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Sachsenarena soll rot leuchten

Wegen Corona waren allein in Riesa 27 Veranstaltungen abgesagt worden. Jetzt regt sich Protest.

Keine Leute: Die Riesaer Sachsenarena ist seit März wegen der Corona-Regeln quasi ausgestorben. Dagegen soll es nun einen eindrucksvollen Protest geben.
Keine Leute: Die Riesaer Sachsenarena ist seit März wegen der Corona-Regeln quasi ausgestorben. Dagegen soll es nun einen eindrucksvollen Protest geben. © Lutz Weidler

Riesa. Roland Kaiser, Santiano, Tractor Pulling - der Riesaer Veranstaltungskalender war voll, als die Auswirkungen der Corona-Pandemie auch über Sachsen hereinbrachen. Von einem Tag auf den anderen wurde die gesamte Veranstaltungswirtschaft durch behördliche Auflagen lahmgelegt. 

"Einem riesigen Wirtschaftszweig ist praktisch über Nacht die Arbeitsgrundlage entzogen worden, eine Pleitewelle enormen Ausmaßes mit gravierenden Folgen für den Arbeitsmarkt und die kulturelle Vielfalt als tragende Säule unserer Gesellschaft droht", heißt es in einem Schreiben der FVG Riesa, das jetzt veröffentlicht wurde. Das städtische Tochterunternehmen betreibt mit der Sachsenarena eine der wichtigsten Arenen Sachsens und mit dem Stern eine für die Region bedeutende Stadthalle.

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In normalen Jahren zieht das Tractor Pulling Tausende Besucher nach Riesa. Dieses Jahr gehört die Veranstaltung zu fast 30, die abgesagt oder verschoben werden mussten.
In normalen Jahren zieht das Tractor Pulling Tausende Besucher nach Riesa. Dieses Jahr gehört die Veranstaltung zu fast 30, die abgesagt oder verschoben werden mussten. © Sebastian Schultz

Grund genug für die FVG, jetzt an einer deutschlandweiten Aktion mit dem Titel „Night of Light“, zu Deutsch "Nacht des Lichts" mitzumachen. Unternehmen aus der Veranstaltungswirtschaft wollen in einer gemeinsamen Aktion ein imposantes Zeichen für eine "vom Aussterben bedrohte Branche" setzen. Es sei mit der Politik nötig, Lösungen und Wege aus der dramatischen Lage zu entwickeln.

„Uns war sofort klar, dass wir die Aktion bedingungslos unterstützen“, sagt FVG-Geschäftsführer John Jaeschke. In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 2020 werden die Teilnehmer bundesweit in mehr als 250 Städten Veranstaltungshallen, Spielstätten, Gebäude und Bauwerke mit rotem Licht illuminieren. "Viele leuchtende Mahnmale, die sich zu einem gewaltigen Licht-Monument arrangieren", heißt es in dem Schreiben.

Damit wolle man zeigen, wie vielfältig die deutsche Veranstaltungswirtschaft  sei - und wie systemrelevant. „In enger Zusammenarbeit mit der MWEgroup wird die Sachsenarena Riesa am späten Abend des 22. Juni in rotem Licht erstrahlen“, so Jaeschke.

Allein Konzerte, Volksfeste, Firmenfeiern und Messen ziehen laut Branchenangaben in normalen Jahren in Deutschland knapp 500 Millionen Besucher an und können bis auf Weiteres gar nicht oder nur unter erheblichen Auflagen stattfinden. So wie das Sonderkonzert, mit dem die Sachsenarena am 11. Juli mit der Elbland Philharmonie Sachsen wieder starten will.

„Allein bei uns wurden in der Arena sowie der Stadthalle Stern seit März insgesamt 27 Veranstaltungen abgesagt oder verlegt. Diese Einnahmen fehlen uns schmerzlich, da die Termine zwar nachgeholt werden, allerdings nicht zusätzlich stattfinden“, so Jaeschke.

Die derzeitigen Hilfsprogramme für die Veranstaltungswirtschaft bestehen im Wesentlichen aus Kreditprogrammen, die jedoch eine erneute Zahlungsunfähigkeit in Verbindung mit der Überschuldung der betroffenen Unternehmen zur Folge haben werden.

1.500 Unternehmen machen mit

Für den Initiator der Aktion „Night of Light“ und Vorstand der Essener Agentur LK-AG, Tom Koperek, steht die gesamte Veranstaltungswirtschaft auf der Roten Liste der aussterbenden Branchen: „Die nächsten 100 Tage übersteht die Veranstaltungswirtschaft nicht! Die aktuellen Auflagen und Restriktionen machen die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen quasi unmöglich.“ 

Das treffe nicht nur die Veranstalter, sondern auch Spielstätten sowie Zulieferer und Dienstleister jeder Art und Größe: Technikfirmen, Bühnen- und Messebauer, Ausstatter, Caterer, Logistiker über Künstler bis hin zum Einzelunternehmer, der Content, Drehbuch, Regie oder florale Dekoration zu Events beisteuert. Die Branche vereine mehr als 150 verschiedene Gewerke und Spezialdisziplinen und verfüge deshalb über keine einheitliche Lobby. Umso wichtiger sei es, für eine stärkere Wahrnehmung durch die Politik und Öffentlichkeit zu sorgen.

Einem ersten Aufruf zur Teilnahme an der Aktion seien innerhalb von sieben Tagen mehr als 1.500 Unternehmen gefolgt. Gemeinsam wollen sie vom 22. Juni, 22 Uhr bis zum 23. Juni, 1 Uhr die „Night of Light“ als leuchtendes Mahnmal ausrichten.

Nacht des Lichts - unter diesem Logo will die Veranstaltungswirtschaft deutschlandweit mit Beleuchtungen auf sich aufmerksam machen.
Nacht des Lichts - unter diesem Logo will die Veranstaltungswirtschaft deutschlandweit mit Beleuchtungen auf sich aufmerksam machen. © FVG Riesa

Die Veranstaltungswirtschaft war der erste Wirtschaftszweig, der von der Covid-19-Krise getroffen wurde, und er werde mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am längsten und tiefgreifendsten von den Auswirkungen betroffen sein. Faktisch alle Unternehmen aus den Bereichen Messebau, Veranstaltungstechnik, Eventagentur, Catering, Bühnenbau, Tagungshotel, Konzertveranstalter und mehr hätten durch die Veranstaltungsverbote seit dem 10. März innerhalb weniger Werktage ihre gesamten Auftragsbestände verloren.

Seit Mitte März macht die Veranstaltungswirtschaft keinen Umsatz mehr. Anders als im produzierenden Gewerbe können weggefallene Umsätze nicht mehr nachgeholt werden, es kann auch nichts „auf Lager“ produziert werden. Die meisten Unternehmen in der Veranstaltungswirtschaft sind Dienstleister. Selbst wenn nach Beendigung der Krise eine hohe Nachfrage einsetzen würde, könne der erlittene Verlust nicht mehr kompensiert werden.

Allein in Riesa Hunderte Arbeitsplätze betroffen

Die Veranstaltungswirtschaft insgesamt ist einer der größten Sektoren der deutschen Wirtschaft und zählt laut Branchenangaben mehr als eine Million Beschäftigte. Es wird ein jährlicher Kernumsatz von mehr als zehn Milliarden Euro erwirtschaftet. Rechnet man die Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren veranstaltungsbezogenen Teil- und Zuliefermärkten hinzu, so beschäftigen mehr als 300.000 Unternehmen in über 150 Disziplinen mehr als drei Millionen Menschen und erzielen einen Jahresumsatz von mehr als 200 Milliarden Euro.

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„Allein an unserer Veranstaltungshalle hängen neben den Festangestellten der FVG zusätzlich 300 bis 500 Arbeitsplätze von verschiedensten Dienstleistern, Subunternehmen, aber auch zahlreiche Pauschalkräfte, wie z. B. studentische Aushilfen, welche auf diesen Zuverdienst angewiesen sind“, sagt John Jaeschke. „Aktuell befinden wir uns in Gesprächen mit unseren langjährigen Partnern aus Riesa, um uns am kommenden Montag gemeinsam an der Sachsenarena zu präsentieren“, so Jaeschke. (SZ)

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