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Cunewalde: Dreiseitenhof wird zur Baustelle

Das Gebäudeensemble, das zum Haus des Gastes gehört, muss instand gesetzt werden. Das kostet viel Geld - die Gemeinde aber trotzdem keinen Cent.

Einladend sieht er aus der Dreiseitenhof an der Blauen Kugel in Cunewalde, vor dem Simone Bergmann vom Haus des Gastes steht. Dennoch ist einiges an den Gebäuden zu erneuern.
Einladend sieht er aus der Dreiseitenhof an der Blauen Kugel in Cunewalde, vor dem Simone Bergmann vom Haus des Gastes steht. Dennoch ist einiges an den Gebäuden zu erneuern. © Steffen Unger

Cunewalde. Ein bisschen ist es, als trete man in eine vergangene Welt, wenn man das ehemalige Wohngebäude des Dreiseitenhofes an der Cunewalder Czornebohstraße umrundet und schließlich inmitten des grünen Innenhofes steht. Fast weltvergessen wirkt das großzügige Umgebindehaus mit den kunstvoll verzierten Fensterrahmen und den schweren Türstürzen aus Granit auf den Betrachter. Das Gebäudeensemble - das verraten die steinernen Ziffern über der Eingangstür - stammt aus dem Jahr 1815.

Das Alter sieht man der Anlage auf den ersten Blick nicht an, was sicher auch mit der liebevollen Pflege zu tun hat, die Cunewalde diesem Schmuckstück angedeihen lässt: Nach der Wende erwarb die Gemeinde das Anwesen, 1999 wurde das denkmalgeschützte Areal - bestehend aus einem Stall, einer Scheune und dem Wohnhaus - umfassend saniert. Eine Vielzahl von Einrichtungen der Gemeinde fanden daraufhin hier ihren Platz und machen den Dreiseitenhof in unmittelbarer Nachbarschaft zur Blauen Kugel zu einem Ort für die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit dem Veranstaltungshaus bildet der Dreiseitenhof heute das Haus des Gastes.

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Als Ort für die Öffentlichkeit erhalten

Zur Trauung, für die Vereinsarbeit, zu Festen und Konzerten oder einem Besuch des Kraftfahrzeugs- und Technikmuseums kommen Einwohner und Gäste der Gemeinde hier her. Und das soll auch so bleiben. "Um die öffentliche Nutzung nachhaltig und wirtschaftlich fortzuführen und die Lebensdauer des bedeutenden denkmalgeschützten Gebäudeensembles verlängern zu können, bedarf es einer Instandsetzung und Teilmodernisierung der Bausubstanz sowie der technischen Ausrüstung der Gebäudeteile", heißt es in einer Beschlussvorlage, über die der Cunewalder Gemeinderat in seiner Sitzung am 19. August abstimmen soll.

Konkret ist geplant, die vielen Holzbauteile zu überprüfen und, wo nötig, auszutauschen oder zu erneuern. Das Dach der großen Scheune, in der das Kraftfahrzeug- und Technikmuseum sein Domizil hat, war bei der jüngsten Sanierung nicht erneuert worden. Auch die Frage, ob diese Arbeiten jetzt nachgeholt werden müssen, wird Gegenstand der Planungen sein. Gleichsam muss die Trockenmauer, die die Scheune an ihrem hinteren Teil stützt, genauer unter die Lupe genommen werden. 

Sehr wahrscheinlich ist, dass die Heiz- und die Brandmeldeanlage modernisiert werden müssen. Der alte Brennwertkessel machte in der Vergangenheit immer wieder Probleme. Auch frische Farbe und das Ausbessern von Rissen im Inneren der Gebäude und die Erneuerung der großen Toranlage, die in den Innenhof führt, stehen auf der Wunschliste der Gemeinde. Was davon tatsächlich realisiert wird, muss erst abschließend beurteilt werden. "Wir stehen noch ganz am Anfang des Vorhabens", sagt Cunewaldes Bürgermeister Thomas Martolock (CDU).

Geld kommt aus DDR-Vermögen

"Sicher ist noch gar nichts. Wir haben dem Planungsbüro zugearbeitet, wo wir Handlungsbedarf sehen. Den tatsächlichen Sanierungsbedarf müssen jetzt die Fachleute feststellen", erklärt Bauamtsleiterin Andrea Richter. Betreuen soll das Projekt die AIZ Bauplanungsgesellschaft aus Zittau, die bereits die Sanierung im Jahr 1999 plante und aufgrund dieser Erfahrung mit der sensiblen Bausubstanz bestens vertraut ist.

Inklusive der Planungsleistungen wird all das ein hübsches Sümmchen kosten – 250.000 Euro, um genau zu sein. Die gute Nachricht: Die Summe wird der Gemeinde gänzlich vom Freistaat Sachsen zur Verfügung gestellt. Das Geld stammt aus dem Vermögen von Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO). Dieses wird in regelmäßigen Abständen für Projekte in den neuen Bundesländern zur Verfügung gestellt. Die Höhe der Fördermittel orientiert sich dabei an den jeweiligen Einwohnerzahlen. Einziges Manko: Die Mittel sind zweckgebunden, dürfen also nur für das geplante Vorhaben eingesetzt werden. Cunewalde etwa darf nichts von dem Geld in die Blaue Kugel investieren.

Heiraten bleibt weiter möglich

Nachdem der technische und der Finanzausschuss das Vorhaben in dieser Woche bereits abnickten, gilt die Zustimmung des Gemeinderates als formeller Akt. Dann sollen die Arbeiten auch schon bald beginnen. Bis Ende 2022 soll der Dreiseitenhof in neuem Glanz erstrahlen.

Ziel der Gemeinde ist es, so Andrea Richter weiter, die Nutzung des Dreiseitenhofes in der Bauphase nicht gänzlich unmöglich zu machen. Paaren etwa, die während der Bauphase ihre Hochzeit im Trauzimmer des Umgebindehauses planen, versichert sie: "Die Möglichkeit dazu wird in jedem Fall bestehen bleiben."

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