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Sandstein und Musik wartet auf Saisonstart

Das Festival mit Sitz in Pirna musste auch das fünfte und sechste Konzert absagen. Ob es dabei bleibt, ist ungewiss.

So voll wie hier bei einem früheren Konzert von Sandstein und Musik sollte es am Sonnabend in der Reinhardtsgrimmaer Kirche werden. Daraus wird nun nichts.
So voll wie hier bei einem früheren Konzert von Sandstein und Musik sollte es am Sonnabend in der Reinhardtsgrimmaer Kirche werden. Daraus wird nun nichts. © Egbert Kamprath

Mit dem jungen niederländischen Organisten Laurens de Man sollte am kommenden Wochenende nun endlich der 28. Jahrgang des Festivals Sandstein und Musik beginnen. Aber das Konzert mit dem 27-jährigen Silbermannpreisträger des Jahres 2019 an der Silbermannorgel in Reinhardtsgrimma hat Martin Steude, Geschäftsführer der Festivalkultur Sächsische Schweiz gGmbH (Fekuss), nun wegen der Corona-Pandemie schweren Herzens absagen müssen. Wie auch den Auftritt des 1991 gegründeten Münchner Ensembles Harmonic Brass am Sonntag in der Papstdorfer Kirche.

„Das sind alles sehr schmerzliche Entscheidungen“, sagt Steude, „zumal die Veranstaltungen sehr gut verkauft waren.“ Mittlerweile hat er bereits sechs der geplanten 27 Konzerte in diesem Jahr zwangsweise streichen müssen. Ob es dabei bleibt und das Festival seine Saisoneröffnung nun wenigstens am 9. Mai mit der Schauspielerin Corinna Harfouch in der Kornkammer der Burg Stolpen bekommt, ist derzeit vollkommen ungewiss. Und das zermürbt den Geschäftsführer.

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„Wir fahren auf Sicht und hangeln uns mit unseren Entscheidungen von Termin zu Termin der Regierungen in Berlin und in Sachsen“, sagt Steude. Ihn ärgert, dass es seitens des Freistaates keine klare Aussagen gibt. „Es heißt, bis 31. August sind keine Großveranstaltungen gestattet. Aber keiner definiert, was nun eigentlich Großveranstaltungen sind.“ Ein klarer Schnitt, auch wenn dieser natürlich schmerzlich sei, wäre ihm lieber als das ewige Lavieren. „Dann hätten sowohl die Künstler als auch das Publikum Klarheit“, sagt er.

Steude wartet nun auf neue behördliche Verordnungen, der nächste Stichtag ist der 3. Mai. Kommt es zu weiteren Absagen, gerät das gemeinnützige Unternehmen unweigerlich in eine finanzielle Schieflage. „Wir haben mit 60.000 Euro Einnahmen im ersten Halbjahr gerechnet, das schaffen wir natürlich auf keinen Fall“, sagt Steude. Was das genau bedeutet, vermag er noch nicht zu sagen. Haushaltstechnisch befinde sich die Fekuss derzeit im „Blindflug“.

Zwar stehe der Freistaat bislang zu seiner institutionellen Förderung. Steude rechnet aber durch die ausgefallenen Veranstaltungen mit einem Rückgang privater Zuwendungen, wobei die großen Sponsoren momentan bei ihren Zusagen bleiben. Mittlerweile hat die Fekuss ein Spendenkonto eingerichtet, um das Schlimmste zu verhindern. „Jeder Euro hilft“, sagt Martin Steude, der finanzielle Folgeschäden für die kommenden Jahre befürchtet.

Immerhin aber habe er mit den Künstlern, denen er absagen musste, „wunderbare Arrangements“ hinbekommen, sagt der Geschäftsführer. Einige Veranstaltungen konnte er bereits auf nächstes Jahr umbuchen. Was den Betroffenen allerdings aktuell nicht hilft, weiß Steude: „Die Selbstständigen stehen derzeit ohne Einkommen da, und die Hilfsprogramme greifen bei freischaffenden Musikern in der Regel nicht.“ Steude hofft auch auf ein Entgegenkommen des Publikums. Er setzt auf Gutschriften für gekaufte Tickets und weniger auf Rückzahlungen des Eintrittspreises.

Die Fekuss ist auch Träger der Internationalen Schostakowitsch-Tage in Gohrisch, die Anfang Juli zum elften Mal stattfinden sollen. Ob es dabei bleibt, sagt Steude, entscheide sich nach dem 3. Mai. Eine Absage wäre auch in diesem Fall katastrophal. Die Veranstaltungen sind schon seit Monaten restlos ausverkauft.

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