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Sandgrube wechselt den Besitzer

Der Döbelner Stadtrat und Bauunternehmer Sven Weißflog hat sich die Fläche gesichert. Die könnte für den Verkehr wichtig werden.

Mitten in der Stadt zwischen Dresdner und Sörmitzer Straße liegt die ehemalige Sandgrube wie eine grüne Insel. Auf dem Gelände gibt es eine Gartenanlage und eine Menge Garagen. Was es nicht gibt, sind konkrete Pläne für eine andere Nutzung der Fläche.
Mitten in der Stadt zwischen Dresdner und Sörmitzer Straße liegt die ehemalige Sandgrube wie eine grüne Insel. Auf dem Gelände gibt es eine Gartenanlage und eine Menge Garagen. Was es nicht gibt, sind konkrete Pläne für eine andere Nutzung der Fläche. © Archiv/Dietmar Thomas

Döbeln. Gerade lässt die Stadt die neue Brücke an der Schillerstraße bauen. Ab Ende 2020 soll ein Teil des Verkehrs über die neue Muldenquerung fahren. Das soll die Innenstadt entlasten. Allerdings könnte die neue Brücke mit einer besseren Anbindung auf der Ostseite noch viel verkehrswirksamer sein, sagen Kritiker. Dafür müsste von der Sörmitzer Straße durch die ehemalige Sandgrube eine Verbindung zur Dresdner Straße gebaut werden.

Stadtrat Sven Weißflog (FW), der mit seiner Firma Bau Logistik auch die Ausschreibung zum Bau der neuen Brücke gewonnen hatte, war von Anfang an ein Mahner für eine bessere Verkehrsanbindung. Weißflog hat vor wenigen Wochen das Gelände gekauft, über das die Straße führen könnte.

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 „Die Sandgrube gehörte früher einer Baufirma, die auch das Döbelner Rathaus gebaut hat“, sage er. Die Erben hatten sich nach der Wende die Fläche rückübertragen lassen. Später sollte die Staatsstraße 32 durch die ehemalige Sandgrube gelegt werden, bis der Freistaat diese Pläne fallen ließ. Bis heute gibt es auf dem Gelände eine Gartengruppe – und Garagen. „Es werden über 50 sein“, sagte Weißflog. Und daran soll sich so bald auch nichts ändern.

Die Fläche sei ihm vom Sprecher der Erbengemeinschaft, der in Freiburg lebt, angeboten worden. „Er liest aus Interesse die Döbelner Zeitungen und war dadurch auf meinen Namen gestoßen“, sagte Weißflog. Die Erbengemeinschaft hatte in den 1990er-Jahren ergebnislos versucht, das Areal zu entwickeln. „Die Lage ist nicht schlecht. Das ist unbebauter Innenbereich. Eigentlich wollte ich ja nichts Neues mehr anfangen“, sagte Weißflog.

 Er habe sich das Gelände aber vor allem aus einem Grund gekauft: Um es für eine künftige städtische Entwicklung zu sichern. „Die Mitglieder der Erbengemeinschaft sind über 80 Jahre alt. Falls die Stadt irgendwann das Gelände für eine Straße braucht, könnte es schwierig werden, es zu kaufen.“ 

Auch ein paar Häuser hätten nach Weißflogs Ansicht auf den zwei Hektar Fläche der ehemaligen Sandgrube noch Platz. „Vielleicht vier bis sechs Eigenheime mit einigem Abstand zur Straße“, sagte Weißflog.

Derzeit gibt es vonseiten der Stadt allerdings keinerlei Pläne, eine neue Straße auf dem Sandgrubengelände zu bauen. Vor zwei Jahren hatte die Verwaltung aber eine Untersuchung zur Verkehrswirksamkeit in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Mit einer Zubringerstraße durch die Sandgrube würden jeden Tag deutlich mehr Autos die neue Brücke benutzen. Nämlich rund 11 000. 

Auch der Anteil des Schwerverkehrs würde höher – etwa 400 bis 500 Laster pro Tag würden über die Brücke rollen. Bei dieser Variante würde die Innenstadt, sprich Kleine Kirchgasse und Ritterstraße, am deutlichsten entlastet.

Bisher wird ohne die Querverbindung geplant. Damit fällt der Verkehr über die Schillerstraße auch deutlich geringer aus. Knapp 7000 Fahrzeuge würden die neue Brücke pro Tag nutzen. Und das vor allem in West-Ost-Richtung. Warum das so ist, wird schnell deutlich. Denn nach den derzeitigen Plänen der Stadt gibt es keine direkte Verbindung zwischen Dresdner und Sörmitzer Straße – etwa über den Dresdner Platz. 

Wer von Ost nach West über die neue Brücke will, der muss den Weg über den Kreisverkehr am Wappenhenschstift und dann zurück über die Wappenhenschstraße zur Sörmitzer Straße nehmen – ein Umweg. Eine Lösung zwischen den beiden Extremen wäre der Bau einer Verbindungsspange zwischen Dresdner Straße und Wappenhenschstraße über den Parkplatz der Gaststätte „Schwarze Sau“. Dann würde die neue Brücke etwa von 8 000 Fahrzeugen am Tag benutzt. Für das Gelände hat die Stadt bis Ende 2022 eine Kaufoption.

Zur Höhe der Kosten einer Straße durch die Sandgrube hat die Stadt noch keine Untersuchungen anstellen lassen. Fakt ist: Nicht diese Trasse, sondern der millionenschwere Umbau und Neubau der Grundschule Döbeln Ost und der Lernförderschule haben in den nächsten Jahren höchste Priorität. „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn ich als alter Mann über die Straße fahren könnte, wäre das eine schicke Nummer“, sagte Weißflog.

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