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Sagenhafte Burgen in Rabenau

Das Stuhlbaumuseum ehrt den Grafiker Armin Münch mit einer großen Ausstellung. Und sorgt sich um die Zukunft.

Museumsleiterin Daniela Simon mit hölzernen Burgen von Armin Münch, links Rabenau, rechts Frauenstein.
Museumsleiterin Daniela Simon mit hölzernen Burgen von Armin Münch, links Rabenau, rechts Frauenstein. © Thomas Morgenroth

Auf dem Werksgelände der Polstermöbelindustrie in Rabenau sollen nachts ein weißes Fräulein mit weithin leuchtendem Licht und eine schwarze Henne mit feurigen Augen ihr Unwesen treiben. Der Sage nach spuken sie auf dem Felsvorsprung, wo einst die Burg stand und Ferdinand Reuter ab 1869 seine Stuhlfabrik bauen ließ. Es geht um einen Fluch, von dem das Mädchen erlöst werden möchte, und einen Schatz, den das teuflische Federvieh aus der Erde zu scharren hofft.

Mancher meint sogar, die unheimlichen Gestalten tatsächlich gesehen zu haben, aber vielleicht waren es nur die Sicherheitsleute, die das Gelände bewachen. Im gegenüberliegenden Deutschen Stuhlbaumuseum indes gibt es das schlaksige Fräulein und die glubschäugige Henne gleich mehrfach, als Bilder an der Wand und als Figuren aus Pappe in Lebensgröße. Sie sind Teil der Sonderausstellung, die das Museum dem aus Rabenau stammenden Grafiker Armin Münch ausrichtet. Der Künstler, der 2013 starb und am 1. Mai 90 Jahre alt geworden wäre, lebte und arbeitete die meiste Zeit in Berlin, Greifswald und zuletzt Rostock, blieb seiner Heimat jedoch treu verbunden. 

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Sowohl die Legenden als auch die wahren Geschichten regten Münch immer wieder zu Zeichnungen an. Anfang der Neunzigerjahre entstand eine Serie von Bildern zu Sagen entlang der Weißeritz, wie dem Brautbett, der Teufelskuppe, der Goldstampfe oder eben der Burg Rabenau. Münchs lustvolle und mitunter expressive Deutungen des mystischen Geschehens dienten als Illustrationen für ein Heft mit einundzwanzig Sagen, das 2008 von der Stadt Rabenau herausgegeben wurde.

Die Originale hängen bis Anfang Oktober im Rabenauer Museum und beweisen einmal mehr, was für ein begnadeter Zeichner Armin Münch gewesen ist. Er wusste vor allem mit Feder und Tusche umzugehen, in bester Tradition seiner Lehrer Max Schwimmer, Erich Fraaß, Hans Theo Richter und Josef Hegenbarth, bei denen Münch in Dresden studierte und Meisterschüler in Berlin war. Seine Erfahrungen gab er später selbst weiter, er lehrte als Dozent an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, fünfzehn Jahre lang als Professor an der Universität in Greifswald, und er unterrichtete an der Universität Rostock.

Für seine Serie zum Bombardement Dresdens im Jahre 1945 erhielt Armin Münch 1970 den Nationalpreis der DDR. Was keineswegs heißt, dass seine bedrückenden Ansichten von der Zerstörung der Stadt ideologisch gefärbt waren. Es sind vielmehr leider noch immer aktuelle Anklagen gegen die Sinnlosigkeit des Krieges, die das Stuhlbaumuseum in Rabenau jedes Jahr um den 13. Februar herum zeigt.

In der Sonderausstellung sind diese Blätter nicht vertreten. Museumschefin Daniela Simon legt unter dem Titel „Kein Tag ohne Linie“ den Fokus auf Zyklen zur Literatur und zu historischen Personen. Münch hat sich an Goethes „Faust“ genauso abgearbeitet wie an Melvilles „Moby Dick“, dem Volkshelden Störtebeker und dem Feldherrn Wallenstein, als er versuchte, die Stadt Stralsund einzunehmen. Münch sind großartige Studien der Menschen und Ereignisse gelungen, er überzeichnet die Figuren, gibt jedem einen starken Charakter und setzt die Wollust genauso wie den Tod ungeschminkt in Szene.

Das Museum ergänzt die Vielzahl der Bilder um eine Vitrine mit Büchern und Katalogen von Münch, um launige Sprüche von ihm und über ihn, die ein Rabe zwitschert, und um Objekte, die noch nie ausgestellt waren. So ist in Rabenau Armin Münchs Arbeitstablett aus seinem Rostocker Atelier zu sehen, in dem Zustand, in dem er es hinterlassen hat, voll mit Tuschfedern und Zeichenstiften. Es ist ein Geschenk von Münchs Frau Marianne und Tochter Anja an das Stuhlbaumuseum.

Die eigentliche Sensation aber befindet sich im Raum nebenan: Elf aus Holz geschnitzte und zusammengesetzte Burgen, die Armin Münch erstmals als Bildhauer präsentieren. Die um die dreißig bis fünfzig Zentimeter hohen Plastiken sind parallel zu seinen Zeichnungen entstanden. Darunter die Burg Rabenau, so, wie sie einst ausgesehen haben könnte, aber auch die Bastionen und Vesten von Frauenstein, Lichtenstein, Stolpen oder Oybin, als sie noch keine Ruinen waren.

Die aus Baumstämmen herausgearbeiteten Burgen mussten wegen der staatlichen Verbote im Zuge der Corona-Pandemie fast zwei Monate auf die ersten Besucher warten. „Ich bin sehr froh, dass wir die Ausstellung endlich zeigen dürfen“, sagt Daniela Simon. Der finanzielle Schaden für das Museum sei indes nicht mehr auszugleichen, meint die 52-Jährige, die auch Vorsitzende des Trägervereins ist.

Die Mindereinnahmen für das Jahr 2020 beziffert sie auf mindestens 3.000 Euro. Kamen im vergangenen Jahr allein bis Ende April 1.900 Besucher in das Museum, waren es diesmal bis Ende Mai nur 750. Vom Jahresziel 5.000 sei man derzeit sehr weit entfernt. Wegen der noch immer geltenden Restriktionen, die vor allem Schülergruppen und Reisegruppen betreffen, wird das Niveau des Vorjahres auch in den kommenden Monaten nicht erreicht.

Das Loch in der Kasse soll vor allem durch einen Verzicht auf Ankäufe für die Sammlung gestopft werden. Wobei das wegen der geltenden Verträge mit der Stadt, der Eigentümerin des Museums, nicht so ohne weiteres möglich sei, sagt Daniela Simon. Sie ist aber bereits im Gespräch mit Bürgermeister Thomas Paul. Am Personal jedenfalls könne man nicht mehr sparen. „Wir haben ja nur 1,5 Stellen“, sagt sie. Ohne das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder des Vereins, das bis hin zur Buchhaltung reicht, wäre das Stuhlbaumuseum längst geschlossen.

So aber warten das weiße Fräulein und die schwarze Henne auf Kunstliebhaber und Familien gleichermaßen. In einer Truhe liegen zudem tatsächlich Schätze, sie heißen Friede, Hoffnung oder Gesundheit. Eigentlich sollte jeder Gast seine eigenen Wünsche auf einen Zettel schreiben und zu den anderen legen. Wegen der behördlich geforderten Hygienemaßnahmen sei das derzeit aber nicht möglich, sagt Daniela Simon. „Es darf ja keiner mit bloßen Fingern den Deckel anheben.“ So sieht leider auch niemand die coronatypische Zutat in der Schatzkiste: Eine Rolle Klopapier.

Stuhlbaumuseum Rabenau, Ausstellung Armin Münch bis 4. Oktober, im Kabinett Tierporträts von Kathrin Voigt aus Dorfhain, Dienstag bis Donnerstag 10-16 Uhr, Freitag 10-14 Uhr, Sonntag und an Feiertagen 13-17 Uhr.

www.deutsches-stuhlbaumuseum.de

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