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Sachsens Wein braucht Lagenschutz

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner diskutiert mit Elblandwinzern auch über Geld für Steillagen-Buckelei.

Sachsenwein und Sachsensekt für Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner von Winzer Friedrich Aust (links) und Sonja Schilg (2. von re.). Landtagspräsident Matthias Rößler (re.) hat die Politikerin zu den Elbland-Winzern eingeladen.
Sachsenwein und Sachsensekt für Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner von Winzer Friedrich Aust (links) und Sonja Schilg (2. von re.). Landtagspräsident Matthias Rößler (re.) hat die Politikerin zu den Elbland-Winzern eingeladen. © Anne Hübschmann

Radebeul. Wenn auf dem Weinflaschenetikett nicht nur die Rebsorte steht, sondern auch die Lage, so genau wie möglich, dann vermutet jeder, dass dies ein besonderer Tropfen ist. Dann kann auch schwere Arbeit – etwa in solchen Edellagen wie dem Goldenen Wagen in Radebeul unterhalb vom Spitzhaus – besser bezahlt werden. Eben, weil man für den Wein etwas mehr verlangen kann.

In Europa, unter EU-Aufsicht, sind die großen Weinbauländer und -verbände gerade dabei, vom sogenannten germanischen Bezeichnungsrecht mit allen möglichen – teils auch wenig verständlichen Qualitätsangaben – auf das romanische Recht umzustellen. Vereinfacht gesagt, auf die Lagenbezeichnung.

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Das kann zwar jeder Winzer, jedes Weingut privat für sich auch tun, aber echten Wert hat es erst, wenn die ganze Lage auch kontrolliert wird. Etwa auf regionale Besonderheiten wie Mineralität, behutsamen Einsatz von Pflanzenschutz. Dafür braucht es eine Schutzgemeinschaft. Und gerade darin hinken die Sachsen vielen anderen hinterher.

Wie das dennoch zu machen ist, warum die Deutschen viel weniger heimischen Wein trinken als etwa Franzosen oder Spanier, ob es bald eine Förderung für die Steillagenwinzer gibt, damit nicht mehr so viele wegen der schweren Arbeit auf den Terrassen hinschmeißen – das waren Fragen und Themen, die am Donnerstagvormittag über 50 Winzer, mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) im Staatsweingut Schloss Wackerbarth besprochen haben.

Bei Wackerbarth gibt es schon die Lagenbezeichnung auf dem Etikett.
Bei Wackerbarth gibt es schon die Lagenbezeichnung auf dem Etikett. © SZ/Peter Redlich

„Die Mehrzahl der Verbraucher, der Weintrinker, braucht eine solche Orientierung auf dem Etikett“, sagt die Ministerin. Auch weil die Gastronomen und ihre Gäste zunehmend Regionales auf dem Tisch haben wollen. Die 46-Jährige weiß beim Thema Wein wohl wie kein anderer in der Regierung, wovon sie redet. Aufgewachsen in einer Winzerfamilie im hessischen Bad Kreuznach an der Nahe, sei sie mit der Buckelspitze zwischen den Rebstöcken oft genug unterwegs gewesen.

Im kleinen Feinen liege gerade die neue Chance, ermuntert sie die Sachsen-Winzer, deren Anbaugebiet mit etwa 480 Hektar gerade mal ein Zehntel dessen ausmacht, wo die Ministerin zu Hause ist. Allerdings müsse man zusammenstehenstehen. Eben auch beim neuen Weinbaugesetz, welches wahrscheinlich 2020 beschlossen wird. Zwar werde das Gesetz die großen Mindestregeln, wie eben die Lagenbezeichnung festlegen, aber sonst den Regionen ihre regionalen Eigenheiten lassen. Aus ihrer Sicht müsse es einen gesunden Mix aus bezahlbaren Weinen geben, mit denen junge Leute an den Genuss herangeführt werden, und eben solchen, für deren Aufwand, Qualität und Limitiertheit mehr bezahlt werden müsse.

Eine junge Winzerin aus Radebeul wollte wissen, ob es denn bald mal eine Förderung für die Steillagenwinzer gibt, deren Aufwand zum Erhalt der Kulturlandschaft viel höher ist als der Ertrag. „Manche geben auf, nicht weil die Qualität nicht stimmt, sondern weil sie es nicht schaffen.“ Ein anderer sprach sich gegen die Abgabe an die Berufsgenossenschaft aus, die inzwischen jeder Winzer mit etwa 200 Euro im Jahr leisten muss. Er habe dazu schon eine Petition an den Bundestag eingereicht.

Zu Letzterem wolle die Ministerin im Bundestag nachfragen, was aus der Petition geworden ist und Thomas de Maizière (CDU) als Bundestagsabgeordneten für den Kreis bitten, die Antwort mit hierher zu bringen. In Sachen Steillagenförderung gab Julia Klöckner das Mikrofon an Matthias Rößler (CDU), weil das Land dafür zuständig ist. Der wiederum sagte, dass ein Beschluss dafür schon ziemlich weit gediehen und Geld dafür eingeplant sei. Er rechne im nächsten Frühjahr mit Konkretem aus dem Landtag. Vom Bund her gebe es auf jeden Fall Mittel für die Rebsortenforschung für Steillagen, etwa um Sorten zu züchten, die auch dem Klimawandel auf lange Jahre standhalten.

Felix Hößelbarth, Kellermeister vom Weingut Hoflößnitz und stellvertretender Vorsitzender des Weinbauverbandes, beschwor die Gemeinschaft der sächsischen Winzer zum Zusammenhalt. Es sei nur sinnvoll, die Fördermittel einzusetzen, indem für Bewirtschaftung und Bewässerung der Weinberge Gemeinschaften gebildet würden und nicht jeder nur für sich kämpfe. Dann würden sich auch solche Probleme klären, die Winzer Christoph Hesse benannte: Nämlich, dass er an Pflanzenschutzmittel nur eine Sechs-Kilo-Packung bekomme, aber nur ein Kilo verwenden könne. Der Rest müsse dann aufwendig vernichtet werden.

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