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Viele Sachsen feixen über Steimles T-Shirt

Der Kabarettist erhält viel Sympathie. Der CDU-Kreisverband Meißen rudert zurück. Der Gewinner ist Diesbar-Seußlitz. Aber woher stammt das freche Logo?

Uwe Steimle auf einer Bank im Seußlitzer Schlosspark. Deutlich zu erkennen ist das FDJ-Logo mit dem CDU-Schriftzug.
Uwe Steimle auf einer Bank im Seußlitzer Schlosspark. Deutlich zu erkennen ist das FDJ-Logo mit dem CDU-Schriftzug. © Screenshot: SZ

Diesbar-Seußlitz. Vielen wird "Steimles Abendgruß" aus Diesbar-Seußlitz wohl in Erinnerung bleiben. Nicht zuletzt Uwe Steimle selbst. Der Dresdner Kabarettist hatte bei der Aufzeichnung seines neuen YouTube-Formats ein T-Shirt an, das das Logo der ehemaligen DDR-Jugendorganisation FDJ mit dem Kürzel CDU kombiniert. 

Mancher deutete das als Provokation. Doch eine große Zahl an Facebook-Kommentaren infolge eines SZ-Berichts fällt zugunsten von Steimle aus. "Gut so Uwe, die getroffenen Hunde bellen schon", schreibt ein Nutzer. Ein anderer meint: "Wer über so eine Satire nicht lachen kann, ist schwer krank." 

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In einer ersten Reaktion hatte der Meißner CDU-Kreisverbandschef Sebastian Fischer darauf hingewiesen, dass Uwe Steimle als Satiriker vieles dürfe und Grenzen austeste. Trotzdem hatte er den Sachverhalt an die CDU-Landesgeschäftsstelle weitergegeben, ob das CDU-FDJ-Logo nicht rufschädigend sei. Am Tag nach der Veröffentlichung des SZ-Artikels schrieb Fischer bei Facebook: "Geprüft, gelacht und Satire darf das." Im Kurznachrichtendienst Twitter äußerte er sich ähnlich.

"Steimles Abendgruß" aus Diesbar-Seußlitz hat aber nicht nur Lacher, sondern völlig andere Reaktionen hervorgebracht. Das berichtet Heike Beier, deren Familie seit letztem Jahr das "Kleine Café" am Haus des Gastes übernommen hat. Es nennt sich jetzt Weincafé "Anno 1272" und war einige Minuten in dem Video zu sehen. Steimle war dort unangekündigt stehen geblieben, kam mit den neuen Café-Betreibern ins Gespräch und erfuhr dabei einiges über die Geschichte des Ortes. 

"Wir hatten nur positive Reaktionen", sagt Heike Beier. Viele Leute aus Dresden, wo die Familie ein kleines Touristik-Büro betreibt, hätten sich durch Steimles Abendgruß erinnert gefühlt, wie schön es doch in Diesbar-Seußlitz ist. Manche hätten sogar nachgefragt, wo der Baum mit dem Bienennest im Schlosspark steht, vor dem Steimle in dem Video stehen bleibt und bemerkt: "Ein Baum, der summt, das ist, als würde Gott darin wohnen."

"Ich fand den Abendgruß wirklich schön", sagt Heike Beier und kann daran nichts  Politisches finden – bis auf das T-Shirt von Steimle. "Aber das hat er ja laufend an."  

Der Kabarettist hatte gegenüber der SZ gesagt, dass das CDU-FDJ-Symbol nicht seine Kreation ist. Auf wen es letztlich zurückgeht, dürfte kaum herauszufinden sein. 

Fest steht, dass sich das Emblem im Netz an verschiedenen Stellen findet. Die Ergebnisse einer Google-Bildersuche mit den Begriffen "FDJ CDU Logo" verweisen zum Beispiel auf das Portal des Leipziger Unternehmens Spreadshirt. Dort werden T-Shirts, Mützen, Beutel oder auch Tassen mit der Symbolik angeboten. Ein Shirt kostet beispielsweise 20 Euro das Stück, eine Tasse 18 Euro. In einem anderen Shop heißt es zu ähnlichen Shirts, diese seien satirisch und als Logo für die  von "einer ehemaligen FDJ-Funktionärin entführte Partei" zu verstehen. Damit wird auf Bundeskanzlerin Angela Merkel angespielt, die jahrelang CDU-Bundeschefin war – und die als Jugendliche zu DDR-Zeiten der FDJ angehört hatte. 

Das erste Ergebnis indes verweist auf eine Verkaufsplattform aus Halle mit ähnlichem Angebot. Der Betreiber des Shops ist ein bekannter Neonazi, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Zuletzt hatte der Mann Ärger bekommen, weil er Judensterne mit der Aufschrift "Ungeimpft" angeboten hatte. Kritiker wenden unter anderem ein, dass damit der Holocaust – der millionenfache Mord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden während der Zweiten Weltkriegs – relativiert werde. 

In vielen Farben und jeweils leicht anders geformt: Die Symbolik aus CDU-Kürzel und FDJ-Logo findet sich im Netz an vielen Stellen. Über Onlineshops werden etliche Produkte vertrieben.
In vielen Farben und jeweils leicht anders geformt: Die Symbolik aus CDU-Kürzel und FDJ-Logo findet sich im Netz an vielen Stellen. Über Onlineshops werden etliche Produkte vertrieben. © Screenshot: SZ

Die Symbolik aus CDU-Kürzel und FDJ-Logo erfreut sich demnach allgemeiner Beliebtheit, wird offenbar jedoch auch von Rechtsextremisten geschätzt.

Uwe Steimle hatte der SZ gesagt, er finde das T-Shirt mit dem CDU-FDJ-Logo "spitze".  Der Kabarettist wehrt sich, in die rechte Ecke gedrängt zu werden, sagt: "Es ist ein Irrsinn, jeden, der mit der Politik nicht zufrieden ist, sofort als Nazi zu bezeichnen." Und: "Ich bin der Letzte, der mit rechtem Gedankengut zu tun haben will", so der Dresdner. So habe er zum Beispiel Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann untersagt, sein T-Shirt "Mir san Mir" zu tragen. Steimle verwandelte diesen Slogan des FC Bayern München und schrieb "Mir" in kyrillischen Buchstaben, was übersetzt "Frieden" heißt. In einem anderen Abendgruß sprach sich Steimle deutlich gegen Judenhass aus. 

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Wie die Bundes-CDU und der sächsische Landesverband zur Verbindung von Parteiabkürzung und FDJ-Logo stehen, war am Donnerstag nicht zu erfahren. Entsprechende Anfragen an das Konrad-Adenauer-Haus und die sächsische Parteizentrale blieben zunächst unbeantwortet.

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