merken
PLUS Leben und Stil

Sachsens Königsapfel kehrt zurück

Er schmeckt toll, ist eine Rarität und neue regionale Obstsorte des Jahres. Das freut nicht nur Kleingärtner, sondern auch Allergiker.

Opas alter Apfelbaum in Römers Garten in Burgstädt: vermutlich ein Königsapfel.
Opas alter Apfelbaum in Römers Garten in Burgstädt: vermutlich ein Königsapfel. © Katja Römer

Claudia Römer wohnt in einem Haus in Burgstädt, das ihr Uropa einst gebaut hat. Weil es damals noch keine Supermärkte gab, legte der Uropa einen Garten zur Eigenversorgung an – mit vielen Obstbäumen unterschiedlichster Sorten. Ein alter Apfelbaum trägt bis heute. Für Römers Kinder schmeckt kein gekaufter Apfel so gut wie der von Ururopas Baum. Nach überlieferten Erzählungen soll es sich um den Sächsischen Königsapfel handeln – grüngelb gefärbt und an der Sonnenseite rot gestreift. Sein süß-säuerliches Fruchtfleisch ist saftig fein, reagiert allerdings empfindlich auf Druck.

Für moderne Tafeläpfel ist das heute ein Makel. Zwar gibt es Tausende Apfelsorten, doch in den Läden finden sich bestenfalls fünf bis zehn. Sie wurden so gezüchtet, dass sie perfekt aussehen, sich gut transportieren und lagern lassen, beim Aufschneiden nicht braun werden und möglichst süß schmecken. 

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Robust und wenig anspruchsvoll

„Mit dem Übergang zu intensiven Anbauverfahren sind zahlreiche historische Obstsorten verloren gegangen – und mit ihnen eine Vielfalt an Farben, Formen und Aromen“, sagt Grit Striese, Sprecherin der Pomologen in Sachsen. Der Verein von Obstkundlern setzt sich für die Rettung alter Sorten ein, die ebenso ein Kulturgut seien wie historische Bauwerke, Lieder und Bräuche. Seit 2016 küren die Pomologen eine „Sächsische Obstsorte des Jahres“, die regional, sehr selten und empfehlenswert ist. 

So sieht ein Königsapfel aus der Nähe aus.
So sieht ein Königsapfel aus der Nähe aus. © Katja Römer

2020 fällt die Wahl auf den Sächsischen Königsapfel. „Vermutlich ist die Sorte vor 1900 im Erzgebirgsvorland, im Einzugsbereich der Mulde entstanden“, sagt Striese. „Verschiedene Namen wie Königshainer Prachtapfel oder Mittweidaer Königsapfel zeugen von seiner regionalen Verbreitung.“ Um 1940 sei der Apfel die Hauptsorte im Raum Chemnitz, Döbeln, Rochlitz und Borna gewesen. Da es aber kaum Nachpflanzungen gab, existieren heute nur noch wenige Altbäume in Sachsen – so wie im Garten von Claudia Römer.

Damit sich das ändert, haben die Pomologen Reiser vom Sächsischen Königsapfel geschnitten. Regionale Baumschulen vermehren und verkaufen sie später als Jungbäume. „Die Sorte gilt als robust und klimatisch wenig anspruchsvoll und kann vom Tiefland bis in höhere Lagen angepflanzt werden“, sagt Striese. Sie benötige aber einen nährstoffhaltigen Boden mit guter Wasserversorgung. Im September geerntet, halten sich die Früchte bis zum Dezember.

Mehr Interesse an alten Sorten

Dass das Interesse an alten Obstsorten wächst, merken die Pomologen nicht nur an steigenden Mitgliederzahlen. „Viele haben keine Lust mehr auf das Schauobst aus der Kühlung, das immer gleich schmeckt“, sagt Landessprecherin Striese. Bei den heutigen Monokulturen aus kurzlebigen niederstämmigen Bäumen werden vielfach Pflanzenschutzmittel eingesetzt. 

Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen allergisch auf die hochgezüchteten Äpfel im Handel reagieren. Wissenschaftlich belegt ist inzwischen, dass alte Apfelsorten oft mehr Polyphenole enthalten, die nicht nur gesund sind, sondern auch Allergene binden und damit verträglicher sind.

Ob es sich bei dem fast 100-jährigen Baum von Claudia Römer tatsächlich um einen Sächsischen Königsapfel handelt, wird derzeit von den Pomologen noch geprüft. In jedem Fall bekommt er am 28. August in Burgstädt Gesellschaft. „Wir werden auf unserem Apfellehrpfad einen Königsapfel neu pflanzen“, sagt Catrin Just von der Regionalgruppe des Naturschutzbundes. Just hofft, dass viele Kleingärtner in Sachsen dem Beispiel folgen.

Kontakt zu Partnerbaumschulen

Mehr zum Thema Leben und Stil