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Sachsen will Burgbaustelle früher beenden

Eigentlich sollte es vorerst kein Baugeld für Mildenstein geben. Doch der Haushaltentwurf des Landes sagt etwas anderes.

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Von Heike Stumpf

Mit dieser guten Nachricht konnte Landtagsabgeordneter Sven Liebhauser (CDU) dann doch nicht hinterm Berg halten: Mit insgesamt 2,8 Millionen Euro will der Freistaat Sachsen im Doppelhaushalt 2013/14 die Baustelle auf „seiner“ Burg Mildenstein abschließen. Sehen die Parlamentarier das auch so, könnte das Rohbaufertige in Herren- und Pagenhaus beendet und genutzt werden.

Zu Burgchef Peter Knierriem sind diese Finanzierungspläne noch nicht vorgedrungen. Er sieht den Geldsegen mit Freude und Bauchschmerzen gleichermaßen. „Sicher ist es schön, etwas zu Ende zu bringen“, sagt er. „Auf der anderen Seite steigen damit dann auch die Betriebskosten, die bei uns ohnehin schon so große Posten im Haushalt ausmachen“, erklärt Knierriem.

Die seit einiger Zeit eingeführten Winterschließzeiten – von November bis Februar hat Mildenstein nur an den Wochenenden – geöffnet, bringen da nur wenig Entlastung. „Aus bauphysikalischen Gründen und um Schäden an der Substanz zu vermeiden, müssen die meisten Museumsräume auch dann auf eine Grundtemperatur geheizt werden“, so Knierriem. Er bezeichnet den Winter als die kostenintensivste Zeit mit den geringsten Einnahmen. Die Betriebskosten bei einem „Haus“ wie Mildenstein machen übers Jahr gesehen eine sechsstellige Summe aus.

Bemerkbar macht sich die Winteröffnung dem Burgchef zufolge bei den Personalkosten. Da der Betrieb überwiegend mit Saisonkräften arbeite, könne das Personal so effektiver eingesetzt werden.

Das Stammpersonal von Mildenstein geht zum Jahreswechsel in eine gemeinnützige, also eine gGmbH über. Die ist schon gegründet, zum 1. Januar wird sie dann auch die Arbeit aufnehmen. Zu dieser Gesellschaft gehören alle jetzt staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten, die im Eigentum des Landes Sachsen sind. Aus dieser Umwandlung kann Peter Knierriem keine Nachteile für Mildenstein und die drei weiteren Schlösser und Burgen, die er leitet, erkennen. Schmackhaft gemacht worden ist den Einrichtungen der Wechsel damit, dass ein privatwirtschaftlicher Betrieb anders arbeiten kann als ein staatlicher. Und so hofft Knierriem, bei den Finanzen etwas flexibler handeln und in begründeten Fällen auch mal Geld ins nächste Jahr retten zu dürfen.

Ansonsten wird sich an der Finanzierung der Burg wenig ändern können. Der Freistaat muss aus Sicht des Burgchefs weiterhin viel in den Museumsbetrieb stecken, weil der nicht kostendeckend zu bewirtschaften ist. Für ein Plus-Minus-Null wären mehr als doppelt so viele Besucher (um die 40 000 sind es jährlich) und dafür dann auch mehr Personal nötig. Und Mildenstein müsste umziehen – ins Erzgebirge oder nach Dresden. Denn dorthin zieht es auch Ferntouristen, die es bis nach Leisnig meist nicht schaffen.