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Salat als Alibi

Der Prozess gegen zwei Rechtsextreme vor dem Pirnaer Amtsgericht geht in die Verlängerung.

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Von Marco Mach

Gestern Morgen, 9 Uhr, im Pirnaer Amtsgericht: Zum zehnten und eigentlich letzten Prozesstag im Fall Daniel B. (30) aus Pirna und Matthias J. (25) aus Kleingießhübel waren die Zuschauerplätze gut gefüllt. Die meisten, rund zehn Männer und Frauen mittleren Alters, kamen von der Pirnaer Dr.-Hirsch-Akademie. Sie machen gerade eine kaufmännische Weiterbildung, sagten sie auf SZ-Nachfrage, und dazu gehöre eben auch, einmal zu schauen, wie eine Gerichtsverhandlung abläuft.

Das Kuriose: Die „Schüler“ wussten überhaupt nicht, worum es geht – dass sie sich nämlich einen äußerst brisanten Fall ausgesucht hatten, in dem zwei bekannte Rechtsextreme wegen schwerer Körperverletzung angeklagt sind.

Gleich zu Beginn nahm Richter Peter Kehr den sich Weiterbildenden und anderen Besuchern etwas die Spannung, indem er sagte, dass es an diesem Tag wohl nicht wie am Prozessanfang geplant zu einem Urteilsspruch kommen würde, weil weitere Zeugenvernehmungen anstünden. Und so kam es dann auch.

Weitere Zeugen sagen aus

Zuvor waren unter anderem zwei Pirnaer Kumpels, Freunde von Daniel B. geladen, die letzteren in einem seiner Anklagepunkte entlasten wollten. Nach der Anklageschrift soll Daniel B. im September 2004 in eine Schlägerei auf der Dohnaischen Straße verwickelt gewesen sein. „Nein“, so die Aussage sowohl von Steffen B. (24) als auch von Cornell K. (25), der mit einer Jacke der Szene-Marke Brachial auftrat. Daniel B. habe sich zur Tatzeit auf der Johannes-Brahms-Straße in Rottwerndorf aufgehalten, wo alle drei zusammen mit weiteren Freunden eine Party gefeiert und gegrillt hätten. Der Angeklagte habe dabei Musik aufgelegt und Specksalat gemacht.

Amüsantes Detail

Die Erwähnung dieses Salats von Steffen B. führte mehrmals zu Schmunzeln und Verwunderung bei den Zuschauern. Denn Richter, Staatsanwältin und Verteidiger hatten just dazu viele Fragen. So erfuhren die Besucher, dass Specksalat eine Art Kartoffelsalat mit gebratenem Speck sei, dass Steffen B. vor besagtem Abend noch nie so etwas gegessen hatte und sich deshalb an Daniel B.s Specksalat so genau erinnern könnte. Richter: „Hat er geschmeckt?“ Zeuge: „Es ging so.“

Dass dies eine nur amüsante Episode in einem insgesamt ernsten Fall darstellt, zeigen die anderen Anklagepunkte Daniel B.s: Der bullige Mann mit tätowiertem und gepierctem Kopf, der 2004 im Prozess vor dem Dresdner Landgericht gegen die kriminelle rechtsextreme Vereinigung Skinheads Sächsische Schweiz (SSS) verurteilt wurde, soll 2004 außerdem Jugendliche bei einem Skinhead-Konzert in der Borthener Disko „Scheune“ und auf dem Gelände der „SB“-Tankstelle an der B 172 in Pirna überfallen haben. Bezüglich des letzten Vorfalles ist auch Matthias J. angeklagt.

Fortsetzung folgt.

Und wie fiel die gestrige Bilanz der sich Weiterbildenden aus? „Gericht ist etwas langatmig“, sagte eine von ihnen.