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Sächsisches Wissen für Singapur

Ein asiatischer Regierungschef kommt mit großer Delegation nach Dresden. Danach kennt er sich aus bei Flugzeugtechnik, Solarfolien – und Pegida.

© dpa

Von Georg Moeritz

Schritt für Schritt

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Dresden. Auf diese Frage ist er vorbereitet: Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong hat gestern Dresden besucht, um Wirtschaftskontakte zu stärken – aber sind die womöglich gefährdet durch die neuen Montagsdemonstranten? Lee sagte vor Journalisten, über Pegida habe er mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gesprochen. Auch anderswo auf der Welt seien Menschen verunsichert über Veränderungen und drückten Protest aus, sagte der Regierungschef aus Ostasien. Er nannte die Tea Party aus den USA als Beispiel. Lee sagte, in Dresden und Sachsen gebe es viele Gelegenheiten zu Wirtschaftskontakten, „sonst wäre ich nicht hier“.

Vorbild: Singapur will bei Ausbildung von Deutschland lernen

Singapurs Regierungschef kam an der Spitze einer 77-köpfigen Delegation, worüber Tillich sich stolz zeigte. Der Sachse hatte Singapur vor drei Jahren besucht, voriges Jahr war Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) dort. Der Stadtstaat Singapur ist mit gut fünf Millionen Einwohnern nicht viel größer als Sachsen – aber gehört laut Tillich zu den Spitzenländern bei Innovationen und ist damit Deutschland weit überlegen. Beim Thema Ausbildung allerdings wollen beide Länder voneinander lernen. Lee besuchte daher gestern die Lehrwerkstatt der Elbe Flugzeugwerke. Das Dresdner Unternehmen gehört zu 35 Prozent dem größten Technologiekonzern Singapurs. Gemeinsam entwickeln die Flugzeugexperten ein System zur Umrüstung des Langstreckenfliegers A 330. Die Dresdner sind spezialisiert darauf, ältere Passagierflugzeuge zu Frachtflugzeugen umzubauen.

Erfindung: Heliatek Dresden testet Solartechnik am Äquator

Weil es in Singapur nahe dem Äquator häufig dunstig und warm ist, sieht das sächsische Unternehmen Heliatek dort Chancen. Die Dresdner stellen Solartechnik her, die unter schwierigen Bedingungen den herkömmlichen Modulen überlegen sein soll. Erfinder Martin Pfeiffer kündigte an, Heliatek werde in Singapur erstmals gleich 600 Quadratmeter Fenster und Außenwände mit seinen Solarfolien aus Dresdner Produktion ausstatten – mal grünlich, mal bläulich, mal opak, mal in Glas eingeschlossen und mal auf Stahl geklebt.

Heliatek-Manager unterschrieben gestern in der Sächsischen Staatskanzlei eine Absichtserklärung mit dem Unternehmen V-Trium Energy aus Singapur. Demnach werden die Dresdner Produkte in Asien von Forschern getestet. Solche Projekte seien wichtig, um weitere Investoren zu überzeugen, sagte Pfeiffer: Heliatek beschäftigt 75 Menschen und möchte anbauen, sobald noch 60 bis 70 Millionen Euro zusammenkommen.

Aussicht: Leichtbau-Experten suchen Markt in Asien

Auf Kunden in Asien hoffen auch das Leichtbauzentrum Sachsen und das Institut für Leichtbau der Technischen Universität Dresden. Martin Lepper als Leiter Simulationsverfahren unterzeichnete eine Absichtserklärung zu mehr Zusammenarbeit mit einer Firmengruppe aus Singapur; der Kontakt war auf Messen entstanden. Laut Lepper gehört Singapur zu den Staaten, die geistiges Wissen nicht heimlich kopieren, sondern schützen und wertschätzen.

Verbindung: Chipfabriken in beiden Städten

Zwischen Dresden und Singapur gibt es häufig Austausch: Der Mikrochip-Hersteller Globalfoundries hat große Fabriken in beiden Städten. Die US-Softwarefirma Fire Eye baut ein Forschungszentrum in Dresden auf und hat eines in Singapur. Und die Energiebörse EEX in Leipzig hat voriges Jahr die Mehrheit an einer Börse in Singapur übernommen.

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