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Sachsen

Sachsen fehlen zum Halbjahr 200 Lehrer

600 Stellen an den Schulen waren ausgeschrieben. Einige Bewerber ließen sich vom ländlichen Raum überzeugen.

© Caroline Seidel/dpa (Symbolbild)

Das zweite Schulhalbjahr 2019/2020 beginnt wie das erste: mit Lehrermangel. Auch im aktuellen Einstellungsverfahren konnte das Landesamt für Schule und Bildung nicht alle freien Lehrerstellen besetzen. Schon zum Schuljahresbeginn im vergangenen August fehlten 180 Lehrer. Sächsische.de analysiert die aktuellen Zahlen.

200 Stellen an Sachsens Schulen bleiben unbesetzt

Sachsens Schulverwaltung hatte zum 1. Februar 2020 insgesamt 600 Stellen ausgeschrieben. 400 Lehrer wurden eingestellt, teilte das Kultusministerium am Freitag mit. Bei 14 Angeboten für Schulen in den Regionen Bautzen und Chemnitz warte das Landesamt für Schule und Bildung noch auf eine Rückmeldung, heißt es. 150 Stellen hatten die Schulen selbst ausgeschrieben, sogenannte schulscharfe Einstellungen bei denen sich die Bewerber direkt an den Schulen melden können. Dabei handelt es sich überwiegend um Schulen auf dem Land oder mit besonderem Profil. 49 Lehrer bekamen eine Stelle. 450 Stellen wurden zentral vom Landesamt vergeben. Davon konnten 352 besetzt werden.

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Bedarf passt nicht zu den Wünschen der Bewerber

Für eine Einstellung in den sächsischen Schuldienst hatten sich 646 ausgebildete Lehrer beworben. Trotz der insgesamt guten Bewerberlage werde es schwierig, den Lehrerbedarf in allen Regionen zu decken, kündigte Roman Schulz, der Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung, schon zu Beginn des Einstellungsverfahrens an. Das Problem: Fast drei Viertel der Lehrer wollen in den Großstädten Dresden und Leipzig arbeiten. Dazu kommt, dass 306 Bewerber eine Gymnasiallehrerausbildung haben, Lehrkräfte aber vor allem an Förder- und Oberschulen gebraucht werden. An Gymnasien waren sachsenweit nur 112 Stellen frei. „Für den öffentlichen Dienst gilt das Prinzip der Bestenauslese“, erklärt Schulz. Junge Lehramtsabsolventen mit durchschnittlichem Abschluss haben fast keine Chancen auf eine Stelle in Dresden und Leipzig. Trotzdem wollen viele junge Gymnasiallehrer nicht an einer anderen Schulart, etwa einer Oberschule, unterrichten. An den Grundschulen entspannt sich die Situation dagegen langsam. Sachsenweit sind noch 37 Stellen offen.

Landesamt will Bewerber in den ländlichen Raum schicken

Vorrang hatten diesmal Lehrer, die in den Mangelregionen arbeiten wollten, sagt Schulz. Denn für Schulen in den Regionen Bautzen, Chemnitz und Zwickau gibt es zu wenige Interessenten. Nur 44 Lehrkräfte haben sich für die 107 offenen Stellen in der Bautzner Region beworben, in Chemnitz und Umgebung gab es 67 Bewerbungen für 185 Stellen. „Bewerber, die sich ausschließlich für die Ballungszentren Dresden oder Leipzig beworben hatten, erhielten vom Landesamt für Schule und Bildung wiederholt Alternativ-Angebote für den ländlichen Raum“, teilt das Kultusministerium mit. Nur 25 Bewerber nahmen diese Angebote an. Davon wurde ein Großteil an Schulen in Chemnitz und Umgebung eingestellt.

Lehrermangel in Bautzen, Chemnitz und Zwickau am gravierendsten

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Trotz der Bemühungen des Landesamtes konnten nicht alle freien Stellen besetzt werden. In den Landkreisen Bautzen und Görlitz bleiben 49 Stellen offen, 16 an Grund- und 14 an Oberschulen. In der Region Chemnitz fehlen 88 Lehrer, mehr als die Hälfte davon an Oberschulen. In Zwickau sind noch 36 Stellen unbesetzt. Auch in Dresden und Leipzig konnte nicht für jede freie Stelle ein Lehrer gefunden werden. In der Landeshauptstadt wurden 130 Lehrer eingestellt, 140 Stellen waren ausgeschrieben. In Leipzig konnten rechnerisch drei Stellen nicht besetzt werden. „Die Großstädte sind trotzdem sehr gut versorgt“, sagt Schulz.

Seiteneinsteiger werden zusätzlich eingestellt

Im zweiten Schulhalbjahr beginnen auch 149 Seiteneinsteiger an Sachsens Schulen. Sie haben seit November eine dreimonatige Einstiegsqualifikation absolviert. Die meisten von ihnen arbeiten an Schulen in den Regionen Chemnitz und Bautzen.

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