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Wirtschaft

Sachsen will Berufsausbildung neu sortieren

Mit der Reform der Lehre reagiert der Freistaat auch auf eine stark veränderte Nachfrage von Schülern.

Der Freistaat Sachsen will die Berufsausbildung reformieren und Angebote ausgewogen verteilen.
Der Freistaat Sachsen will die Berufsausbildung reformieren und Angebote ausgewogen verteilen. © Sebastian Kahnert/dpa

Von Jörg Schurig

Sachsen will die Angebote in der Berufsausbildung bündeln und dabei auch den ländlichen Raum stärken. Das sieht ein Entwurf aus dem Kultusministerium vor. „Wir müssen schauen, an welchen Standorten wir welche Ausbildung dauerhaft und in guter Qualität etablieren können. Es geht um Planungssicherheit für alle Beteiligten“, sagte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) in Dresden: „Wir haben eine rasant sich veränderte Arbeitswelt. Neue Ausbildungsberufe kommen dazu, andere werden weniger nachgefragt.“ Trotzdem müsse man eine flächendeckende Versorgung mit beruflicher Bildung garantieren.

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„Wir brauchen auch mit Blick auf Investitionen eine langfristige Planungssicherheit. Es gilt, regionale Interessen und die landesweite Sicht unter einen Hut zu bringen, Standortfragen zu klären, die Interessen der Wirtschaft und der Auszubildenden zu berücksichtigen. Am Ende muss eine Lösung her, mit der alle leben können und die Bestand hat“, sagte Piwarz. Sachsen verfüge über ein gut ausgebautes Netz von Berufsschulen. Man wolle diese Breite auch künftig beibehalten. Standorte würden nicht per se infrage gestellt. Es gehe darum, ein ausgewogenes Angebot in Stadt und Land bereitzustellen.

Piwarz: Zahl der Ausbildungsberufe reduzieren

Piwarz verwies auf eine Umfrage zur Berufsausbildung. Das Primat bei Unternehmen liege eindeutig in einer guten und auch personell gut ausgestatteten Ausbildung und langfristiger Planungssicherheit. Andere Dinge wie die Fahrtzeiten der Lehrlinge seien für die Firmen eher sekundär: „Wenn sich Unternehmen entscheiden müssten, würden sie eher die gute Ausbildung an einem bestimmten Standort wählen statt kürzere Wege.“ Zudem werde es mit dem Azubi-Ticket künftig günstiger, mit dem öffentlichen Personennahverkehr an die Ausbildungsorte zu kommen. Kommunen könnten unterstützt werden, Internate zu bauen.

Grundsätzlich ist Piwarz dafür, die Zahl der Ausbildungsberufe zu reduzieren. Laut Statistik gab es 2019 in Deutschland knapp 330 Lehrberufe. „Wie sollen sich junge Leute da zurechtfinden“, fragte der Minister. Zugleich gebe es eine große Dynamik: „Berufe, die vor zehn Jahren noch absolut hip waren, werden kaum noch nachgefragt, zum Beispiel Mediengestalter. Das ist alles sehr schnelllebig. Kaufmann für E-Commerce ist dagegen derzeit im Trend. Hier bleibt abzuwarten, wie sich die Schülerzahlen künftig entwickeln.“ Großen Bedarf gebe es bei Elektrotechnik und Metallverarbeitung. Klassische Berufe wie der Fleischer würden heute in Sachsen nur noch an vier Standorten ausgebildet: „Da verändert sich viel.“

Schulstandorte stabilisieren

Dem Anspruch nach soll mit dem Schulnetzplan berufliche Bildung in allen Landesteilen zu zumutbaren Bedingungen möglich sein. Der Plan sieht den Erhalt aller 61 Beruflichen Schulzentren (BSZ) und deren Weiterentwicklung zu beruflichen Kompetenzzentren vor. „Lediglich im Landkreis Nordsachsen sollen zwei Berufliche Schulzentren zu einem Schulzentrum mit einer Stammschule und einer Außenstelle fusionieren“, hieß es aus dem Kultusministerium. Des Weiteren werde angestrebt, berufliche Kompetenzzentren weiterzuentwickeln. Eine stärkere Bündelung der Angebote solle Schulstandorte stabilisieren.

Angebote in den wasser- und abwassertechnischen Berufen werden laut Entwurf in Pirna konzentriert, Gießereitechnik im BSZ Freital-Dippoldiswalde. Eine Spezialisierung ist auch im Bereich Bau geplant. Hier will man Hochbau-Berufe in Oelsnitz (Erzgebirge), Löbau und Eilenburg bündeln. Den Bereich Ausbau sollen Schulen in Zwickau, Dresden und Leipzig abdecken, den Tiefbau Pirna, Zwickau und Leipzig. Trotz eher geringer Nachfrage sollen Kompetenzzentren wie das der Musikinstrumentenbauer in Klingenthal, der Uhrmacher in Glashütte und der Steinmetze in Demitz-Thumitz erhalten bleiben.

Wenig begeistert von Piwarz Plan, die Zahl der Ausbildungsberufe zu reduzieren, zeigte sich Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden. So etwas würde das Erfolgsmodell Duale Ausbildung gefährden, erklärt er. Wir sind gespannt auf die diesbezüglichen Konzepte des Kultusministeriums und stehen für einen Dialog bereit, so Dittrich. (SZ/dpa)

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