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Sachsens Chip-Industrie schafft wieder Arbeitsplätze

Bosch baut neu, Infineon baut aus. Ein wichtiger Antrieb ist die Autoindustrie.

Von Georg Moeritz

Dresden.Die Bautafel ist aufgestellt, daneben einige Container: Der erste Spatenstich für die künftige Bosch-Mikrochipfabrik in Dresden steht bevor. Infineon Dresden kündigt ebenfalls zusätzliche Arbeitsplätze an. Die großen Sorgen um den Standort scheinen Vergangenheit zu sein: Vor neun Jahren meldete die Infineon-Tochter Qimonda Insolvenz an und schloss die Dresdner Fabrik mit rund 4 000 Arbeitsplätzen. Vor zwei Jahren kündigte Globalfoundries Dresden die Streichung von bis zu 800 Stellen an – doch so viele wurden es nicht, und nun herrscht wieder Aufbruchstimmung in der Branche. Ein Überblick.

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Bosch: Neubau soll bis zu 700 Stellen schaffen

Rund eine Milliarde Euro kostet die neue Chipfabrik, die nahe dem Dresdner Flughafen entsteht – mit dem neuen Firmennamen Robert Bosch Semiconductor Manufacturing Dresden GmbH. Das englische Wort Semiconductor bedeutet Halbleiter. Die Fabrik soll laut Boschs Planung „bis zu 700 Mitarbeiter“ beschäftigen. Es soll bis Ende 2021 dauern, bis die Produktion beginnt. Eine kleine Entwicklungsabteilung für Chips hat Bosch bereits seit 2013 in Dresden. Doch als der Konzern vor Jahren schon einmal einen Standort für eine Chipfabrik suchte, entschied er sich zum Kummer der Sachsen zunächst für Reutlingen nahe der schwäbischen Zentrale. 2010 wurde dort eine Fabrik eröffnet, zum Preis von 600 Millionen Euro. Bosch-Chips enthalten beispielsweise Druck- und Beschleunigungssensoren und stecken vor allem in Autos, aber auch in Smartphones.

Nun braucht der Autozulieferer Bosch mehr Chips, und er will in Dresden die modernere 300-Millimeter-Technologie nutzen: Während Reutlingen Siliziumscheiben mit 200 Millimetern Durchmesser beschichtet und ätzt, nutzt Dresden größere Scheiben, auf denen mehr Chips Platz finden. Mit dem 300-Millimeter-Format arbeiten auch die großen Nachbarn in Dresden.

Infineon: 300 zusätzliche Stellen bis zum Jahr 2020 angekündigt

Infineon Dresden liefert ebenfalls Mikrochips an die Autoindustrie, aber auch für Chipkarten und Ausweise. Die ehemalige Tochter Qimonda stellte Speicherchips für Computer auf 300-Millimeter-Scheiben her. Nach deren Pleite übernahm Infineon den Qimonda-Reinraum und beschäftigte dort einen Teil der Mitarbeiter aus der stark automatisierten 200-Millimeter-Produktion nebenan. Doch bisher ist die 300-Millimeter-Produktion erst zu 30 Prozent ausgelastet. Co-Geschäftsführer Raik Brettschneider sagte in einem Interview mit den Dresdner Neuesten Nachrichten, Anfang der 2020er-Jahre werde sie komplett ausgebaut und voll ausgelastet sein. Dort entstehen Leistungshalbleiter, die besonders robust sind und für die Elektronik etwa in Zügen und Solaranlagen benötigt werden. In den nächsten drei Jahren will Infineon Dresden auf 2 500 Mitarbeiter kommen. Derzeit arbeiten etwa 2 100 Beschäftigte und 100 Leiharbeiter bei Infineon Dresden.

Globalfoundries: 500 Stellen gestrichen, aber neue Produkte in Sicht

Dresdens größter Chiphersteller Globalfoundries hat in den vergangenen Jahren rund 500 Arbeitsplätze gestrichen, bleibt aber mit fast 3 500 Beschäftigten der Platzhirsch. Vorige Woche berichtete das Unternehmen, nun auch als Lieferant der Autoindustrie zertifiziert zu sein. Hauptkunden waren bisher AMD und Qualcomm, die Chips für Computer und Smartphones bezogen. Mit einer sparsamen neuen Technik will Globalfoundries zunehmend preiswerte Chips für das „Internet der Dinge“ herstellen und Chips für Kameras und Radarsysteme fürs Auto liefern. Der Konzern ist auch an der Fabrik AMTC neben der Bosch-Baustelle beteiligt – die 250 Beschäftigten dort liefern die „Masken“ zum Belichten.

Tradition und Neues: Name ZMD weg, aber viele Forscher und Lieferanten

Mit 450 Beschäftigten ist X-Fab Dresden künftig die viertgrößte Chipfabrik in der Stadt – hervorgegangen aus ZMD Zentrum Mikroelektronik Dresden, das heute zu IDT gehört. Auch dort sind Chips für Autos der Haupterwerb, vor allem mit Sensoren. Einen Reinraum zur Chip-Herstellung hat auch das Fraunhofer-Institut IMPS mit 350 Beschäftigten. Dresdner Lieferanten der Branche kümmern sich beispielsweise um die Automatisierung der Fabriken. Die jüngste Produktion startete in diesem Monat mit sechs Beschäftigten im Technologiezentrum Dresden: Die Firma 3-5 Power Electronics will in drei Jahren mehr als 20 Beschäftigte haben, die Chips mit Galliumarsenid statt Silizium herstellen.