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Sachsen verliert Tausende Kulturdenkmale

Schlechter Zustand, fehlendes Geld: Seit 1990 wurden Tausende Denkmale abgerissen. Und viele weitere gelten derzeit als gefährdet.

Diese neobarocke Villa auf der Tolkewitzer Straße 57 in Dresden stand unter Denkmalschutz, wurde aber vom Besitzer nach zwei Bränden ohne Genehmigung abgerissen.
Diese neobarocke Villa auf der Tolkewitzer Straße 57 in Dresden stand unter Denkmalschutz, wurde aber vom Besitzer nach zwei Bränden ohne Genehmigung abgerissen. © G. Michele

Dresden. Es sind vorwiegend historische Wohngebäude und technische Anlagen, aber auch Kirchen, Burgen und Gärten, die als Kulturdenkmale in Sachsen unter besonderem Schutz stehen. Dennoch verliert der Freistaat Jahr für Jahr viele davon.

So wurden seit 1990 bis Mai dieses Jahres 5.227 sächsische Kulturdenkmale teilweise oder komplett abgerissen. Das geht aus den Antworten von Thomas Schmidt (CDU), Staatsminister für Regionalentwicklung, auf mehrere Anfragen der AfD-Landtagsfraktion hervor. 

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Auch wenn der Großteil dieser Verluste auf die beiden ersten Nachwendejahrzehnte entfiel, kommt es auch heute noch regelmäßig zu Abrissen. So verlor Sachsen allein in der Zeit zwischen Juni 2017 und Mai 2020 insgesamt 260 Kulturdenkmale auf diese Weise. Betroffen waren davon vor allem Objekte in den Kreisen Leipzig, Bautzen, Mittelsachsen, Meißen und dem Erzgebirgskreis.

In Sachsen werden inzwischen alle der mehr als 101.000 Kulturdenkmale vom Landesamt für Denkmalpflege erfasst. Dazu schreibt das sächsische Denkmalschutzgesetz vor, dass Eigentümer und Besitzer von Kulturdenkmalen diese pfleglich behandeln und die Objekte „im Rahmen des Zumutbaren“ denkmalgerecht erhalten und schützen müssen.

Den Eigentümern fehlt oft Geld

Dennoch gelten zurzeit mindestens 562 Objekte offiziell als gefährdet – fast 90 Prozent davon befinden sich im Privatbesitz. Betroffen sind absehbar allerdings noch weit mehr Kulturdenkmale, denn laut Schmidt handelt es sich dabei um eine lückenhafte Auflistung, weil nicht alle Landkreise und Großstädte hierzu die erforderlichen Angaben machen.

Zusätzlich zu den als gefährdet eingestuften Gebäuden und Anlagen liegen im Freistaat gegenwärtig für 209 weitere Kulturdenkmale Genehmigungen für einen teilweisen oder vollständigen Abbruch vor. Darunter befinden sich 40 Objekte im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie 34 im Kreis Mittelsachsen und 28 im Erzgebirgskreis. 

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In Sachsen gibt es seit Längerem Forderungen nach einem stärkeren Schutz von Kulturdenkmalen. Laut dem Ministerium für Regionalentwicklung sind seit 1990 auch knapp 600 Millionen Euro an Denkmalfördermitteln und fast 1,5 Milliarden Euro aus der Städtebauförderung in den Erhalt von Kulturdenkmalen geflossen.

Dass es weiterhin zu Abrissen oder zu Umbauten kommt, die dann zum Verlust des Denkmalstatus führen, hänge häufig mit dem schlechten Zustand vieler Objekte und mit der fehlenden Finanzkraft der jeweiligen Eigentümer zusammen. Mitunter müssten Kulturdenkmale auch modernen Bauprojekten weichen. Die Abrissgenehmigungen würden aber erst nach der genauen Prüfung aller denkmalschützerischen und wirtschaftlichen Kriterien erteilt.

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