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Sachsen will die Lehrerausbildung vorantreiben

CDU und FDP haben sich mit der Regierung auf ein Bildungsprogramm bis 2015 verständigt. Die Reaktionen sind gemischt.

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Von Carola Lauterbach

Es war wenig Platz gestern auf dem Podium der Landespressekonferenz. Die Fraktionschefs von CDU und FDP, Steffen Flath und Holger Zastrow, und die Minister für Kultus und Finanzen, Roland Wöller und Georg Unland, wollten vor Weihnachten gemeinsam die frohe Botschaft verkünden: Sachsen legt ein 200-Millionen-Euro-Programm für Bildung auf.

Damit sollen die Lehrerausbildung in Sachsen forciert und Lehrereinstellungen ermöglicht werden. Lange war die Regierung kritisiert worden – zuletzt sogar aus den Reihen der CDU –, dem drohenden Lehrermangel infolge Altersabgangs nicht die notwendige Aufmerksamkeit zu widmen.

Nun also im Großaufgebot. Interessant war dabei, was die vier Herren betonten. Während Steffen Flath das Papier als einen Kompromiss und „noch nicht der Weisheit letzten Schluss“ deklarierte, hob Holger Zastrow hervor, dass es dem Koalitionsausschuss gelungen sei, das Thema sechs Monate lang analysiert und debattiert zu haben, ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon bemerkt hätte. „Das spricht für den vertraulichen Umgang in dieser Koalition“, freute sich Zastrow und haderte nur ein bisschen damit, dass beinahe der komplette 4.Advent für dieses Thema verwendet werden musste.

Der Kultusminister strahlte über das ganze Gesicht und sprach von einem klaren Signal zur Sicherung der Schullandschaft.

Flath: Keine größeren Klassen

Der Finanzminister betonte anhand von Kurven und Tabellen einmal mehr, dass die Halbierung der Schülerzahlen in Sachsen nicht mit entsprechendem Abbau der Lehrerstellen einhergegangen sei. Das sei politisch auch nie gewollt gewesen, sagte Georg Unland im Gespräch mit der SZ, stelle heute aber alle vor die Aufgabe, in kürzester Zeit mehr junge Leute für den Lehrerberuf zu gewinnen, als unter „normalen demografischen“ Bedingungen erforderlich gewesen wäre.

Bis 2015 sollen also die Zahl der Referendariatsstellen spürbar erhöht, 2020 neue Lehrer eingestellt und Seiteneinsteigerprogramme aufgelegt werden. Im großen Stile wird die Lehramtsausbildung in Sachsen ausgebaut – mit einer Lehrerexzellenzinitiative will man ebenso Vorreiter in Deutschland werden wie mit der Erhöhung der Studienerfolgsquote im Lehramtsstudium. Zusätzliche Ressourcen sollen erschlossen werden, indem Lehrer aus der Verwaltung abgezogen und um Rückkehrer aus anderen Bundesländern geworben würde. Definitive Absagen machte das Gremium an eine künftige Verbeamtung von Lehrern oder bessere Bezahlung. Allerdings werde es mit der CDU-Fraktion, so Flath, auch keine Schulgesetzänderung und damit keine größeren Klassen geben.

Die Reaktionen waren erwartungsgemäß gemischt. Aus der Wirtschaft hieß es „richtige Schwerpunkte gesetzt“, Opposition und Gewerkschaft warfen dem Kultusminister vor, vor dem Finanzminister kapituliert zu haben. Bei nur reichlich 2.000 Neueinstellungen in den nächsten drei Jahren, kritisierte SPD-Bildungspolitikerin Eva-Maria Stange, ergebe sich mit dem Bildungspaket ein Abbau von 2.000 Stellen, was zwangsläufig zur Verschlechterung der Unterrichtssituation führe. Damit, sagte sie, sei der Knüppel aus dem Sack: Die Regierung täusche die Öffentlichkeit.