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Sachsen will größere Abstände von Windrädern zu Straßen

Dafür rücken die Windräder aber wieder näher an Wohnhäuser heran, sagt der Planungsverband.

Von Birgit Ulbricht

Der geplante Windpark nördlich von Großenhain könnte sich verringern – aber er ist nicht vom Tisch, weil das Gebiet um Strauch nach allen harten Kriterien, die der Planungsverband anlegt, immer noch einer der wenigen möglichen weißen Flecke bleibt, die für solch ein Projekt übrigbleiben. Verkleinern könnte sich das denkbare Gebiet durch eine neue Gesetzesvorlage, die das Wirtschaftsministerium einbringen will. Danach soll der Mindestabstand von Windrädern zu Staats- und Kreisstraßen neu geregelt werden.

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Ist das Windrad mit einer technischen Vorkehrung gegen Eisabwurf ausgestattet, soll der Abstand zwischen Straße und äußerster erreichbarer Fläche durch das Rotorblatt 150 Meter betragen. Ohne Eiswurf-Schutz sogar 400 Meter. Bei Windrädern über 150 Meter vergrößert sich dieser Abstand entsprechend ihrer Höhe. Bisher galt ein Mindestabstand zu Straßen von 20 Metern!

Die sächsische Staatsregierung will laut eigener Begründung der Gesetzesinitiative Vorsorge gegen Brandfälle und Eisabwurf treffen. Eine ähnliche Initiative – des Bundesrates – gibt es, die Abstände zu Bundesstraßen und Autobahnen deutlich zu vergrößern. Also alles gut für die Bürger, die in solchen Ortschaften wohnen? Michael Geisler vom Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge sagt überraschend: nein. Der Verband hat deutlich größere Abstände zu Straßen jetzt angelehnt. Der Grund: Die Tabuzonen für Windräder würden damit von jetzt 13 200 Hektar auf 55 700 Hektar steigen, 16 Prozent der Fläche des Planungsverbandes. Leidtragende wären aus Geislers Sicht wahrscheinlich die Bürger in den betroffenen Dörfern. Denn der angestrebte neue Mindestabstand zu Wohnhäusern von 1000 Metern, ist nicht als hartes, sondern ein weiches Kriterium festgelegt, wenn es darum geht, wo ein Windrad aufgestellt wird. Das würde automatisch dazu führen, dass Windräder weiter von Straßen wegrücken, aber näher an Wohnhäuser heran, damit überhaupt die Vorgaben für die zu erbringende Windkraft-Leistung zu erfüllen sind. Auch Rödern wäre dann möglicherweise wieder mit in der Betrachtung, denn auch „Bauen im Wald“ ist eben nur „möglichst zu vermeiden“ – aber nicht ausgeschlossen.

Der Planungsverband hat die Gesetzesinitiative für größere Abstände zu Staats- und Kreisstraßen daher in einer aktuellen Stellungnahme abgelehnt. Eine Gefahr für Autofahrer sieht Michael Geisler nicht. Moderne Windräder hätten Brandschutz- und Blitzschutzsysteme, würden sich selbst abschalten und sind automatisch mit Gaslöschanlagen ausgestattet. Gegen Eiswurf gäbe es sogar Rotorblattheizungen.