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Sammelgut zu 70 Prozent aus DDR-Zeiten

Der Ruppersdorfer Rüdiger Hänsel ist froh, dass das Schadstoffmobil in seinem Ort Station macht. So wird er gleich noch ein paar Restbestände von alten Farben los: „Was soll ich sonst damit machen“, fragt er.

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Von Cornelia Mai

Der Ruppersdorfer Rüdiger Hänsel ist froh, dass das Schadstoffmobil in seinem Ort Station macht. So wird er gleich noch ein paar Restbestände von alten Farben los: „Was soll ich sonst damit machen“, fragt er. Eine Ruppersdorferin bringt kurz nach ihm Altöl, eine andere zwei Leuchtstoffröhren. Das Ehepaar Kirchner hat mehr im Kofferraum ihres Pkws verstaut: „Die Kinder haben ein Haus gekauft und mussten es nun entrümpeln. Da findet sich manches, das man gar nicht so einfach entsorgen kann“, erzählt Edeltraud Kirchner. Deshalb sind sie und ihr Mann zum Schadstoffmobil gekommen, wo zum Glück alles abgenommen wird. „Natürlich gibt es Beschränkungen“, erzählt Peter Simon.

Haushaltsübliche Mengen dürften sie nur entgegen nehmen. Aber schließlich käme nicht in jedem Quartal jeder Bürger des Kreises zur Sammelstelle. Deshalb habe man schon gewisse Spielräume. Wirklich wegschicken mussten sie bisher noch niemanden, selbst wenn manchmal schon skurrile Sachen abgegeben werden, wie einmal ein Glas mit Strychnin oder ein größerer Posten Quecksilber. „Manchmal, wenn jemand schwere Posten abgeben will, verweisen wir ihn schon mal auf unseren letzten Sammeltag“, erzählt der Mitarbeiter der Veolia Umweltservice GmbH. Auf dem Lagerplatz in Lawalde habe man ganz andere Technik, da könnten zum Beispiel schwere Fässer leichter mit dem Gabelstapler aufgenommen werden. Was die beiden Männer wundert ist, dass immer noch so viele alte Schadstoffe von den Leuten herzu gebracht werden. 60 bis 70Prozent der Lösungsmittel, Farben, Lacke, Medikamente, Pflanzenschutzmittel etc. würden noch aus DDR-Zeiten stammen.

Einmal im Quartal macht das Schadstoffmobil in den Orten Station. Etwa fünf Wochen fährt es dann durch den Kreis. In den Städten fallen dabei meist nur kleinere Mengen an Schadstoffen an, wie Batterien, Medikamente, Farbreste usw. In den Dörfern komme mehr zusammen, berichten Lutz Grindel und Peter Simon. Ihre Aussage wird gleich von einem jungen Mann bestätigt, der die Wohnung eines verstorbenen Angehörigen beräumen musste: „Heute hab ich mehr für euch“, sagt er und schleppt Kartons mit allerlei Büchsen heran.

Für die zwei Männer ist das kein Problem. Sie behalten fast alles, nachdem sie es in Augenschein genommen haben. Dabei sei ihnen auch schon Mal eine Geldbörse oder ein Brillenetui aus dem Beutel entgegengerutscht, der eigentlich in ihrem Mobil verbleiben sollte.

„Manchmal allerdings bringen die Leute uns auch noch original verpackte Haushaltschemikalien“, erzählt Lutz Grindel. Immer dann nämlich, wenn sich das angebliche Schnäppchen bei näherer Betrachtung und dem Lesen der Inhaltsstoffe als wenig umweltfreundlich und sogar gesundheitsschädlich entpuppt.