halbreifen Früchten, die man im Supermarkt kauft, sondern von den vollreifen, frisch im Muskauer Park geernteten. Eine Lausitzer Likörfabrik, die nur einheimische Früchte verarbeitet, macht daraus einen Likör. Der hat seinen Preis, ist limitiert und soll ausgesprochen lecker sein. Ein seltener Genuss und viel zu schade, um sich damit den Klimawandel einfach schönzutrinken.

Führungen durch die Parks finden Sie auf: https://www.schloesserland-sachsen.de/de/startseite/

Bald auf Sächsische.de:

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