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Das größte Bauvorhaben seit der Wende

Kubschütz packt die Sanierung der Grundschule Baschütz an. Dem voraus gingen sechs Jahre Planung.

Leergeräumt ist die Grundschule in Baschütz bereits. Architekt Axel Jäkel (l.) und der Kubschützer Bürgermeister Olaf Reichert sind froh, nach sechs Jahren Planung endlich mit der Sanierung beginnen zu können.
Leergeräumt ist die Grundschule in Baschütz bereits. Architekt Axel Jäkel (l.) und der Kubschützer Bürgermeister Olaf Reichert sind froh, nach sechs Jahren Planung endlich mit der Sanierung beginnen zu können. © Steffen Unger

Kubschütz. Der Kubschützer Bürgermeister Olaf Reichert  (parteilos) lächelt zufrieden: "Wir haben uns die ganze Sache nicht leicht gemacht, schließlich handelt es sich um die größte Investition in die Gemeinde seit der Wende", sagt er. "Aber jetzt geht es endlich los", freut er sich und zeigt - wie zum Beweis - auf einen gut gefüllten Sperrmüll-Container.  Gemeint ist die Sanierung der Grundschule an der Hauptstraße im Kubschützer Ortsteil Baschütz.

Leergeräumt ist das alte Gebäude bereits. Die Bushaltestellen wurden ein Stück versetzt, um die Sicherheit der Kinder auch während der Bauarbeiten in den nächsten zwei Jahren zu gewährleisten. Schmucke Häuschen aus Holz markieren die neuen Abfahrtspunkte. Bis zur Fertigstellung des neuen Schulgebäudes hat die Gemeinde Räume des ehemaligen Beruflichen Schulzentrums an der Löbauer Straße in Bautzen gemietet. Das Interimsgebäude, so Reichert, sei nur fünf Kilometer Luftlinie von Baschütz entfernt und als Zwischenlösung "wirklich Gold wert." Den Kindern entstünden nur wenige Einschränkungen. Zudem sei diese Variante günstiger als eine Containerlösung.

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Baracke mit Speisesaal wird abgerissen

Dass die Schüler umziehen müssen, hat einen einfachen Grund: "Die Schule während des laufenden Betriebs zu sanieren, wäre nicht möglich gewesen", sagt Architekt Axel Jäkel vom Büro Bauplanung Oberlausitz. Und dann erklärt er, welche Pläne sein Büro für das Schulgebäude von 1897 hat: "Das ursprüngliche Gebäude wird erhalten. Die Anbauten und die Baracke mit dem Speisesaal werden abgerissen. An der Straßenseite des Grundstücks entsteht ein zweigeschossiger Neubau." Der, erklärt Jäkel weiter, werde mit dem Altbau über eine "transparente Nahtstelle, eine Art Atrium" verbunden.

Die vorhandene Grundschule im Kubschützer Ortsteil Baschütz bekommt einen modernen Anbau. Ein Atrium wird beide Gebäude verbinden.
Die vorhandene Grundschule im Kubschützer Ortsteil Baschütz bekommt einen modernen Anbau. Ein Atrium wird beide Gebäude verbinden. © Visualisierung: Bauplanung Oberlausitz

Architekt und Schulträger können gleich mehrere Gründe aufzählen, weshalb die Planer nicht gänzlich auf einen Neubau setzen. "Zunächst war es Wunsch und Wille der Baschützer, dass die alte Schule als ortsbildprägendes Gebäude erhalten bleibt. Wir befinden uns mit ihr schließlich im Mittelpunkt des Ortes, und viele Einwohner sind seinerzeit selbst hier zur Schule gegangen", sagt Olaf Reichert. Ein Neubau, fügt Axel Jäkel hinzu, hätte darüber hinaus am Ende die Form eines Würfels gehabt. "Wir hätten es hier mit einer monströsen Bausubstanz zu tun bekommen, das wäre für Baschütz nicht gut gewesen. Nach jetziger Planung bleibt die alte Schule das dominantere Gebäude im neuen Verbund."

Sein letztes Argument überrascht dann doch: Letztlich, erklärt er weiter, sei die Verbindung von neuer und alter Bausubstanz sogar wirtschaftlicher als Abriss und Neubau - und das, obwohl die alte Schule für das Vorhaben gründlich entkernt werden muss.

Doch auch unter der wirtschaftlichsten Planung steht am Ende eine Summe. Im Fall der Baschützer Grundschule hat sie viele Nullen. Mit Kosten von insgesamt fünf Millionen Euro rechnet die Gemeinde. Etwa 65 Prozent - 3.285.000 Euro - stammen aus zwei verschiedenen Förderprogrammen des Bundes und des Freistaates. Die immer noch stattliche Summe von reichlich 1,7 Millionen Euro muss die Gemeinde als Eigenanteil selbst aufbringen. Natürlich schreckt das Bürgermeister Olaf Reichert, der sagt: "Wir sind eine kleine Gemeinde. Das ist viel Geld für uns. Aber uns allen ist auch klar: Investitionen in Erziehung und Bildung sind richtig und wichtig. Auch, um für junge Familien lebenswert zu sein."

Das alte Grundschulgebäude wurde 1897 errichtet. Es wird entkernt und im Inneren modernisiert.
Das alte Grundschulgebäude wurde 1897 errichtet. Es wird entkernt und im Inneren modernisiert. © Steffen Unger

Bereits 2014 fällte der Gemeinderat den Entschluss, die Schule zu modernisieren. Aufgrund der geltenden Förderrichtlinien musste die Planung des Vorhabens europaweit ausgeschrieben werden. "Das hat den Baubeginn enorm verzögert und ist mit einigen Unwägbarkeiten verbunden", erklärt Axel Jäkel, dessen Büro letztlich den Zuschlag für die Planungsleistung bekam. Mit den Gegebenheiten vor Ort ist er bestens vertraut, seit er die Sanierung der angrenzenden Sporthalle in den Jahren 2009 und 2010 verantwortete. Olaf Reichert freut es, Jäkel an seiner Seite zu wissen. "Wir bekommen jetzt ein Schulensemble aus einem Guß", sagt er.

Die Realisierung des Vorhabens ist ambitioniert: Mit Beginn des Schuljahres 2022/23, so die Hoffnung von Gemeinde und Planer, können die Schüler wieder in die neue Grundschule einziehen. Die bietet dann, ähnlich wie jetzt, Platz für bis zu 120 Schüler. Untergebracht werden diese in vier Klassenzimmern, die sich auf das Obergeschoss von Neu- und Altbau verteilen und den neuesten Anforderungen an schulisches Lernen genügen.

"Dass alle Unterrichtsräume auf derselben Ebene liegen, ist günstig für die Organisation des Schulbetriebs", erklärt Axel Jäkel. Im Erdgeschoss des Altbaus finden die Fachkabinette ihren neuen Platz. Im Neubau wird es hingegen dort einen großen, abgrenzbaren Mehrzweckraum mit einer Gesamtfläche von 100 Quadratmetern geben. Genutzt werden soll er vornehmlich als Speisesaal und für den Hort. Auch Garderoben und Sanitäreinrichtungen werden in dem neuen Anbau untergebracht.

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