merken
PLUS Wirtschaft

Sachsen weitet Corona-Hilfe für Mittelständler aus

Nun sollen auch Firmen mit bis zu 100 Mitarbeitern von Darlehen profitieren können.

„Die Soforthilfe ,Sachsen hilft sofort‘ wird künftig auch für alle Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern geöffnet, die mehr als eine Million Jahresumsatz erzielen": Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig
„Die Soforthilfe ,Sachsen hilft sofort‘ wird künftig auch für alle Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern geöffnet, die mehr als eine Million Jahresumsatz erzielen": Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig © Nikolai Schmidt

Nun geht es doch schneller als gedacht. Noch bevor der Nachtragshaushalt in Höhe von sechs Milliarden Euro vom sächsischen Landtag beschlossen ist, hat Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Mittwochnachmittag die versprochene Soforthilfe für den sächsischen Mittelstand verkündet. „Die Soforthilfe ,Sachsen hilft sofort‘ wird künftig auch für alle Unternehmen mit bis zu 100 Mitarbeitern geöffnet, die mehr als eine Million Jahresumsatz erzielen. Denen bieten wir das Darlehen in einer Höhe von 100.000 Euro an“, so Dulig. Diese Erweiterung ist ebenfalls zinsfrei und muss in den ersten drei Jahren nicht getilgt werden. Anschließend haben die Darlehensnehmer sieben Jahre Zeit, um das Geld zurückzuzahlen.

Neu ist, dass Firmen, die nach drei Jahren die Summe bereits zurückgezahlt haben, einen Bonus von zehn Prozent auf den in Anspruch genommenen Kredit erhalten. Ebenso sollen die Unternehmen, die nicht in der Lage sind, ihre entstandenen Verluste aufgrund der Corona-Pandemie in den ersten drei Jahren auszugleichen, bis zu 20 Prozent erlassen bekommen. Die neue Bonusregelung gilt auch für Kleinunternehmen bis zehn Mitarbeitern. Das erweiterte Programm wird am Mittwoch nach Ostern an den Start gehen. Bis dahin bereitet die SAB die entsprechenden Anträge vor, heißt es im Wirtschaftsministerium.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Soforthilfe für KfW-Schnellkredite eine "Katastrophe"

Noch am Vormittag hatte es ein weiteres Spitzentreffen der Wirtschaftsverbände- und Kammern mit dem Ministerpräsidenten, dem Wirtschaftsminister und anderen Vertretern der schwarz-grün-roten Landesregierung gegeben. Die Wirtschaftsverbände waren aufgefordert, bis Dienstagabend ihre Vorschläge für Wirtschaftshilfen vorzulegen. Die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) schlug einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro je Beschäftigten für die kleinen Firmen mit maximal 50 Mitarbeitern vor, um Umsatzrückgänge und Zahlungsausfälle überbrücken zu können. 

Mittelständische Unternehmen im Bereich 50 bis 250 Mitarbeiter sollten keinen Zuschuss, aber ein besichertes Nachrangdarlehen erhalten, bemessen am durchschnittlichen Liquiditätsbedarf für zwei Monate zwischen 1,5 und sechs Millionen Euro. Die Industrie- und Handelskammer Dresden hatte gefordert, das Darlehensprogramm um einen Tilgungszuschuss um zehn Prozent zu ergänzen. Und auch der Erlass von Restforderungen sollte eine „geregelte Option“ sein für Unternehmen, deren Existenz gefährdet ist aufgrund der Corona-Folgen.

Für Dieter Pfortner, der als Vertreter der drei sächsischen IHKs an dem Treffen teilnahm, ist die Kombination aus Darlehen und Zuschuss „ein Schritt in die richtige Richtung, wenn schon der Freistaat sich nicht in der Lage sieht, nicht rückzahlbare Zuschüsse an die Unternehmen zu zahlen, wie es in anderen Bundesländern üblich ist“. Allerdings kenne er noch die Richtlinie zu den Bedingungen bei Inanspruchnahme des Darlehens nicht, betonte er einschränkend. Pfortner treibt auch weiterhin um, wie Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten geholfen wird, die in Not geraten sind. Die von der Bundesregierung verabschiedete Soforthilfe für KfW-Schnellkredite zu einem Zinssatz von drei Prozent nennt er eine „Katastrophe, auch wenn der Staat die komplette Haftung übernimmt.“

Nicht richtig durchdacht?

Joachim Ragnitz, Vize-Chef der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung findet es prinzipiell den richtigen Ansatz, auch größeren Unternehmen zu helfen. „Es bleibt jedoch bei Krediten“, so Ragnitz, und das obwohl andere Länder zum Teil recht hohe Zuschüsse an diese Unternehmen geben. Es kommt darauf an, eine Pleitewelle zu verhindern. In der Industrie sei die Corona-Krise weniger tragisch, weil dort ausgefallene Geschäfte nachgeholt werden dürften. „Bei vielen Dienstleistern ist das nicht der Fall. Hier wären also nicht rückzahlbare Zuschüsse als Liquiditätshilfe sinnvoll“, betont der Wirtschaftsforscher. Denn gerade diese Unternehmen dürften in vielen Fällen Darlehen erst gar nicht beantragen, da es angesichts der ungewissen Dauer des Stillstands unklar ist, ob eine Tilgung in absehbarer Zeit überhaupt möglich ist, gibt er zu bedenken.

Doch sollten sich Zuschüsse nicht an der Beschäftigtenzahl orientieren, wie es der VSW vorschlägt. Vielmehr gehe es darum, fixe Kosten wie Mieten, Versicherungen und Ähnliches abzudecken. Wenn, dann sollte eine feste Summe als Zuschuss gezahlt werden. Vor allem komme es aber darauf an, bundeseinheitliche Regeln zu finden. Ansonsten würden sich die Bundesländer langfristig besserstellen, die jetzt mit besonders hohen Hilfen ihre Unternehmen retten. „Wenn andere Länder Zuschüsse zur Unternehmensrettung gewähren, muss Sachsen diesem Beispiel dann wohl folgen“, sagt Ragnitz.

Weiterführende Artikel

Betrugsversuch mit Corona-Soforthilfen

Betrugsversuch mit Corona-Soforthilfen

Betrüger haben eine gefälschte Website gebaut, um Geld von der SAB zu bekommen. Deshalb werden vorerst keine Soforthilfen mehr ausgezahlt.

Darlehen für Firmen bis 100 Mitarbeiter

Darlehen für Firmen bis 100 Mitarbeiter

Mittelgroße Unternehmen können in Sachsen ab Freitag Darlehen bis zu 100.000 Euro beantragen.

Weg frei für Sachsens Corona-Hilfspaket

Weg frei für Sachsens Corona-Hilfspaket

Der Freistaat will 6,7 Milliarden Euro für die Bewältigung der Krise bereitstellen. Dafür darf sich das Land verschulden.

Jetzt auch Schnellkredite für mittlere Firmen

Jetzt auch Schnellkredite für mittlere Firmen

Die Bundesregierung schließt eine Lücke bei den Hilfen für Unternehmen und Selbstständige.

Die neue Bonusregelung scheint ihm noch nicht so richtig durchdacht zu sein. „Heute kann doch noch niemand sagen, wie lange einzelne Unternehmen brauchen, um sich von dem aktuellen Schock zu erholen“, sagt der Experte. Und unter Anreizgesichtspunkten müsse man sich fragen, ob es klug ist, einen höheren Bonus gerade dann zu gewähren, wenn ein Unternehmen es nicht schafft, die Verluste wieder einzuholen. „Das ist ja geradezu eine Einladung dazu, jetzt Verluste möglichst hoch auszuweisen und diese bis zum Stichtag eben nicht auszugleichen“, so Ragnitz.

Aktuelle Informationen rund um das Coronavirus in Sachsen, Deutschland und der Welt lesen Sie in unserem Newsblog.

Mehr zum Thema Wirtschaft