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Sachsens Unternehmer rechnen schon wieder mit dem Aufschwung

Vor einem Jahr sagten die Firmenchefs, dass die Konjunktur Fahrt aufnimmt. Daraus wurde aber nichts. Jetzt heißt die Parole so ähnlich: Expansionskurs.

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© dpa

Von Georg Moeritz

Dresden. Berufskraftfahrer dringend gesucht: Bei Andreas Heilmann ist der Aufschwung schon angekommen. Der Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig leitet hauptberuflich die Entsorgungs-Sparte einer der größten ostdeutschen Baufirmen. Die rund 1.000 Mitarbeiter bei GP Papenburg in den neuen Ländern bauen nicht nur, sie produzieren auch Betonsteine und transportieren die Rohstoffe. Die Baubranche wächst, die Industrie legt nach zwei Jahren Schwäche wieder zu, und damit ist auch wieder mehr zu transportieren. Heilmann sagte gestern in Dresden, die sächsischen Unternehmen seien in „erfreulich guter Verfassung“. Laut jüngster Umfrage der sächsischen IHK stünden „die Zeichen auf Wachstum“.

Aussichten: Nach zwei Jahren Pause wieder Zuwachs in Sicht

Vor einem Jahr haben die drei Kammern allerdings schon ähnliche Parolen verbreitet. Damals schrieben sie: „Konjunktur nimmt wieder Fahrt auf.“ Für die Präsentation gestern einigten sich die Kammern auf die Formulierung „Sächsische Wirtschaft wieder auf Expansionskurs“. Die jüngsten Zahlen zeigen davon allerdings noch nichts: Laut Ifo-Institut ist Sachsens Wirtschaft im Jahr 2012 um 0,3 Prozent geschrumpft und hat auch im Jahr 2013 kein Stück zugelegt: Wachstum null Prozent. Erste Zahlen aus einzelnen sächsischen Industriebranchen zeigen sogar stark schrumpfende Umsätze: Sachsens Maschinenbauer büßten voriges Jahr mehr als sechs Prozent Umsatz ein, die Elektroniker fast so viel. Die Nahrungsmittelbranche einschließlich der großen Molkereien und Brauereien dagegen legte beim Umsatz um fast acht Prozent zu.

Stimmung: Doppelt so viele Optimisten wie Pessimisten

Inzwischen hat sich bei vielen Betrieben laut Heilmann ein „Investitionsstau“ gebildet. Sie wollen jetzt wieder Geld ausgeben – allerdings vor allem in Erneuerungen, nur jeder Fünfte will die Kapazitäten erweitern. „Da hätten wir uns ein bisschen mehr gewünscht“, sagte der IHK-Vizepräsident. Doch insgesamt ist die Stimmung in den Chefetagen gut, jedenfalls in den 1.900 sächsischen Unternehmen, die an der repräsentativen Umfrage teilnahmen. Der Konjunktur-Klimaindex der IHK zeigt fast wieder einen so hohen Wert wie im Spitzenjahr 2011. Jeder fünfte Unternehmer rechnet damit, dass sich sein Geschäft im Laufe des Jahres verbessert, nur halb so viele rechnen mit Verschlechterung.

Wachstumstreiber: Fahrzeugbau macht in Statistik viel aus

Selbst die Autohändler sind laut Umfrage wieder etwas besser gelaunt. Vor allem die Industrie rechnet mit Zuwachs – dank mehr Nachfrage aus Deutschland, aber auch „Aufhellungen im Euroraum“. Voriges Jahr war der Export der sächsischen Industrie um vier Prozent gefallen. Das traf vor allem den Bezirk Dresden, während Leipzig mit Erweiterungen der BMW- und Porsche-Fabriken ein Plus beim Industrie-Umsatz errechnete. Solche Daten hängen von wenigen Großbetrieben ab, betonte der Dresdner IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann. Der Bahnfabrikant Bombardier werde seinen Umsatz in der Lausitz dank neuer Aufträge kräftig steigern – voriges Jahr war dieser „sonstige Fahrzeugbau“ um fast 40 Prozent eingebrochen.

Arbeit: 14.000 neue Stellen, aber Warnung vor Mindestlohn

Die Kammern rechnen damit, dass dieses Jahr mehr als 14.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Sachsen entstehen, wie schon voriges Jahr. Ob Industrie, Verkehrsgewerbe oder Bau – sie versprechen mehr Einstellungen als Stellenabbau. Bei einem Teil der Dienstleister sieht es dagegen schlechter aus. Wird der Mindestlohn von 8,50 Euro Vorschrift, ist laut Kammer ein Prozent der sächsischen Arbeitsplätze in Gefahr – je nach Rechnung 15.000 bis 20.000 Jobs. Die Wirtschaftsvertreter fordern daher niedrigere Löhne für Berufseinsteiger. Außerdem kritisieren sie die neue Bundesregierung für Renten- und Mautpläne. Die Umfrage zeigt dazu allerdings auch Gegenstimmen.

Ost-West-Abstand: Sachsen holt auch dieses Jahr nicht auf

Für dieses Jahr sagen die Kammern 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum für Sachsen voraus. Das ist nah an den 1,8 Prozent, die das Ifo-Institut prophezeit. Einig sind beide Prognosen in der Einschätzung, dass Sachsen wieder nicht mit dem westdeutschen Zuwachs mithalten wird. Um nicht weiter zurückzufallen, braucht Sachsen laut Heilmann „dringend größere Unternehmensstrukturen“, mehr Konzernzentralen und Zusammenarbeit für Innovationen.

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