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Sandsäcke am Lößnitzbach bleiben weiter liegen

Radebeul-Mitte. Wenn man den Lößnitzbach so daliegen sieht, glaubt man nicht, dass er noch vor einem Jahr ein reißender Fluss war. Das schmale Bachbett ist ausgetrocknet, die Erde in der heißen Sonne zu Schollen aufgeplatzt.

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Radebeul-Mitte. Wenn man den Lößnitzbach so daliegen sieht, glaubt man nicht, dass er noch vor einem Jahr ein reißender Fluss war. Das schmale Bachbett ist ausgetrocknet, die Erde in der heißen Sonne zu Schollen aufgeplatzt. Nur in der malerischen Straße ‚An der Jägermühle‘ erinnert ein gut zehn Meter langer Sandsackdamm daran, dass der Lößnitzbach auch ein anderes Gesicht haben kann.

Allerdings wurden die Säcke nicht zur Jahrhundertflut im August 2002, sondern im Januar diesen Jahres ausgelegt. Zur Katastrophenvorbeugung, als der Bach nach schweren Regengüssen wieder anschwoll. Die Sandsäcke sollten verhindern, dass das Wasser wie im Vorjahr über das flache Ufer tritt und dann, dem Bahndamm der Schmalspurbahn folgend, die anliegenden Grundstücke rückseitig überschwemmt.

Soweit die gute Absicht. Problematisch ist nur, dass die Sandsäcke bis heute nicht wieder abgeholt wurden. Gabriele Schirmer, auf deren unbebautem Land zwischen Lößnitzbach und Bahntrasse die Säcke liegen, fragte schon im März im Rathaus an, wann die Säcke beseitigt werden würden. Dort sagte man ihr, es sei an dieser Stelle eine Dammerhöhung als Hochwasserschutz-Maßnahme geplant. Bis zur Fertigstellung dieser würden die Sandsäcke vorbeugend liegen gelassen. „Die Maßnahme soll bis zum Frühjahr abgeschlossen sein“, bestätigt Oberbürgermeister Bert Wendsche der SZ.

Die Anwohner hegen Zweifel an dem Bauvorhaben. Um das Grundstück von Herrn Horn zu erreichen, muss man eine kleine Brücke über den Lößnitzbach überqueren. Horn befürchtet, dass flache Brücken, wie diese unterhalb des geplanten Damms, ein Aufstauen des Wassers nicht bewältigen würden. „Dann läuft das Wasser halt über die Brücken und von vorn auf unsere Grundstücke“, sagt der Mann. Seine Idee wäre, den Lößnitzbach jetzt, wo er kein Wasser führt, von angeschwemmtem Kies, Steinen und Dreck zu beräumen. Die gewonnenen 20-30 Zentimeter würden die Brücken entlasten. Dass das plausibel klingt findet auch die Architektin Gabriele Schirmer. Sie plädiert für ein vernünftiges Konzept von Fachleuten im Dialog mit den Anwohnern. Kein wilder Aktionismus.

Bis es soweit ist, wird sich wohl keiner um die Sandsäcke kümmern. Zur großen Freude von spielenden Kinder. Die meisten der Säcke sind inzwischen zerschlissen, der Sand ausgelaufen. Ein herrlicher Spielplatz. Ein schlechter vorbeugender Hochwasserschutz. (je)