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Sachsen kämpft gegen Corona-Spekulanten

Nur fünf Prozent der Offerten für Viren-Schutzkleidung sind aufrichtig. Der Rest versucht, aus der Corona-Krise Profit zu ziehen.

Atemschutzmasken sind zur Bückware geworden. Das ruft auch Wucherer und Betrüger auf den Plan. Im sächsischen Sozialministerium ist nur jedes 20. Angebot seriös.
Atemschutzmasken sind zur Bückware geworden. Das ruft auch Wucherer und Betrüger auf den Plan. Im sächsischen Sozialministerium ist nur jedes 20. Angebot seriös. © Friso Gentsch/dpa (Symbolbild)

Dresden. Das sächsische Sozialministerium steht bei der Beschaffung und Verteilung von persönlicher Schutzausrüstung in der Corona-Krise vor einem ungeahnten Problem. „Leider versuchen Glücksritter mit falschen Angeboten und der Hoffnung auf Vorkasse, schnelles Geld auf dem Rücken des Steuerzahlers zu verdienen“, teilt Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) auf Anfrage mit. Sie sei froh, „dass unser eigens dafür gebildetes Team so gewissenhaft arbeitet, dass wir diesen Glücksrittern nicht in die Falle gehen.“

Köppings Sprecher Andreas Friedrich betont, der Großteil der Angebote für Schutzausrüstungen sei unseriös. In den ersten zwei Wochen der Corona-Epidemie hätte das Beschaffungsteam täglich etwa 40 bis 50 Angebote von sogenannten Vermittlern und Zwischenhändlern erhalten. Meist habe sich jedoch schnell herausgestellt, dass die Ware weder in Deutschland noch im Ausland vorrätig gewesen sei. Stattdessen hätten die Anbieter immer wieder beteuert, sie könnten die Ware beschaffen, aber nur gegen Vorkasse. „Und das teilweise bis zu 100 Prozent“, sagte Friedrich. Die Preise seien bis zu zehnmal so hoch wie vor der Pandemie. Fachliche Nachfragen hätten viele Anbieter nicht beantworten können.

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„Bei den bisher rund 500 Angeboten hat sich etwa nur jede 20. Offerte als seriös herausgestellt,“ sagt Friedrich. Der weltweite Markt an Schutzkleidung sei „nur auf den ersten Blick weitgehend leer“. Es gebe sehr wohl noch Möglichkeiten, „wenn man sich über den Preis einigt“. Auch lieferten einige sächsische Textilfirmen zuverlässig. Sie hätten ihre Produktion umgestellt oder seien dabei, dies zu tun. „Es gilt aber das Prinzip: Ware gegen Geld und keine Vorkasse.“

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Ebenso verfahren auch große Kliniken, Kommunen und Pflegeheimbetreiber. Das Uniklinikum Dresden sortiert Anbieter, die Vorkasse verlangen, sofort aus. „Viele können gar nicht wissen, wann die Ware eintrifft, wollen aber vorher Geld sehen“, heißt es aus der Pressestelle. Schiffspassagen seien derzeit ausgebucht, viele Staaten hätten Exportverbote für Schutzkleidung erlassen. Das Leipziger St. Georgs-Klinikum, das derzeit Beatmungsgeräte ausgeschrieben hat, prüft zumindest, ob die Anbieter im Handelsregister eingetragen und solvent sind. 

Auch aus der Freien Wohlfahrtspflege wird berichtet, es gebe täglich Angebote von „für Schutzmasken mit offensichtlich gefälschten Zertifikaten“. Das sächsische Landeskriminalamt führt derzeit allerdings noch keine Corona-Betrugsermittlungen. Was nicht verwundert. Dresdens Pressesprecher Kai Schulz sagt klipp und klar: „Bei uns hat niemand Kapazitäten, dubiosen Angeboten hinterherzujagen.“

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Als „sehr zuverlässige Lieferanten“ lobt das sächsische Sozialministerium folgende Firmen aus dem Freistaat:

Geschäftsführer Dirk Ladenberger hat die Produktion in der Näherei des Großschönauer Textilbetriebs Damino  auf Atemschutzmasken umgestellt. Schon seit drei Wochen produzieren rund 140 Näherinnen waschbaren Mundschutz aus Stoff.
Eigentlich wird in der Firma Bett- und Tischwäsche für Hotels und Airlines genäht.
Geschäftsführer Dirk Ladenberger hat die Produktion in der Näherei des Großschönauer Textilbetriebs Damino  auf Atemschutzmasken umgestellt. Schon seit drei Wochen produzieren rund 140 Näherinnen waschbaren Mundschutz aus Stoff. Eigentlich wird in der Firma Bett- und Tischwäsche für Hotels und Airlines genäht. © xcitepress
Bei der Güldi-Moden-GmbH in Limbach-Oberfrohna nähen rund dreißig Leute normalerweise Arztkittel, Kellnerschürzen und andere Stücke. Jetzt sind Atemschutzmasken und Schutzanzüge an der Reihe. Gesellschafterin des Unternehmens ist die PHB Pulsnitzer Hygiene Berufsbekleidung GmbH in Ohorn, die ebenfalls ihre Produktion umgestellt hat.
Bei der Güldi-Moden-GmbH in Limbach-Oberfrohna nähen rund dreißig Leute normalerweise Arztkittel, Kellnerschürzen und andere Stücke. Jetzt sind Atemschutzmasken und Schutzanzüge an der Reihe. Gesellschafterin des Unternehmens ist die PHB Pulsnitzer Hygiene Berufsbekleidung GmbH in Ohorn, die ebenfalls ihre Produktion umgestellt hat. © PR
Die Firma Wunsch & Rudolph ist ebenfalls in Limbach-Oberfrohna ansässig. Das früher zum VEB Wäschekonfektion Lößnitz gehörende Textilbetrieb war nach dem Zusammenbruch der DDR eigentlich schon tot. Doch dann kam ein Großauftrag der Polizei aus Nordrhein-Westfalen. Seitdem ist man mit Uniformhemden im Geschäft.
Die Firma Wunsch & Rudolph ist ebenfalls in Limbach-Oberfrohna ansässig. Das früher zum VEB Wäschekonfektion Lößnitz gehörende Textilbetrieb war nach dem Zusammenbruch der DDR eigentlich schon tot. Doch dann kam ein Großauftrag der Polizei aus Nordrhein-Westfalen. Seitdem ist man mit Uniformhemden im Geschäft. © PR
Die Tradition der Haucke Krawatten und Schleifen GmbH in Großröhrsdorf reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. n  1972 kam die Zwangsverstaatlichung als VEB Regattes, später verschmolz man mit dem VEB Textilwerke Mülsen. Seit der Reprivatisierung rüstet die Firma einen Großteil der deutschen Polizei mit Krawatten aus.
Die Tradition der Haucke Krawatten und Schleifen GmbH in Großröhrsdorf reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. n  1972 kam die Zwangsverstaatlichung als VEB Regattes, später verschmolz man mit dem VEB Textilwerke Mülsen. Seit der Reprivatisierung rüstet die Firma einen Großteil der deutschen Polizei mit Krawatten aus. © PR
Andreas Käppler ist Firmenchef bei der Polstermöbel Oelsa GmbH in Rabenau. Das Traditionsunternehmen feierte 2019 seinen 150. Geburtstag. Seit der Wende wurden etwa 20 Millionen Euro in neue Maschinen und den Erhalt des Gebäudes gesteckt. Auch diese Firma hilft mit, den Engpass an Schutzausrüstung in Sachsen zu beseitigen.
Andreas Käppler ist Firmenchef bei der Polstermöbel Oelsa GmbH in Rabenau. Das Traditionsunternehmen feierte 2019 seinen 150. Geburtstag. Seit der Wende wurden etwa 20 Millionen Euro in neue Maschinen und den Erhalt des Gebäudes gesteckt. Auch diese Firma hilft mit, den Engpass an Schutzausrüstung in Sachsen zu beseitigen. © Benjamin Zibner
Medihome-Textil hat seinen Sitz im erzgebirgischen Eibenstock. Dort ist man normalerweise spezialisiert auf  Sonderanfertigungen in Tisch- und Bettwäsche sowie Stuhlkissen.
Medihome-Textil hat seinen Sitz im erzgebirgischen Eibenstock. Dort ist man normalerweise spezialisiert auf  Sonderanfertigungen in Tisch- und Bettwäsche sowie Stuhlkissen. © PR
Die Stollberger Firma Modee GmbH vertreibt ihre Damenmode in Boutiquen und übers Internet. Der anstehende Fabrikverkauf wurde verschoben, stattdessen existiert nun online ein eigener Mund-Nasen-Masken-Shop.
Die Stollberger Firma Modee GmbH vertreibt ihre Damenmode in Boutiquen und übers Internet. Der anstehende Fabrikverkauf wurde verschoben, stattdessen existiert nun online ein eigener Mund-Nasen-Masken-Shop. © PR
Das Chemnitzer Modelabel Mutare Design feiert 2017 ein Comeback, nachdem Firmengründerin Corinna Busch mit nur 42 Jahren verstorben war. Seitdem prägt die  Designerin Babette Sperling das Label, eine Absolventin der Schneeberger Modeschule.
Das Chemnitzer Modelabel Mutare Design feiert 2017 ein Comeback, nachdem Firmengründerin Corinna Busch mit nur 42 Jahren verstorben war. Seitdem prägt die  Designerin Babette Sperling das Label, eine Absolventin der Schneeberger Modeschule. © PR
Die Chemnitzer Premium Bodywear AG ist ein Premiumhersteller von Männerunterwäsche. Er hat eine überproportionale Exportquote und verkauft seine Unterwäsche der Marken Olaf Benz und Manstore europaweit, nach Japan, in die USA und auch nach Russland. In Hongkong gibt es ein eigenes Tochterunternehmen. Die verarbeiteten Stoffe stammen aus Europa, die Garne aus Bad Oederan, genäht werden sie in Chemnitz. 
Die Chemnitzer Premium Bodywear AG ist ein Premiumhersteller von Männerunterwäsche. Er hat eine überproportionale Exportquote und verkauft seine Unterwäsche der Marken Olaf Benz und Manstore europaweit, nach Japan, in die USA und auch nach Russland. In Hongkong gibt es ein eigenes Tochterunternehmen. Die verarbeiteten Stoffe stammen aus Europa, die Garne aus Bad Oederan, genäht werden sie in Chemnitz.  © PR
Die W. Reuter & Sohn Spitzen und Stickereien GmbH in  Auerbach vertreibt ihre hochwertigen Erzeugnisse unter dem geschützten Markenzeichen Plauener Spitze. Weniger exquisit werden nun die Atemschutzmasken sein, die Nachfrage hingegen ist umso höher.
Die W. Reuter & Sohn Spitzen und Stickereien GmbH in  Auerbach vertreibt ihre hochwertigen Erzeugnisse unter dem geschützten Markenzeichen Plauener Spitze. Weniger exquisit werden nun die Atemschutzmasken sein, die Nachfrage hingegen ist umso höher. © PR
Die STS Textiles GmbH & Co. KG im vogtländischen Grünbach entwickelt und produziert Textilen für die Bereiche Heimtex, Automotive und technische Anwendungen. Die Firma entwickelte ein Gewebe, das  thermische Energie speichern und nach Bedarf kühlen oder wärmen kann. 
Die STS Textiles GmbH & Co. KG im vogtländischen Grünbach entwickelt und produziert Textilen für die Bereiche Heimtex, Automotive und technische Anwendungen. Die Firma entwickelte ein Gewebe, das  thermische Energie speichern und nach Bedarf kühlen oder wärmen kann.  © PR

Der Kampf um die Maske - einen Report über die dubiosen Anbieter, die auch in Sachsen ihr Unwesen treiben, lesen Sie am kommenden Mittwoch.

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