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Leben und Stil

Sachsen nehmen weniger Antibiotika

Der Freistaat hat bundesweit mit den niedrigsten Verbrauch. In Krankenhäusern besinnt man sich auf frühere Mittel.

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien.
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien. © Christin Klose/dpa

Dresden. In Erkältungs- und Grippezeiten wie jetzt werden in Sachsens Apotheken die meisten Antibiotika abgegeben. „Doch nicht jeder Erkältete kommt mit einem Rezept dafür“, sagt Lisa Liebers, Apothekerin in Dippoldiswalde. Die Ärzte seien zurückhaltender in der Verordnung geworden.

Diesen Trend bestätigen Daten des Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse. „2018 erhielten im Freistaat 19 Prozent der Arbeitnehmer, die erkältungsbedingt krankgeschrieben waren, Antibiotika“, sagt Katrin Lindner, Kassen-Sprecherin in Sachsen. 2014 waren es noch 32 Prozent. Trotzdem seien die Verordnungszahlen noch zu hoch, sagt Dr. Thomas Grünewald, Leiter der Klinik für Infektiologie am Klinikum Chemnitz. Antibiotika wirkten nur gegen Bakterien. Die meisten Infekte, auch die Grippe, würden aber durch Viren ausgelöst. Dagegen seien Antibiotika nutzlos.

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Mithilfe einfacher Blutuntersuchungen kann laut Grunewald jeder Arzt herausfinden, ob ein Antibiotikum notwendig ist. „Jede unnötige Gabe erhöht die Resistenzgefahr“, so der Chefarzt. Immer weniger Keime sprechen noch auf gängige Antibiotika an. Und neue Medikamente sind nicht in Sicht, da sich viele Pharmaunternehmen aus der Branche zurückgezogen haben.

Vor allem Kinder bekommen weniger Antibiotika

Sachsen setzt deshalb auf eine weitere Reduzierung und ist sehr erfolgreich. Nach Berlin hat der Freistaat den niedrigsten Antibiotikaverbrauch in Deutschland, das Saarland den höchsten. In Sachsen werden Verordnungen und Resistenzen landesweit überwacht und dokumentiert – durch Behörden, Labore und ein spezielles Netzwerk. Laut sächsischem Sozialministerium wurden im ambulanten Bereich seit 2010 gut ein Viertel weniger Medikamente verbraucht. Bundesweit liegt der Rückgang bei 21 Prozent. „Am stärksten sind die Einsparungen in Sachsen bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr. Hier wurden 41 Prozent weniger verordnet, sagt Dr. Theresa Schmotz, Referentin im Sozialministerium.

„Im stationären Bereich ist der Verbrauch seit 2013 aber nahezu konstant geblieben“, sagt Dr. Katja de With, Leiterin des Bereiches Klinische Infektiologie am Uniklinikum Dresden. Grund dafür sei die steigende Zahl älterer und mehrfach Kranker. „Für den stationären Bereich gibt es seit 2019 eine neue Leitlinie zum rationalen Antibiotikaeinsatz.“ Danach sollen wieder mehr Penicilline eingesetzt werden.

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„Doch jeder kann auch selbst dazu beitragen, Antibiotikaresistenzen einzudämmen“, sagt Dr. Grünewald. Dazu ist es wichtig, Antibiotika genau nach ärztlicher Empfehlung einzunehmen. Bei viralen Infekten rät er zu entzündungshemmenden Hausmitteln wie Zwiebel und Rettich. „Antibiotika sind hier in den seltensten Fällen notwendig.“

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