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Säumige Pächter verärgern Kleingärtner

Am Pfaffenberg in Waldheim haben einige Besitzer ihre Parzellen einfach vermüllt und Unrat liegenlassen. Das wird teuer für den Verein.

Die Kleingärtner vom Pfaffenberg Waldheim, allen voran Vorsitzender Bertram Handschuh, ärgern sich über verlassene und vermüllte Gärten.
Die Kleingärtner vom Pfaffenberg Waldheim, allen voran Vorsitzender Bertram Handschuh, ärgern sich über verlassene und vermüllte Gärten. © Dietmar Thomas

Waldheim. Bertram Handschuh ist sauer. Mit fast 4.000 Euro schlagen mittlerweile die Ausgaben zu Buche, die der Kleingartenverein „Am Pfaffenberg“ für nicht mehr bewirtschaftete Gärten bezahlen muss. „Die Pächter, die eigentlich in der Zahlungspflicht sind, melden sich einfach nicht mehr“, so der Vorsitzende. Konkret handelt es sich um neun Parzellen, die buchstäblich vor sich hingammeln.

In den letzten zwei, drei Jahren habe sich die Unsitte immer weiter verbreitet, „dass Pächter einfach abhauen und ihre Parzellen mistig hinterlassen“, erzählt Bertram Handschuh ohne Umschweife. Die würden sich nicht einmal abmelden. Nicht nur, dass die Lauben zugemüllt, teilweise sogar einsturzgefährdet sind und überall nicht mehr benötigtes Material oder Müll herumliegt. 

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Das Unkraut hat sich längst überall durchgesetzt, Beete sind nur noch schemenhaft zu erkennen. „Dabei haben einige Kleingärtner aus dem Verein schon ehrenamtlich dafür gesorgt, dass zumindest eine gewisse Grundordnung auch in diesen Gärten vorhanden ist“, so Bertram Handschuh. Sonst sähe es noch viel schlimmer aus.

Mehrmals ist der Vereinschef im vergangenen Jahr beim Kreisverband der Kleingärtner (KVK) in Döbeln gewesen und hat sein Anliegen vorgebracht. Der habe zwar Mahnbescheide an die Säumigen verschickt, getan habe sich trotzdem nichts. Sogar einen Anwalt habe er schon genommen – bisher ohne Erfolg. 

Ein Vorschlag des KVK, eine Erklärung zu unterzeichnen und auf die ausstehenden Beiträge zu verzichten, ist von der Vereinsversammlung abgelehnt worden. „Dann wären die 4.000 Euro quasi über Nacht weg“, so Handschuh. Vielmehr sollen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, doch noch an das Geld zu kommen. Aus seiner Sicht müssten Kreis- und auch der Landesverband in solchen Fällen die Vereine mehr unterstützen.

Von den Mitgliedsbeiträgen und der Pacht, die der Verein von den Kleingärtnern einnimmt, muss ein nicht unerheblicher Teil an den Kreisverband der Kleingärtner abgeführt werden. Von dem Rest werden unter anderem Gartenfeste organisiert. „In diesem Jahr feiern wir nicht. Das hat aber nichts mit Corona zu tun“, sagt der 69-Jährige. 

Vielmehr stehe 2021 der 75. Geburtstag der Kleingartensparte an. „Da wollen wir ein bisschen größer feiern und darauf sparen.“ In den zurückliegenden zwei bis drei Jahren haben die Mitglieder ihr Vereinshaus erweitert, das an den Festplatz angrenzt. Eine kleine Küche und sanitäre Anlagen wurden angebaut.

Insgesamt verfügt der Kleingartenverein über 270 Gärten von denen etwa 30 bis 40 leer stehen. Aufgrund des hohen Altersdurchschnitts der Pächter kommt es wegen Krankheit oder aus Altersgründen häufig vor, dass Gärten abgegeben werden. Der Vereinschef freut sich deshalb darüber, dass in den zurückliegenden Wochen vermehrt auch junge Leute nach Gärten gefragt haben. 

„Während der Corona-Kontaktbeschränkungen war der Kleingarten so gesehen der einzige Ort, an dem sich die Familien außerhalb der Wohnung aufhalten durften“, so Bertram Handschuh.

Teilweise stapelt sich der Müll, dessen Entsorgung die Vereinskasse belastet.
Teilweise stapelt sich der Müll, dessen Entsorgung die Vereinskasse belastet. © Dietmar Thomas

Je verkommener die Parzellen sind, umso schwieriger sei es, für die Gärten neue Nutzer zu finden. „Aus rechtlichen Gründen dürfen wir nicht einmal die Lauben öffnen“, erklärt Handschuh. Die eine, die zu einem verlassenen Garten gehört, sei fast bis unters Dach mit leeren Flaschen und Müll vollgestellt. 

Der Aufwand, ein vermülltes Grundstück zu beräumen, sei enorm. „Allein wenn man bedenkt, was die Entsorgung kostet.“ Deshalb hofft der Vereinsvorsitzende, dass sich doch noch ein Weg findet, irgendwie an das ausstehende Geld heranzukommen.

Etwa 100 bis 150 Euro fallen pro Jahr an Kosten für einen Kleingarten an, rechnet Bertram Handschuh vor. Dabei schlägt die Pacht mit derzeit 0,08 Euro pro Quadratmeter zu Buche. Hinzu kommt der Mitgliedsbeitrag für den Verein, der bei circa 65 Euro pro Jahr liegt. Zu zahlen sind außerdem die Kosten für Strom und Wasser, die der Verein an die Versorger vorschießt und erst nach Ablauf des Gartenjahres mit den Pächtern abrechnet.

In diesem Jahr muss der Verein „Am Pfaffenberg“ seine Gemeinnützigkeit erneut nachweisen. Dazu müssen verschiedene Anträge und Formulare ausgefüllt werden. „Das ist viel Arbeit, aber die Gemeinnützigkeit hält die Pacht niedrig“, so Handschuh. Unterstützt wird er unter anderem von dem 13-köpfigen Vorstand. 

Das Team „Gartenvergabe“ kümmere sich beispielsweise darum, neue Pächter für leer stehende Parzellen zu finden. Allerdings habe auch die Vereinsarbeit unter der Corona-Krise gelitten. „Eine Versammlung haben wir im Freien abgehalten, unter Beachtung der Abstandsregeln“, erzählt Bertram Handschuh.

Die meisten der Kleingartenbesitzer pflegen ihr Stückchen Grün vorbildlich und halten sich an die in der Kleingartenordnung verankerten Vorgaben. Darin ist unter anderem festgelegt, welche Bäume gepflanzt werden dürfen oder wie groß der Anteil der Wiese an der Gesamtfläche des Kleingartens sein soll. 

„Seit einigen Jahren sehen wir aber auch das nicht mehr so eng und genehmigen zum Beispiel das Aufstellen eines Pools oder eines Trampolins“, erklärt Bertram Handschuh. So etwas wäre früher nicht möglich gewesen.

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