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Leben und Stil

Sachsen Zahnärzte werben um Patienten

Aus Angst vor Corona verschieben viele die Behandlung. Das hat erhebliche gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen.

Die Landeszahnärztekammer Sachsen wirbt dafür, dass Patienten Behandlungen nicht weiter aufschieben und auch wieder Routinekontrollen wahrnehmen.
Die Landeszahnärztekammer Sachsen wirbt dafür, dass Patienten Behandlungen nicht weiter aufschieben und auch wieder Routinekontrollen wahrnehmen. © Patrick Pleul/dpa

Dresden. Professionelle Zahnreinigung, Kontrolluntersuchungen und Zahnersatz – sächsische Zahnärzte behandeln wieder uneingeschränkt. Als Vorsichtsmaßnahme für Patienten und Praxismitarbeiter hatte die Landeszahnärztekammer mit Beginn der Coronapandemie empfohlen, nur noch dringende Behandlungen durchzuführen. Viele Patienten sagten aus Angst vor einer Infektion auch von sich aus Termine ab.

Nach einer deutschlandweiten Analyse durch die Bundeszahnärztekammer ging die Zahl der Behandlungen im März und April gegenüber dem Monat Februar im Schnitt um 50 Prozent zurück. Knapp 70 Prozent der Praxen mussten Kurzarbeit anmelden. „Wir haben die Zeit genutzt, um für noch mehr Sicherheit zu sorgen“, sagt Thomas Breyer, Präsident der Landeszahnärztekammer Sachsen. So seien die ohnehin hohen Hygiene- und Infektionsschutzstandards nochmals verstärkt worden. Für Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind, wurden im Freistaat fünf darauf spezialisierte Praxen geschaffen. Bislang wurden dort zehn Patienten behandelt.

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Breyer wirbt dafür, dass Patienten Behandlungen nicht weiter aufschieben und auch wieder Routinekontrollen wahrnehmen. „Das Ende der Pandemie abzuwarten, gefährdet die Zahn- und damit auch die Allgemeingesundheit“, sagt er. „Verschleppte Zahnfleischentzündungen könnten früher einen Zahnersatz nötig machen.“ Eine unbehandelte Karies habe oft Wurzelbehandlungen zur Folge. Zahnarzt Daniel Wolf aus Chemnitz beobachtet, dass Patienten jetzt auch aus finanziellen Gründen größere Zahnersatzversorgungen verschieben.

Neugründungen immer unattraktiver

In Sachsen gab es zum Jahresende 2.427 Zahnarztpraxen. Im März haben davon laut Bundeszahnärztekammer 35 geschlossen. Kammerpräsident Peter Engel fürchtet eine Insolvenzwelle. „Denn die Einnahmeverluste bei hohen Betriebsausgaben und Investitionskosten können viele Praxen nicht lange schultern“, sagt er. Die Neugründung einer Einzelpraxis koste durchschnittlich 598.000 Euro, die überwiegend kreditfinanziert seien. Insbesondere für junge Praxen werde die Situation existenzbedrohend. Im Gegensatz zu Vertragsärzten, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen habe die Bundesregierung Zahnärzten nur einen Kredit zugedacht.

Wie schlimm die Situation in Sachsen ist, ermittelt die Kassenzahnärztliche Vereinigung derzeit in einer Umfrage. „Knapp 60 Prozent der Zahnärzte im Freistaat sind über 50 Jahre alt und können damit die angebotenen Corona-Kredite kaum noch tilgen“, sagt Präsident Breyer. Ohnehin gehe die Zahl der Praxen in Sachsen seit 2015 stetig zurück. Neugründungen würden immer unattraktiver. Für Patienten könnte das bald länger Wartezeiten bedeuten.

Aktuelle Informationen rund um das Coronavirus in Sachsen, Deutschland und der Welt lesen Sie in unserem Newsblog.

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