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Mit Wärmebildkamera auf der Jagd nach Boofern

In der Sächsischen Schweiz wird immer wieder Feuer gemacht. Nationalpark und Polizei greifen zu schärferen Mitteln.

Vom Hubschrauber aus entdeckt: Fünf Boofer sitzen in der Runde, daneben liegen Isomatten.
Vom Hubschrauber aus entdeckt: Fünf Boofer sitzen in der Runde, daneben liegen Isomatten. © Polizei

Es dauert keine drei Minuten, da sind die ersten Missetäter ertappt. Die Fünfergruppe sitzt in gemütlicher Runde auf einem Felsplateau an der Häntzschelstiege, die Isomatten sind daneben ausgerollt. 

Trotz völliger Dunkelheit sind die Boofer auf dem Monitor im Einsatzwagen der Polizei klar auszumachen. Das Bild kommt aus der Luft. Helikopter Passat 3 schwebt mehr als 600 Meter hoch über dem Elbsandsteingebirge. Die Boofer nehmen ihn nur als dumpfes Brummen wahr. Die Wärmebildkamera hat sie längst im Visier.

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Ein Hubschraubereinsatz, weil junge Leute draußen schlafen? Ist das nicht das sprichwörtliche Mit-Kanonen-auf-Spatzen-Schießen? „Wir haben lange überlegt“, sagt Hauptkommissar Iven Eissner, der den Polizeieinsatz am Freitagabend leitet. Außerdienstlich ist er selbst aktiver Kletterer. Jede Felsformation, die der Hubschrauber auf den Monitor liefert, nennt er sofort beim Namen. Es gehe zuallererst um den Brandschutz. 

„Feuer im Wald ist doof. Das ist der Kern der Sache“, sagt Eissner salopp, aber mit Nachdruck. Im vorigen Jahr gab es 19 Waldbrände im Nationalpark Sächsische Schweiz, 17 davon ausgelöst durch illegale Feuerstellen. Allein der vier Tage dauernde Großbrand nahe der Bastei kostete einen beinahe sechsstelligen Betrag. Der Schaden an der Natur ist nicht zu beziffern.

Die Boofer an der Häntzschelstiege haben kein Feuer gemacht – im Wald dürften sie trotzdem nicht sein. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit gilt in der Sächsischen Schweiz derzeit ein nächtliches Betretungsverbot. Die Wälder liegen voll mit totem Borkenkäferholz.

29 Personen im Wald erwischt

Der Helikopter meldet sich per Funk: „Hoher Torstein, Nordwand, eine Person. Zwei Weitere in der Boofe dahinter.“ Jens Posthoff von der Nationalparkwacht schickt vom Einsatzwagen aus eine Streife auf den Weg. Sechs Teams, bestehend jeweils aus einem Ranger und zwei Polizisten haben sich vor Einbruch der Dunkelheit im Nationalpark positioniert. An Bord des Helikopters sitzt Nationalparkwächter Andreas Knaak, einer der besten Gebietskenner der Region. Er lotst die Kollegen mithilfe des Wärmebilds durchs Gelände.

Als Nächstes funkt das Team von den Affensteinen. In der Germania-Boofe wurden vier Personen angetroffen. Die Feuerstelle am Boden ist aus, aber noch warm. Vermutlich haben die Boofer den Hubschrauber gehört. Die Beamten nehmen die Personalien auf. Die Waldbesucher kommen aus Gießen, Eckernförde, Berlin und den Niederlanden. Boofen ist von einer Klettertradition längst zur Touristenattraktion geworden. Statt unter Felsvorsprüngen, wird vermehrt auf Riffen mit Aussicht campiert – und gefeuert. „Die Leute unterschätzen, dass das Feuer nach unten durchbrennt und der Boden sich entzündet“, sagt Einsatzleiter Iven Eissner von der Polizei.

Kurz vor 23 Uhr dreht der Hubschrauber eine Abschlussrunde übers Elbsandsteingebirge. Am Pfaffenstein ein Flackern. Genau zwischen Barbarine und Königsspitze. Das linkselbische Gebiet liegt außerhalb des Nationalparks, dort ist an diesem Abend kein Bodenteam stationiert. Forstmitarbeiter werden am nächsten Morgen hinfahren und eine Anzeige ausstellen.

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Die Bilanz des Abends: eine noch warme Feuerstelle im Nationalpark, ein brennendes Lagerfeuer am Pfaffenstein. 29 Personen waren trotz Verbots im Wald. Die Erwischten müssen mit einem Bußgeld rechnen. Am Falkenstein campierte eine junge Familie in drei Zelten – das ist generell nicht erlaubt. Sie durften bis zum Morgen bleiben, weil die Kinder schon schliefen.

Polizeihauptkommissar Iven Eissner (Mitte) und Jens Posthoff (2.v.l.) vom Nationalpark besprechen mit der Hubschrauberbesatzung das Einsatzgebiet. 
Polizeihauptkommissar Iven Eissner (Mitte) und Jens Posthoff (2.v.l.) vom Nationalpark besprechen mit der Hubschrauberbesatzung das Einsatzgebiet.  © Daniel Schäfer
Nationalparkwächter Andreas Knaak steigt in den Helikopter, um der Polizei bei der Suche zu helfen.
Nationalparkwächter Andreas Knaak steigt in den Helikopter, um der Polizei bei der Suche zu helfen. © Daniel Schäfer
Der Polizeihubschrauber hebt von einer Wiese bei Mittelndorf ab. Der Suchscheinwerfer wird kurz nach dem Start ausgeschaltet, die Wärmebildkamera an. 
Der Polizeihubschrauber hebt von einer Wiese bei Mittelndorf ab. Der Suchscheinwerfer wird kurz nach dem Start ausgeschaltet, die Wärmebildkamera an.  © Daniel Schäfer
Die Bilder werden an die Kollegen am Boden übermittelt. 
Die Bilder werden an die Kollegen am Boden übermittelt.  © Daniel Schäfer
Nationalparkwächter Steffen Elsner (links) mit zwei Polizisten auf dem Weg zu den Schrammsteinen. Sechs Teams gingen auf Streife, der Helikopter lotste sie aus der Luft. 
Nationalparkwächter Steffen Elsner (links) mit zwei Polizisten auf dem Weg zu den Schrammsteinen. Sechs Teams gingen auf Streife, der Helikopter lotste sie aus der Luft.  © Daniel Schäfer

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