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Wirtschaft

Sachsen hat höchste Handwerker-Dichte

Eine neue Studie bescheinigt sächsischen Handwerksbetrieben eine „überraschend hohe Überlebensrate“. Doch viele Firmenchefs gehen bald in Rente.

In Sachsen gibt es über 30.000 Kraftfahrzeugtechniker.
In Sachsen gibt es über 30.000 Kraftfahrzeugtechniker. © dpa

Dresden. Das ist Spitze: In Sachsen kommen 89 Handwerkbetriebe auf 10.000 Einwohner. Der deutsche Durchschnittswert liegt bei 67. Eine neue Studie des Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen bescheinigt sächsischen Handwerksbetrieben eine „überraschend hohe Überlebensrate“. Vor allem drei Branchen sind dichter mit Unternehmen besetzt als im bundesweiten Handwerksdurchschnitt: Bau, Kraftfahrzeuggewerbe und Lebensmittelproduktion.

Die Göttinger Forscher haben im Auftrag von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) Strukturen in Sachsens Handwerk untersucht und rund 200 Seiten geschrieben. Sie stellen fest, dass in Ostdeutschland „Überkapazitäten“ während des Baubooms der Nachwendezeit aufgebaut wurden, die zum Teil noch bestehen. Inzwischen sind allerdings drei von zehn Betriebsinhaber älter als 60 – werden also bald Nachfolger suchen oder schließen.

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Handwerker wechseln in Industrie

Sächsische Handwerksbetriebe sind im Schnitt kleiner als im deutschen Durchschnitt, fast jeder dritte Handwerker arbeitet alleine. Tendenziell sind die Unternehmen aber in den vergangenen Jahren gewachsen, etwa durch Fusionen von Bäckereien. 

Die Studie verwendet vorwiegend Zahlen aus dem Jahr 2016, demnach gibt es in Sachsen gut 36.000 Handwerksunternehmen mit 285.000 Chefs und Angestellten. Nicht mitgezählt wurden rund 20.000 kleine „handwerksähnliche“ Betriebe.

Die Forscher stellen fest, dass von den Neugründungen aus dem Jahr 2008 nach neun Jahren noch zwei Drittel existierten – das sei sehr viel im Deutschlandvergleich. Die höchsten Überlebensraten zeigen Lebensmittel-, Gesundheits- und Kfz-Handwerker, während Gebäudereinigungsfirmen weniger lange durchhielten. Ein möglicher Grund: Bei guter Wirtschaftslage wechselt ein Teil der Handwerker als Angestellte in die Industrie.

Wirtschaftsminister Dulig will die Stärken des Handwerks weiter fördern und wirbt für die Gleichwertigkeit von beruflicher Bildung und Studium. Er sagte, das Handwerk biete alle Aufstiegschancen.

Sachsens Handwerker

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  • Kraftfahrzeugtechniker: 31.975
  • Gebäudereiniger: 29.685
  • Elektrotechniker: 27.355
  • Maurer und Betonbauer: 25.876
  • Bäcker: 17.878
  • Installateure u. Heizungsbauer: 17.007
  • Metallbauer: 15.117
  • Friseure: 13.259
  • Maler und Lackierer: 10.373
  • Fleischer: 9.215

Tätige Personen, Top Ten 2016. Quelle: IFH Göttingen

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