merken
PLUS Riesa

Sachsenarena im Notruf-Rot

Viele Firmen, Gaststätten und Hotels leben von der Veranstaltungshalle im Herzen Riesas. Noch pocht es. Aber wie lange? Am Montagabend setzten sie ein Zeichen.

Robin Sasse sorgte mit seiner Firma MWE-Group für die rote Beleuchtung der Sachsenarena. Normalerweise beleuchtet er die Arena von innen. Doch sie ist wegen des Verbotes für Großveranstaltungen momentan geschlossen.
Robin Sasse sorgte mit seiner Firma MWE-Group für die rote Beleuchtung der Sachsenarena. Normalerweise beleuchtet er die Arena von innen. Doch sie ist wegen des Verbotes für Großveranstaltungen momentan geschlossen. © Sebastian Schultz

Riesa. Vor der roten kommt die blaue Stunde. Über der Sachsenarena summt etwas wie ein Bienenschwarm und kommt näher. Es ist eine Drohne mit Kamera. Sie soll in der Dämmerung Luftbilder von der Aktion "Night of Light" in Riesa machen, ehe es dunkel ist und die Arena rot angestrahlt wird, wie rund 9.000 andere Gebäude in Deutschland auch. Gut 20 Transporter von hiesigen Firmen stehen vorm Eingangsportal der Halle und geben Lichthupe. Nach oben winkt niemand. Und lächelt gleich gar nicht. Dafür ist die Lage viel zu ernst. 

Wie zum Beispiel für Robin Sasse. Mit seiner Technik ist er an diesem Abend für die Rotbeleuchtung verantwortlich. Seit zwei Jahre gehört ihm die MWE-Group, die sein Vater Hans-Jürgen Sasse vor 25 Jahren gründete. Die Firma sorgt bei Veranstaltungen für optimales Licht und guten Klang. Auch bei Konzerten in der Sachsenarena wird die MWE-Group gern als lokaler Unterstützer engagiert. Sie kennt sich hier sehr gut aus, weiß, wo die Strahler am besten installiert werden müssen. 

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Jedes Konzert in der Sachsenarena ist wie ein Heimspiel für Robin Sasse und seine 22 Mitarbeiter. Doch momentan passiert gar nichts. Weder hier noch anderswo. "Wir laufen seit Mitte März auf Null", sagt der ausgebildete Veranstaltungstechniker. Jeden Monat büße er mehrere 10.000 Euro Umsatz ein. Zwar habe er über die Sächsische Aufbaubank eine Soforthilfe vom Freistaat erhalten. Den Kredit muss er erst ab 2023 tilgen. "Aber wenn das hier so weitergeht, weiß ich nicht, ob meine Firma 2023 noch da ist", sagt er.  

In diesem Rot leuchtete am Montagabend bis spät in die Nacht hinein die Sachsenarena in Riesa.
In diesem Rot leuchtete am Montagabend bis spät in die Nacht hinein die Sachsenarena in Riesa. © Sebastian Schultz

"Allein mit Krediten ist unserer Branche nicht geholfen", sagt FVG-Geschäftsführer John Jaeschke. "Wir brauchen von der Politik eine verlässliche Planungssicherheit." 27 Veranstaltungen konnten seit März in der Sachsenarena nicht wie geplant stattfinden. Die meisten von ihnen wurden  ins nächste Jahr verschoben. "Aber jede Verschiebung ist für uns in Wahrheit wie ein Ausfall", so Jaeschke. Denn dafür müssen Termine freigehalten werden, an denen eigentlich neue Konzerte stattfinden sollten.

Wie Jaeschke bestätigt, würden in und um Riesa rund 60 Firmen, Geschäfte, Gaststätten, Hotels und Pensionen von den Konzerten und Sportmeisterschaften in der Sachsenarena leben. Die FVG sei dem Aufruf zur "Night of Light" ("Nacht des Lichts") gern gefolgt, um auch auf die Sorgen und Nöte ihrer Mitstreiter aufmerksam zu machen. "Wir als Sachsenarena haben die Strahlkraft", so Jaeschke, "aber uns geht es darum, die vielen kleineren Partner nicht zu vergessen." 

Zu ihnen zählt auch der Blumenladen "Passiflora" auf der Goethestraße. Seit der Abschiedstournee von Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katharina Witt, die im Februar 2008 in Riesa Station machte, sind Romy Damm und Anett Planitz verantwortlich für den Blumenschmuck bei Veranstaltungen in der Arena und in der Stadthalle "Stern". So zum Beispiel auch bei den Abi-Bällen. Sie fallen dieses Jahr wegen Corona aus. "Da muss man schon viele Sträuße verkaufen, um diesen Verlust auszugleichen", sagt Anett Planitz.

Auch das Konzert von Roland Kaiser, das eigentlich für März geplant war, musste ins nächste Jahr verschoben werden.
Auch das Konzert von Roland Kaiser, das eigentlich für März geplant war, musste ins nächste Jahr verschoben werden. © Sebastian Schultz

Auch Tsoulfas Kostas, der seit 2000 am Rathausplatz das beliebte griechische Restaurant betreibt, spricht von "einer schwierigen Zeit". Wegen der Corona-Auflagen sei seine Gaststätte nur zu 60 Prozent gefüllt. Die Großveranstaltungen in der Sachsenarena seien in den letzten zehn Jahr ein gutes Zubrot für ihn gewesen. "Da muss man auch mal ein halbes Jahr aushalten können", sagt Kostas. "Aber noch ein halbes Jahr, das wird kritisch." 

Er und die anderen Unternehmer, die sich vor der Sachsenarena versammelt haben, denken voller Sorge an die Pläne der Bundesregierung. Sie hat sich mit den Bundesländern darauf verständigt, das Verbot für Großveranstaltungen bis Ende Oktober zu verlängern. 

"Man macht sich schon Gedanken"

Das könnte den Riesaer K+K Getränkefachgroßhandel der Brüder Jürgen und Matthias Krille hart treffen. Immerhin hängen 50 Arbeitsplätze dran. "Im Oktober ist die Saison vorbei", sagt Matthias Krille resignierend. Normalerweise würde jetzt das Hauptgeschäft gemacht, mit dessen Erlös jeder Geschäftsmann in der Veranstaltungsbranche und in der Gastronomie die Reserven erwirtschaftet, um über den nächsten Winter zu kommen und niemanden entlassen zu müssen. "Man macht sich schon Gedanken", sagt er. 

Weiterführende Artikel

Santiano spielen erst 2021 in Riesa

Santiano spielen erst 2021 in Riesa

Auch im Oktober wird es nichts: Zum zweiten Mal muss die Band ihr geplantes Konzert in der Sachsenarena verschieben.

Die beiden Brüder ärgert besonders eine Ungerechtigkeit. "Wir haben keine Soforthilfe gekriegt", sagen sie. Die gab es in Sachsen nur für kleinere Firmen. Die meisten anderen Bundesländer hätten nicht diese Unterschiede gemacht. "Doch ohne Unterstützung der Politik müssen wir wahrscheinlich Leute entlassen", so Matthias Krille. Um die Politiker in Berlin und Dresden wach zu rütteln und auf die Notlage einer ganzen Branche hinzuweisen, seien die beiden Brüder zur Aktion vor der Sachsenarena gekommen. Sie hoffen sehr, dass es was bringt.

Mehr zum Thema Riesa