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Sachsens Wirtschaft bangt vor dem Coronavirus

Die Ausbreitung des Coronavirus zwingt Firmen zum Handeln. Die ökonomischen Folgen für den Freistaat sind nicht absehbar.

Touristiker fürchten um ihr Reisegeschäft mit den Chinesen.
Touristiker fürchten um ihr Reisegeschäft mit den Chinesen. ©  Christian Juppe (Symbolbild)

Dresden. Das sich von China aus verbreitende Coronavirus hat die Märkte getroffen – und die Aussichten für die Weltwirtschaft getrübt. Eine Wachstumsdelle in China wird auch die Konjunktur in vielen anderen Ländern belasten – auch in Deutschland und in Sachsen. „Ein plötzlicher Abschwung könnte sächsische Unternehmen aus den Branchen Automotive, Maschinenbau und Elektrotechnik treffen – denjenigen Bereichen, in denen der Waren- und Dienstleistungsaustausch mit China besonders intensiv ist“, befürchtet Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). 

Insbesondere Firmen mit einer Niederlassung oder Produktionsstätte in China sind belastet wie etwa die Automatisierungsspezialisten ATN Hölzel GmbH aus Oppach und Xenon in Dresden. Das Reich der Mitte gehört zu den wichtigsten sächsischen Außenhandelspartnern. Die Ausfuhren sind in den ersten drei Quartalen 2019 um zehn Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, die Einfuhren um 11 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro gestiegen.

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Aber noch gibt es offenbar keine Beeinträchtigungen in der Produktion von Autos, Sachsens Exportschlager. So heißt es im Leipziger Porsche-Werk: „Aktuell hat das Coronavirus keine negativen Auswirkungen auf die Fahrzeug-Produktion der Porsche AG.“ Man stünde mit Partner und Zulieferern diesbezüglich im engen Austausch und beobachte die Situation sehr aufmerksam, um rechtzeitig reagieren zu können, betonte eine Sprecherin. .

Fördermöglichkeiten für Firmen gibt es

Bislang sind auch noch keine Firmenvertreter im Wirtschaftsministerium vorstellig geworden, die negative wirtschaftliche Folgen durch die Coronavirus-Epidemie befürchten. Sollten sich diese künftig ergeben, stünden die bekannten Fördermöglichkeiten wie etwa zinssubventionierte Liquiditätshilfedarlehen oder staatliche Bürgschaften zur Verfügung, versichert ein Pressesprecher im Wirtschaftsministerium. Damit könnten dann Liquiditätsengpässe überbrückt werden, die infolge von Lieferschwierigkeiten oder Zahlungsausfällen entstehen. Ansprechpartner dafür ist die Sächsische Aufbaubank.

Durch die Ausreiseverbote aus China und die allgemeine Verunsicherung ist die Tourismuswirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Europäische Tourismusverband ETOA schätzt, dass rund zwei Drittel der gebuchten Reisen aus China nach Europa über die chinesischen Neujahrsfesttage storniert worden sind. Besonders beliebte Reiseziele in Sachsen sind Dresden und Leipzig. 83 Prozent der chinesischen Touristen übernachten dort. 2019 zählte Sachsen 72.371 Übernachtungen von Gästen aus China, was einem Zuwachs von 1,4 Prozent zum Vorjahr bedeutet. „Grundsätzlich können wir die Auswirkungen auf das Incoming aus Asien und besonders aus China noch nicht absehen. 

Das hängt ganz von der Entwicklung der Lage vor Ort und den Entscheidungen zur Reiserlaubnis für die Chinesen nach Europa ab“, sagt Ines Nebelung, Sprecherin der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen (TMGS). Umgekehrt werden auch Reisen nach Asien abgesagt, So hat die Wirtschaftsförderung Sachsen eine für den Zeitraum 9. bis 16. Mai 2020 geplante Unternehmerreise nach Peking, Wuhan, Shanghai zum Thema Ernährungswirtschaft auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Dresdner Chiphersteller Globalfoundries und Infineon streichen Dienstreisen.

Verschärfte Maßnahmen bei Tourismusmesse

Wie stark der Dämpfer für die Wirtschaftsentwicklung ausfallen wird, lässt sich nicht beziffern. „Für eine seriöse Prognose, was das Coronavirus wirtschaftlich in Sachsen anrichten kann, fehlen uns derzeit belastbare Zahlen und Informationen“, sagt Dulig und versichert, dass die Landesregierung die Lage „mit großer Aufmerksamkeit und Sorgfalt“ beobachten würde. Auch die Mitarbeiter im Bundeswirtschaftsministerium und im Mercator-Institut für chinesische Studien betonen auf Nachfrage, dass aufgrund des sich stetig verändernden Bildes keine allumfassende Analyse zu den möglichen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft möglich sei.

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zwingt Unternehmen rund um den Globus zum Handeln. Die weltgrößte Tourismusmesse ITB, die vom 4. bis 8. März in Berlin stattfinden soll, verschärft auf Anweisung der Gesundheitsbehörden die Vorgaben. Aussteller, die innerhalb der vergangenen 14 Tage in den jeweiligen Risikogebieten in China, Iran, Italien oder Südkorea waren, Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder Anzeichen typischer Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden haben, erhalten keinen Zutritt zum Messegelände.

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Die TMGS wird Stand Mittwoch die Teilnahme an der ITB nicht absagen. Bisher hat auch keiner der 33 Mitaussteller am Sachsen-Stand seine Teilnahme abgesagt. „Wir gehen sehr sensibel mit dem Thema um und haben Vorsorgemaßnahmen getroffen“, betont Nebelung. So werden für alle Aussteller zusätzliches Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden und alle Aussteller und Mitarbeiter wurden sensibilisiert, verstärkt auf Hygienemaßnahmen zu achten.

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