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Dali kommt wieder nach Görlitz

Nach der erfolgreichen Schau im Kaisertrutz sind jetzt Werke des Künstlers in der Frauenkirche zu sehen. Sie bieten für den Besucher viel mehr als "nur" Bilder.

Rund 30 Werke aus Dalís Zyklus "Biblia Sacra" sind in der Görlitzer Frauenkirche ausgestellt.
Rund 30 Werke aus Dalís Zyklus "Biblia Sacra" sind in der Görlitzer Frauenkirche ausgestellt. © Nikolai Schmidt

Salvador Dalí und Görlitz – das scheint eine länger andauernde Verbindung zu sein. Schon Anfang 2019 waren zahlreiche Illustrationen des weltberühmten spanischen Malers im Görlitzer Kaisertrutz und im Städtischen Museum Zittau zu sehen, was die Besucherzahlen hochschnellen ließ. 

Dalí malte, als die Kirche sich öffnete

Jetzt zeigt die Evangelische Innenstadtgemeinde in der Frauenkirche eine Wanderausstellung mit Werken aus dem wenig bekannten Zyklus "Biblia Sacra", mit dem der surrealistische Künstler zwischen 1963 und 1965 Szenen aus der Bibel illustrierte. Es waren die Jahre des 2. Vatikanischen Konzils, mit dem sich die Katholische Kirche für einen stärkeren Dialog mit Anders- oder Nichtgläubigen öffnete. 

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In dieser Zeit setzte sich Salvador Dalí mit der Bibel und seinem Glauben auseinander. Einige seiner Illustrationen lassen seine "Kritik an Fehlentwicklungen der Kirche deutlich erkennen", sagt der Pfarrer im Ruhestand Herbert Specht, der für die Wanderausstellung eine Auswahl der Illustrationen zusammengestellt, beschrieben und bis ins Detail interpretiert hat. 

Theologe erklärt jedes einzelne Bild

Dafür hat sich der promovierte Theologe mit jeder einzelnen Lithografie genau beschäftigt, hat Kunsthistoriker und weitere Theologen hinzugezogen. "In jedem Bild lotet Dalí die Tiefe der biblischen Texte und des Glaubens aus", sagt Herbert Specht. Daran lässt er den Betrachter teilhaben, indem der jedem Werk einen Text beigefügt hat, der Dalís Farben, Bezüge zu christlichen Symbolen und Schatten deutet.

"Jesus in Gethsemane" heißt eine der Lithografien von Salvador Dalí, die in der Görlitzer Frauenkirche zu sehen sind. Sie zeigt Jesus wie einen Eisblock, abgetrennt vom Gelb Gottes.
"Jesus in Gethsemane" heißt eine der Lithografien von Salvador Dalí, die in der Görlitzer Frauenkirche zu sehen sind. Sie zeigt Jesus wie einen Eisblock, abgetrennt vom Gelb Gottes. © Nikolai Schmidt

So sieht man Jesus im Gebet, der Kelch möge an ihm vorübergehen, in eisigem Blau, abgetrennt vom Gelb Gottes, das ihn nicht erreicht, als die Jünger schlafen. In einer Ecke des Kreuzes, an dem Jesus stirbt, sieht man den Tod lachen, wenn man genau hinschaut. Und in einem Schatten wird man des Angesichts Gottes gewahr.

Auch viele Motive aus dem Alten Testament wie die Erschaffung des Menschen oder die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies hat Dalí mit allen Geheimnissen seiner Kunst dargestellt, die Herbert Specht zu lüften anbietet. Am 30. August kann man den Theologen bei der Finissage noch einmal treffen.

Programm mit Konzerten an jedem Freitag

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Zuvor bietet die Innenstadtgemeinde rund um die Ausstellung ein reiches Begleitprogramm: Am 10. Juli gibt der Görlitzer Philmehr!-Verein um 19.30 Uhr ein Konzert. An jedem folgenden Freitag kann man ab 17 Uhr eine Bildmeditation erleben, unter anderem am 7. August mit dem Kunsthistoriker Marius Winzeler.

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