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Sachsens Senioren häufiger im Visier von Betrügern

Die Versuche, ältere Menschen mit dem „Enkeltrick“ zu bestehlen, nehmen zu. Viele Betroffene reagieren aber richtig.

Vom "Enkeltrick" betroffen sind vor allem Frauen.
Vom "Enkeltrick" betroffen sind vor allem Frauen. © www.pixabay.com

Dresden. Die Täter nutzen die Hilfsbereitschaft ihrer Opfer genau so aus wie deren Einsamkeit. Per Anruf geben sie sich vor allem älteren Menschen gegenüber als entfernte Verwandte in Not aus und bitten um größere Geldsummen, die diese einem Boten übergeben sollen. Gehen die Angerufenen darauf ein, ist ihr Geld weg – und nur den Betrügern geholfen.

Die Fälle, bei denen Sachsens Senioren mit Hilfe des sogenannten „Enkeltricks“ bestohlen werden, nehmen mittlerweile deutlich zu. Das geht aus der Antwort von Innenminister Roland Wöller (CDU) auf eine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion hervor. Im Jahr 2015 wurden demnach landesweit 309 solcher Betrugsversuche bekannt, von denen damals aber nur neun für die Betrüger erfolgreich verliefen. In den Folgejahren kam es in diesem Kriminalitätsbereich allerdings zu einem steten Anstieg.

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So wurden 2018 bereits 569 Betrügereien registriert, bei denen schließlich schon in 42 Fällen die Opfer tatsächlich um ihr Geld gebracht wurden. Die dabei entstandenen Schadenssummen stiegen in diesem Zeitraum von 122.600 Euro pro Jahr auf zuletzt immerhin 528.430 Euro. Ein Wert, der im laufenden Jahr sogar übertroffen werden könnte. So zählte Sachsens Polizei im ersten Halbjahr 2019 bereits 394 Versuche, mit Hilfe des „Enkeltricks“ abzukassieren.

Eine vom Innenministerium vorgelegte Übersicht zeigt, dass es dabei regionale Schwerpunkte gibt. So wurden seit 2015 bis heute allein in Leipzig 254 Betrugsversuche registriert. Auch die Landkreise Bautzen (256 Fälle), Görlitz (253) sowie Nordsachsen (101) sind überproportional stark betroffen. In Chemnitz (57 Fälle) und dem Erzgebirgskreis (29) kam es dagegen zu deutlich wenigeren Betrugsversuchen.

Betroffen sind davon vor allem Frauen. So waren 1.543 der angerufenen Personen weiblich und nur 362 männlich. Die Betrüger konzentrieren sich zudem gezielt auf Ältere. Während der „Enkeltrick“ lediglich bei 26 Personen zur Anwendung kam, die jünger als 59 Jahre waren, gab es bei den 80- bis 89-Jährigen 914 und bei den über 90-Jährigen 278 entsprechende Fälle.

Sachsens Polizei bietet inzwischen spezielle Seniorenveranstaltungen an, bei denen gezielt über den „Enkeltrick“ informiert wird. Zudem hat das Landeskriminalamt ein Faltblatt aufgelegt, welches das Vorgehen der Täter genau erklärt und Möglichkeiten zum Selbstschutz aufzeigt.

Einwände gibt es dazu allerdings vom Landtagsabgeordneten Sebastian Wippel (AfD): „Über die Hälfte der Tatverdächtigen kommen aus Polen und Tschechien. Hier muss dringend eine bessere Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden der Nachbarländer erfolgen. Es reicht nicht aus, die Senioren nur mit einem Faltblatt zu warnen.“

Verhaltenstipps für Betroffene:

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  • Lassen Sie sich nicht auf „Ratespiele“ ein, verlangen Sie konkret den Namen des Anrufers und seine Telefonnummer.
  • Fragen Sie den Anrufer, wo er sich gerade genau befindet.
  • Erfragen Sie Dinge, die nur der richtige Verwandte/Bekannte wissen kann (z. B. gemeinsame Erlebnisse). Ignorieren Sie Gegenfragen wie: „Weißt Du das etwa nicht mehr?“ und fordern Sie eine Antwort.

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