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Sachsen plant Elite-Campus für die Lausitz

3.000 Informatiker in einem Haus am See. TU Dresden und Politik erklären hier erstmals ihr neues Generationenprojekt für die Braunkohleregion.

Die Informatik-Fakultät der TU Dresden, hier im Bild, soll sich mehr als verdoppeln. Das aber außerhalb der Landeshauptstadt.
Die Informatik-Fakultät der TU Dresden, hier im Bild, soll sich mehr als verdoppeln. Das aber außerhalb der Landeshauptstadt. © Katja Frohberg

Dresden. Mit einem spektakulären Generationenprojekt will Sachsen die Braunkohleregion stärken. Hoyerswerda soll ein Stück Elite-Uni abbekommen. Das berichtet Uwe Aßmann, Professor an der TU Dresden im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung. Aßmann ist Dekan der Informatik-Fakultät und Chef des Projekts. Zuse-Campus soll dieser Satellitenstandort der Dresdner Universität heißen, die eben als eine der deutschen Elite-Unis bestätigt wurde.

Der Zuse-Campus am Scheibesee soll aus den Milliarden-Investitionen kommen, die jetzt die betroffenen Länder als Ausgleich für den Braunkohleausstieg vom Bund erhalten. Wie die sächsische  Staatskanzlei der SZ bestätigt,  gehöre dies zu den priorisierten Projekten. „Der Zuse-Campus bietet eine ideale Zukunftsperspektive. Hieran werden wir in den kommenden Monaten mit voller Energie arbeiten“, sagt Stephan Rohde, der dafür zuständiger Abteilungsleiter in der Staatskanzlei.

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Straßen, Schienen, schnelles Internet sind seit Jahresbeginn schon geplant, die IT-Uni für die Lausitz ist jetzt erst dazugekommen. 3.000 Studenten sollen hier einmal ausgebildet werden. Ein Campus-Gebäude für etwa 100 Millionen Euro ist dafür vorgesehen, sagt Aßmann. Nochmals 50 Millionen würden Labors und Testflächen für autonome Systeme kosten, zum Beispiel für Drohnen und Robotik. Die jährlichen Kosten dann für Professoren, Mitarbeiter und deren Technik betragen 15 Millionen Euro.

Attraktive Studentenwohnheime sind geplant. Attraktiv, das heißt in diesem Fall: ein Haus am See. Für 50 Millionen Euro ein Hochhaus oder ein Studentendorf, ganz gleich, Hauptsache am Wasser. „Abends zum Sonnenuntergang das Skript lesen, morgens zum Surfen, und Mittag in die Vorlesung“, so stellt es sich der Informatik-Dekan dies vor. „Anders wird es nicht funktionieren. Es muss eine attraktive Alternative zum Studium in der Großstadt sein.“

Zum Studium an den See: Das Lausitzerseenland ist eines der attraktivsten Naherholungsgebiete für Sachsen. Jetzt soll in Hoyerswerda am See ein Stück Elite-Uni aufgebaut werden. 
Zum Studium an den See: Das Lausitzerseenland ist eines der attraktivsten Naherholungsgebiete für Sachsen. Jetzt soll in Hoyerswerda am See ein Stück Elite-Uni aufgebaut werden.  © dpa/Tourismusverband Lausitzer Seenland

Im Herbst 2020 könnte mit den ersten zwei Master-Kursen begonnen werden. In vorerst provisorischen Räumen freilich. Der Auf- und Ausbau bis zu 3.000 Studenten auf dem Zuse-Campus werde aber bis zu zwanzig Jahre dauern. „Das ist ein Generationenprojekt.“ Und es schafft Arbeitsplätze. Mit jährlich vier bis sechs Ausgründungen rechnet Aßmann. Das zeigen die vergangenen Jahre der Informatik-Fakultät in Dresden. „Bis 2035 sollten es schon mal zehn bis zwanzig Firmen sein.“ Idealerweise würden die zunächst in einem eigenen Bereich am Campus bleiben.

Und noch eine Voraussetzung nennt Aßmann ultimativ: „Wir brauchen dafür die schnelle S-Bahn-Verbindung nach Dresden. 40 Minuten wären okay.“ Der Ausbau der S-Bahn, das kommt den Campus-Plänen dabei entgegen, ist bereits als S7 über Kamenz bis nach Hoyerswerda vorgesehen. Auch das mit Braunkohlegeldern für die Region. Und was das Haus am See betrifft, auch da gibt es noch die nötigen Grundstücke. Hoyerswerda macht eben seine städtische Regionalplanung für das Terrain am Scheibesee.

Die Eckpunkte für den Zuse-Campus sollen bis Jahresende stehen, davon geht die Staatskanzlei aus und verhandelt dazu jetzt mit dem Bund, der Stadt, der Uni und auch den Wissenschafts- und Wirtschaftsministerien.

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Unterdessen macht sich der Informatik-Chef von Dresden zum wiederholten Male nach Schweden auf den Weg. Växjö ist sein Ziel in Südschweden. Ein Ort in der Mitte von Nirgendwo, aber am See. Växjö ist eines der Vorbilder für den Zuse-Campus und zeigt, wie es gehen kann. Vor 30 Jahren wurde hier eine ganze Uni aus dem Waldboden gestampft. Jetzt hat der 40.000-Einwohner-Ort 15.000 Studenten. Und das sogar ohne S-Bahn in eine Großstadt.

Das Lausitzer Seenland mit Hoyerswerda. Noch ist Platz am See vorhanden. Ein attraktiver Studienort könnte dies werden. und so plant Sachsen dort einen IT-Campus.
Das Lausitzer Seenland mit Hoyerswerda. Noch ist Platz am See vorhanden. Ein attraktiver Studienort könnte dies werden. und so plant Sachsen dort einen IT-Campus. © SZ

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