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Sachsens Radwege bekommen neue Schilder

5.120 Kilometer Radwanderwege gibt es in Sachsen. Wie die neuen Schilder aussehen, wo sie als nächstes aufgestellt werden - und die fünf beliebtesten Radwege.

© dpa

Kathrin Lehne freut sich wie ein kleines Mädchen. „Die Verlegung des Mulderadwegs war für uns wie ein Geschenk“, sagt die Inhaberin des Landgasthofes Dehnitz. Und nicht nur das: Seit wenigen Tagen steht neben dem Eingang zu ihrer Gaststätte auch noch eine grüne Säule – die erste Fahrrad-Reparaturstation in Nordsachsen. Vielleicht sogar die erste in ganz Sachsen, so genau weiß sie das gar nicht. Aber in einem Punkt ist sie sich ganz sicher: „Das bringt uns bestimmt noch mehr Gäste.“

Verfehlen kann man den Landgasthof jedenfalls nicht. Wer auf dem ehemaligen Bahndamm von Grimma nach Wurzen radelt, kommt direkt daran vorbei. Auffällige Wegweiser sorgen dafür, dass man unterwegs auch nicht vom Weg abkommt – es sei denn, man will das so. Dann kann man etwa einen Abstecher zum Schloss Trebsen machen oder lieber nach Oschatz statt nach Wurzen fahren. Was aber kein Problem wäre, denn auch dahin wird man jetzt sicher geleitet: Die Landkreise Nordsachsen und Leipzig sowie die Stadt Leipzig sind die ersten Regionen in Sachsen, in denen das touristische Radwegenetz einheitlich und komplett beschildert ist. Immerhin 900 Kilometer.

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© Grafik: SZ

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660 Pfähle mit 4.050 Wegweisern und 24 Infotafeln wurden dafür in den vergangenen zwölf Monaten montiert. Die Vorbereitungen hatten bereits ein Jahr früher begonnen. „Die Planungszeit für Radwege ist ähnlich lang wie bei Straßen“, sagte Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) bei der Einweihung des Pilotprojektes. „Für jeden einzelnen Wegweiser musste der Standort mit den Eigentümern abgestimmt werden.“ Bei Privatland mussten Gestattungsverträge geschlossen werden. Die Kosten – rund 630 000 Euro – hat der Freistaat übernommen. Etwa ein Drittel davon ist allein für die Planung draufgegangen, die ein Dresdner Ingenieurbüro erledigt hat. Herstellung und Montage eines Schildes kosteten 60 bis 80 Euro.

Dabei wurde nichts dem Zufall und schon gar nicht den Wünschen von Lokalpolitikern überlassen. In Verordnungen, Richtlinien und Merkblättern ist klar geregelt, welche Orte auf den Schildern Erwähnung finden dürfen. Demnach wird zwischen Haupt- und Nebenzielen unterschieden. Hauptziele sind alle Ober- und Mittelzentren, wobei ausnahmsweise auch touristisch interessante Städte ein Hauptziel sein dürfen – vorausgesetzt, die Entfernung zwischen zwei Mittelzentren beträgt mehr als 30 Kilometer. Da hört man den Bürohengst wiehern. Selbstredend gelten auch für die Schilder klare Regeln; es gibt Pfeil-, Tabellen- und Zwischenwegweiser.

Die neuen Schilder
Die neuen Schilder © Steffen Klameth

Dem Radfahrer dürfte das alles ziemlich schnurz sein. Hauptsache, Richtung und Kilometer stimmen. Das ist letztlich auch das Ziel des Verkehrsministeriums: ein lückenloses touristisches Landesradwegenetz mit einheitlicher Beschilderung. Nach der Pilotregion sollen nächstes Jahr die Wegweiser in den Landkreisen Meißen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sowie in Dresden aufgestellt werden, die Planung für die Landkreise Bautzen und Görlitz ist bereits vergeben. Die Regionen Chemnitz und Zwickau bilden den Abschluss. Bis 2022 soll das Schilderprojekt fertig sein, hofft Minister Dulig. 5 120 Kilometer ohne Gefahr, sich zu verfahren.

Natürlich darf man sich fragen, ob dieser Aufwand im Zeitalter von GPS und Navigationsapps noch zeitgemäß ist – und am Ende womöglich ein großer Schildbürgerstreich. Aber Radfahrer ticken eben anders als Autofahrer: Die Mehrheit – 72 Prozent – orientiert sich unterwegs immer an Wegweisern, hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ermittelt. Mobiles Internet (54,7 Prozent) und Smartphone-Apps (45,6 Prozent) gewinnen aber an Bedeutung.


Am Landgasthof Dehnitz bei Wurzen steht nun eine Fahrrad-Reparaturstation. Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig hat sie schon ausprobiert.
Am Landgasthof Dehnitz bei Wurzen steht nun eine Fahrrad-Reparaturstation. Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig hat sie schon ausprobiert. © Steffen Klameth

Beim Fahrrad-Club freut man sich deshalb über den Eifer der Politik – und schickt gleich eine Kritik hinterher: „Was im Moment fehlt, sind konkrete Ausbaustrategien für Lückenschlüsse“, sagt Landesvorstandsmitglied Niklas Schietzold. Und wo Radrouten in der Karte stehen, finde man sich oft auf lückenhaften, holprigen oder zugewachsenen Radwegen wieder. Da helfen in der Tat die schönsten Schilder nichts.

Mehr zum Thema:  www.radverkehr.sachsen.de


Die fünf beliebtesten Radfernwege in Sachsen

Elberadweg

© Sylvio Dittrich/TV Sächsische Schweiz e.V.

Jahrelang war er der beliebteste Radweg in Deutschland, dieses Jahr belegte er „nur“ Platz 2. Mehr als 1 200 Kilometer sind es vom Riesengebirge bis zur Elbemündung in Cuxhaven, davon 182 in Sachsen. Zu den schönsten Abschnitten gehört zweifellos die Passage durch die Sächsische Schweiz (Foto). An manchen Tagen trübt der große Andrang leider den Fahrspaß. 


Oder-Neiße-Radweg

© Rainer Weißflog/TGG Neißeland

Fachleute streiten sich, ob der Weg nicht Neiße-Oder-Radweg heißen sollte – schließlich führt er von der Quelle der Lausitzer Neiße in Tschechien und westlich der Oder bis ins Seebad Ahlbeck. 117 der insgesamt 630 Kilometer liegen auf sächsischem Gebiet. Die Strecke wird als leicht eingestuft, weil sie überwiegend bergab führt – sofern man an der Neiße startet.


Mulderadweg

© Matthias Rose/Kultour Z.

Genau genommen gibt es nicht nur einen, sondern gleich drei Mulderadwege: an der Freiberger Mulde (120 km), an der Zwickauer Mulde ( 155 km) und an der Vereinten Mulde (132 km). Zwei Abschnitte führen über stillgelegte Bahnstrecken, im Erzgebirge auch durch einen früheren Bahntunnel. Das Ziel befindet sich in Dessau; dort kann man auf dem Elberadweg weiterfahren. 


Spreeradweg

© SZ/Uwe Soeder

Abwechslung ist Trumpf auf dem Spreeradweg. Anstrengend ist der Weg von der Spreequelle auf dem Kottmar durch das Lausitzer Bergland, entspannend die Fahrt durch die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Wer die Landesgrenze überquert, radelt durch den Spreewald und landet nach 360 Kilometern auf der Museumsinsel in Berlin. Der größte Teil der Strecke ist asphaltiert. 


Sächsische Mittelgebirgsroute

© Christoph Beer/„Deutschland per Rad entdecken“

Der Name sagt eigentlich schon alles: Die Sächsische Mittelgebirgsroute ist vor allem eine Herausforderung für sportliche Radfahrer. Start ist in Plauen, das Ziel in Zittau. Dazwischen geht es bergauf und bergab durch das Vogtland, das Elster- und das Erzgebirge, durch die Sächsische Schweiz, das Lausitzer Bergland und das Zittauer Gebirge – insgesamt 380 Kilometer. 

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