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Sachsen in Kleinformat

Der Bischofswerdaer Bernd Ritter baut Modelle von Umgebindehäusern, Kirchen und anderen Gebäuden. Jedes ist ein Unikat.

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Von Wolfgang Schmidt und Ingolf Reinsch

Das Schieferdach ist filigran gearbeitet. Ebenso das Fachwerk im Obergeschoss und die für Oberlausitzer Umgebindehäuser typischen Bögen. Selbst der Baum am Haus fehlt nicht. Bernd Ritter hat bei dem Modell, das er präsentiert, einer Kastanie die blühenden „Kerzen“ aufgesteckt.

Der 71-Jährige, der Bischofswerda zu seiner Wahlheimat gemacht hat, ist Modellbauer aus Leidenschaft. Vor 20 Jahren hatte er begonnen, Haus- und andere Modelle zunächst aus Karton, dann aus Plaste zu bauen. Die jüngsten Kreationen entstanden aus Holz, wobei Bernd Ritter Weichholz, etwa von Fichte oder Kiefer, bevorzugt. Seine Modelle sind nur bis zu sieben Zentimeter hoch. „Jedes ist ein Unikat“, sagt der Bischofswerdaer, der auf Detailtreue achtet. Wohn- und Handwerkerhäuser, Kirchen, Nebengelasse und andere Gebäude entstehen durch Sägen und Schleifen. Die Bäume werden gedrechselt. Danach werden die Modelle bemalt. In der Gestaltung orientiert sich Bernd Ritter am sächsischen Kulturgut, so wie es einst errichtet wurde oder heute noch besteht.

Die Idee für die Holzmodelle geht bis in seine Kindheit zurück. „Wir spielten oft mit solchem Holzspielzeug“, erinnert sich Bernd Ritter. Damit ließen sich vortrefflich Städte und Dörfer gestalten. Nebeneffekt: Die Fingerfertigkeit entwickelte sich, und es wuchs die Verantwortung, die „Minis“ nicht zu beschädigen. Solches Spielzeug gibt es heute kaum noch. Im Zeitalter von Computer und Internet sollte man es wiederentdecken, wünscht sich Bernd Ritter.

In Ausstellungen fanden seine Miniaturen bereits große Aufmerksamkeit. Für das Museum in Dippoldiswalde baute er das Modell einer Ledergerberei mit allen Gebäuden, Maschinen und Gerätschaften, wie sie um 1900 bestanden hatten. Für die Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden, deren Gründungsmitglied er ist, fertigte er aus Karton zwölf Gebäude an, so wie sie vor der Zerstörung 1945 dort standen. Aus gleichem Material entstand das Modell des Herrenhauses im Rittergut Schmölln, das er der Gemeinde Schmölln-Putzkau schenkte. Jetzt ist das Modell im Schmöllner Museum zu sehen. Bernd Ritter kreierte auch Bastelbögen und Miniaturen von Umgebindehäusern aus Holz und Papier, die man bei ihm kaufen kann.

Im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme begann er 1996, alle Gebäude des Sanierungsgebietes der Bischofswerdaer Innenstadt in Kartonbauweise darzustellen – detail- und farbgetreu im Maßstab 1:250. Das Modell sollte das Bild der Innenstadt dokumentieren, aber auch Anregungen für die künftige Stadtentwicklung geben. Bernd Ritter wollte es in einer Anschluss-ABM gern vollenden. Er bedauere es, dass sein Modell im Stadtarchiv eingelagert und nicht öffentlich zu sehen ist, sagte er.

Die Stadt habe das Modell bereits mehrfach gezeigt, etwa an Tagen der offenen Hinterhöfe, entgegnet Bauamtsleiterin Erika Lehmann auf Anfrage der SZ. Dass es nicht ständig zu sehen ist, habe zwei Gründe: Zum einen beanspruche das Modell eine relativ große Fläche. Zum anderen sei dessen Wirkung begrenzt, da es nicht vollständig ist. „Wir hätten die ABM-Stelle gern fortgeführt. Aber leider ist sie der Stadt nicht bewilligt worden“, sagt Erika Lehmann.

Bernd Ritter wohnt an der Schmiedegasse 1 in Bischofswerda, 03594 702981.