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Sammer macht Cottbus zur Fußball-Eliteschule

Nachwuchsarbeit. In der Niederlausitz wird heute die erste Lizenz für eine Kicker-Talenteschmiede überreicht.

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Von Ralf Krüger

Cottbus. Kevin Mc Kenna, der Kapitän des FC Energie Cottbus, kennt die Lausitzer Sportschule in Cottbus sehr gut von innen. Auch Sebastian Schuppan, André Thomas, Christof Neumann und Arne Feick, allesamt Profis beim Bundesligisten, drückten hier mit mehr oder weniger Elan die Schulbank. An einem Fach hatten sie alle besonderen Spaß: Fußball. Seit ihrer Gründung entwickelte sich die Schule über Jahrzehnte zu einer Talenteschmiede. Von 500 gesichteten Jugendlichen, vor allem in Brandenburg, aber auch aus dem übrigen Bundesgebiet, schaffen jedes Jahr 20 den Sprung in eine der begehrten Fußballklassen, erklärt Schulleiter Wolfgang Neubert. Er hat heute einen ganz besonderen Grund zur Freude. Denn es kommt hoher Besuch.

20 von 500 schaffen Sprung

DFB-Sportdirektor Matthias Sammer und DFB-Präsident Theo Zwanziger überreichen der Bildungsstätte die offizielle Lizensierungsplakette „Eliteschule des Fußballs“. Sie ist die erste dieser Art in ganz Deutschland. „Klar sind wir stolz auf die geleistete Arbeit. Das ging nur in Zusammenarbeit mit dem Fußball-Landesverband, dem FC Energie und dem Olympiastützpunkt Cottbus. Außerdem muss ich sagen, dass die Schüler, die hier sind, wissen was sie wollen. Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten“, sagt der Schulleiter. 1993 wurden erstmals Fußballer an der sportbetonten Gesamtschule aufgenommen. 1999 erreichte ein Cottbuser Team bei den Schulfußball-Weltmeisterschaften in Italien den zweiten Platz, 2005 wurde in Dänemark der dritte Platz erkämpft.

Der DFB ehrt mit der Zertifizierung zur Eliteschule des Fußballs ein gut funktionierendes Netzwerk von Schule, Leistungszentrum und Verband, das garantiert, dass Spitzentalente sowohl schulisch als auch sportlich gefördert werden. In Cottbus machen laut Schulleiter Neubert fast 80 Prozent der Schüler neben dem Training auch das Abitur. DFB-Präsident Zwanziger: „Mit der Errichtung von Eliteschulen des Fußballs ist ein weiterer Schritt im Sinne einer optimalen Förderung unserer größten Talente der Region getan.“

Die Eliteschmiede wurde 1954 als Kinder- und Jugendsportschule in Forst gegründet. In den ersten Jahren versorgte ein kleiner Schulgarten die Küche mit frischem Obst und Gemüse, die Schüler züchteten außerdem Hühner, Schweine und Kaninchen. Wer heute aufgenommen werden will, muss eine Empfehlung des Landesverbandes in der jeweiligen Sportart und gute schulische Leistungen mitbringen. Ausschlaggebend sind Eignungstests.

Nebenbei Hühner gezüchtet

Den bislang größten Erfolg der Sportschule landeten 1979 die Radsportler. Sie holten fünf Weltmeistertitel nach Cottbus: Lutz Heßlich im Sprint, Lothar Thoms über 1 000 Meter, Volker Winkler über 4 000 Meter mit der Mannschaft, Hans-Joachim Hartnick und Bernd Drogan im Straßenvierer. Neben vielen Energie-Profis lernten in Cottbus unter anderem René Trehkopf (FC Erzgebirge Aue) und Alexander Walke (SC Freiburg).