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Sachsenwein als Schnäppchen bei Lidl

Eines der größten Weingüter Sachsens vertreibt Goldriesling und Müller- Thurgau über den Discounter. Zudem hat es die Besitzer gewechselt.

Zumindest unter den vier größten Weinanbauern in Sachsen hat das jüngste Weingut im Freistaat gegenwärtig den preiswertesten Müller-Thurgau. Die Flasche der Weinbaugesellschaft Meißen kostet bei Lidl derzeit 5,99 Euro.
Zumindest unter den vier größten Weinanbauern in Sachsen hat das jüngste Weingut im Freistaat gegenwärtig den preiswertesten Müller-Thurgau. Die Flasche der Weinbaugesellschaft Meißen kostet bei Lidl derzeit 5,99 Euro. ©  Claudia Hübschmann

Elbland. Für Liebhaber von Sachsens bekanntestem Zechwein lohnt sich jetzt ein Besuch im Discounter Lidl. Mit einem roten Schild wird im Markt an der Meißner Fabrikstraße gleich neben Aldi und Mc Donalds eine Erzeugerabfüllung von Müller-Thurgau der Weinbaugesellschaft Meißen (WBG) beworben. Die 0,75 Liter fassende Flasche ist mit 5,99 Euro ausgepreist.

Der Vergleich zu anderen Anbietern in der Region zeigt: Sachsens viertgrößtes Weingut hat preislich die Nase deutlich vorn. Zugespitzt ließe sich von einem Kampfpreis sprechen, wiewohl das Unternehmen selbst davon spricht, keinen Einfluss auf die Preisgestaltung zu haben.

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Die Abstände allerdings fallen deutlich aus: Bei der Winzergenossenschaft gibt es den preiswertesten Müller-Thurgau für 8,15 Euro. Schloss Wackerbarth ruft in einer Aktion derzeit 9,90 Euro auf. Zuvor hatte die 0,75er Flasche 11,50 Euro gekostet. Das Weingut Schloss Proschwitz verkauft den Zechwein in der Sparte Gutswein für 9,50 Euro.

Allein auf die Sorte Müller-Thurgau bezogen ist der Vertrieb sächsischen Weines über einen Discounter dabei nichts Neues. Der größte Traubenerzeuger im Freistaat, die Sächsische Winzergenossenschaft Meißen, hatte etwa Teile des 2014er Jahrgangs bei Aldi Nord unter der Bezeichnung Rivaner auf den Markt gebracht.

Kosten niedrig halten

Besonders an der neuen Offerte der Weinbaugesellschaft ist allerdings: Das erst im vergangenen Jahr gegründete Unternehmen hat sich von Anfang an auf die Fahnen geschrieben, seine Produkte nicht wie im Elbland üblich direkt sowie über Fachgeschäfte und den Großhandel zu vertreiben. 

Stattdessen setzt es einzig und allein auf Supermarktketten. Ziel sei es, auf diese Weise die Strukturen klein und die Kosten niedrig zu halten, hieß es in der Vergangenheit auf wiederholte Nachfrage aus dem in Meißen ansässigen Betrieb.

Bestätigend teilte Unternehmenssprecher Theo M. Lies aus Halle jetzt auf eine SZ-Mail hin mit: „Die WGB Meißen zielt derzeit vor allem auf den Lebensmitteleinzelhandel.“ Die ersten Weine seien abgefüllt und kämen in die Regale. Es handelte sich um 45.000 Flaschen. Müller-Thurgau und Goldriesling werden dem Unternehmenssprecher zufolge derzeit exklusiv über Lidl vertrieben und tragen keinen bestimmten Markennamen. Sie sind als Sächsischer Wein mit dem Logo der WBG-Meißen gefüllt.

Offen bleibt, was mit dem Rest der Ausbeute aus der Lese des vergangenen Jahres geschieht. Zurückhaltend gerechnet sollte es sich bei den 45 000 Flaschen höchstens um ein Viertel des gesamten 2018er Ertrages auf den 40 Hektar der WBG handeln.

Unter Sachsens Kleinwinzern dürfte die Nachricht vom Müller-Thurgau-Schnäppchen bei Lidl wenig Begeisterung auslösen. Vor allem in den Steillagen haben sie kaum eine Möglichkeit, die Kosten zu drücken. 

Dem Einsatz von Technik sind enge Grenzen gesetzt. Die meisten Arbeiten im Berg sowie die Lese müssen von Hand verrichtet werden. Das Traubengeld der Winzergenossenschaft kann diesen Aufwand nur teilweise vergüten. In erster Linie sind Enthusiasmus und ein gutes Zusammenspiel von Tourismus und Weinbau nötig, um den Erhalt des Terrassenanbaus abzusichern. 

Aus diesem bisher in Sachsen weitgehend geltenden Konsens bricht die Weinbaugesellschaft Meißen mit ihrer Einzelhandelsstrategie und dem Verzicht auf Schauweingut und Vinothek vor Ort aus.

Anteile bleiben in der Familie

Aufhorchen lässt zudem eine zweite Nachricht vom jüngsten Weinhersteller im Freistaat Sachsen: Die Anteile der bisherigen Gesellschafter Andreas Silbersack und Hans Albrecht Zieger aus Sachsen-Anhalt sind im Mai übertragen worden. Die neuen Anteilseigner stammen aus den Familien Zieger und Silbersack, welche jedoch nicht Mitglied der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut sind.

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Letzterer Passus ist entscheidend. Andreas Silbersack und Hans Albrecht Zieger fungieren als Aufsichtsratsvorsitzender beziehungsweise Geschäftsführer der Genossenschaft. Deren Satzung erlaubt jedoch nur Winzern innerhalb des Weinanbaugebietes Saale-Unstrut eine Mitgliedschaft. 

Einem Antrag, diese Klausel zu öffnen, blieb auf einer Generalversammlung am 16. Februar in Freyburg die dazu erforderliche Drei-Viertel-Mehrheit versagt. Deshalb wurde die Weitergabe der Anteile nötig.

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