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Deutschlands größte Dorfkirche braucht Hilfe

Dach und Decke der Cunewalder Kirche müssen dringend saniert werden. Eine Lösung schien bereits sicher - bis zu einer überraschenden Absage.

Auf der höchsten Besucher-Empore der Cunewalder Kirche zeigt Pfarrer Friedemann Wenzel die Risse und Spalten in der Decke.
Auf der höchsten Besucher-Empore der Cunewalder Kirche zeigt Pfarrer Friedemann Wenzel die Risse und Spalten in der Decke. © SZ/Uwe Soeder

Cunewalde. Pfarrer Friedemann Wenzel bleibt nüchtern: "Ich bin fälschlicherweise davon ausgegangen, dass wir die Mittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm bekommen." Überrascht habe es ihn aber schon, als ihn die Nachricht ereilte, dass die Fördersumme von etwa 430.000 Euro für die Sanierung des Daches der Cunewalder Dorfkirche in diesem Jahr nicht fließen werde.

Denn die Maßnahme drängt: Erst im Dezember letzten Jahres, kurz vor Weihnachten, hatte sich ein faustgroßes Stück Stuck aus der Decke des 240 Jahre alten Kirchengebäudes gelöst. Genaueres Hinsehen ergab: Über die ganze Decke zogen sich Spalten und Risse. Weitere Stuckteile drohten hinabzustürzen. Seither verschleiert ein stabiles, weißes Netz die Sicht auf die 13 Meter breite und 30 Meter lange Fläche. Die Kronleuchter, die bis dato das Kirchenschiff ausleuchteten, lagern nunmehr auf einem Gerüst hinter dem Altar. Die Aufgänge zur höchsten Besucher-Empore sind verbarrikadiert. Erst hier oben kann man die Spalten und Risse wirklich erkennen. 

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Etwa 80 Zentimeter lang sind die Stuckelemente, die zur Zierde an der Kirchendecke verschraubt sind. Sie müssen saniert werden.
Etwa 80 Zentimeter lang sind die Stuckelemente, die zur Zierde an der Kirchendecke verschraubt sind. Sie müssen saniert werden. © SZ/Uwe Soeder

Wie gravierend sie sind, kann bislang niemand sagen. Zu den Gründen für den Verfall gibt es verschiedene Erklärungen: "Zum einen ist das Material wahrscheinlich im Laufe der Jahre mürbe geworden. Zum anderen denke ich, dass infolge der Trockenheit in den letzten Jahren der Untergrund arbeitet. Dadurch verschiebt sich das ganze Gebäude", sagt Friedemann Wenzel. Auf die Frage, wie hoch die Kosten für die Sanierung der Decke sein werden, antwortet er: "Es gibt zum Innenraum bislang keine belastbaren Zahlen. Aber ich schätze, dass es sich zwischen einer halben und einer Million Euro bewegen wird – wobei ich persönlich kein Freund durchsanierter Kirchen bin."

Doch nicht allein die Decke der Kirche, die mit Platz für 2.632 Personen als größte Dorfkirche Deutschlands zählt, ist dringend sanierungsbedürftig – auch und zuallererst ist es das Dach. Bis das nicht saniert ist, lohnen Arbeiten an der Decke nicht.

Beim letzten Frühjahrssturm, erzählt Friedemann Wenzel, seien einige Ziegel vom Dach geweht worden. "Noch hält sich die Feuchtigkeit in Grenzen, aber noch zwei, drei solcher Stürme und wir haben Löcher im Dach", schätzt er. Eine Notsicherung des Daches werde man deshalb in jedem Fall noch im Sommer vornehmen. Für solche Vorhaben gäbe es Rücklagen. Zudem werden sie von der Landeskirche bezuschusst, wenngleich auch die, infolge der aktuellen Situation, über etwa zehn Prozent weniger Einnahmen verfüge.

Vielfältige Gründe für Fördermittel-Absage

80 Prozent an Zuschüssen hätte die Cunewalder Kirchgemeinde aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm bei einer Berücksichtigung erhalten. Dessen Topf setzt sich zu 50 Prozent aus Bundes- und zu 30 Prozent aus Landesmitteln zusammen. Die Summe wird jährlich neu bestimmt. Etwa 30 Millionen Euro können so pro Jahr an Denkmalschutzprojekte in ganz Deutschland vergeben werden. 

Der Freistaat, erzählt Friedemann Wenzel, hätte die Mittel für Cunewalde zugesagt. Im Haushaltsausschuss des Bundestages sei der Antrag allerdings gescheitert. Aus Kreisen des Haushaltsausschusses heißt es zur Begründung, die Entscheidung über Zu- oder Absage eines Fördermittelantrages erfolge aus denkmalfachlichen, finanziellen und politischen Gründen. 

So sei das Förderprogramm, aus dem Sachsen in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich hohe Mittel habe akquirieren können, dramatisch überzeichnet. Man versuche daher anhand von Verteilungsschlüsseln, eine gerechte Aufteilung der verfügbaren Mittel zu erreichen. Überdies werde angestrebt, wenigstens ein Projekt im Wahlkreis eines jeden Bundestagsabgeordneten zu realisieren. Auch die Dringlichkeit der Vorhaben werde berücksichtigt. Nicht zuletzt, heißt es, bestünde kein Anspruch auf Förderung. Ein wenig Glück gehöre auch dazu.

Bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten wird ein weißes Netz den Blick an die Decke der Kirche verschleiern. Es war im Dezember vergangenen Jahres zum Schutz vor herabfallenden Stuckteilen installiert worden.
Bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten wird ein weißes Netz den Blick an die Decke der Kirche verschleiern. Es war im Dezember vergangenen Jahres zum Schutz vor herabfallenden Stuckteilen installiert worden. © SZ/Uwe Soeder

Nur darauf will sich Friedemann Wenzel bei seinen nächsten Schritten nicht verlassen. Zwar besteht die Möglichkeit, dass die Kirchgemeinde sich im kommenden Jahr wieder für die Förderung bewirbt – die Bewerbung aus diesem Jahr wird dabei aber nicht berücksichtigt. Der Ausgang ist erneut ungewiss. Fest steht, der ursprüngliche Plan, im Jahr 2021 das Dach und in den Jahren 2022/23 den Innenraum der Kirche zu sanieren, kann nicht gehalten werden.

Wenzel bemüht sich daher bei einer regionalen Stiftung um Mittel. Im Juni soll mit deren Vertretern eine Begehung vor Ort erfolgen. Bei der Frage nach den Aussichten für eine Zusage bleibt er wiederum nüchtern: "Das kann ich überhaupt nicht einschätzen, aber die Kirche hält ja in diesem Fall nicht nur die Hand auf. Sie hat ja Bedeutung für den ganzen Ort und durch ihre Lage an der Via Sacra sogar für die ganze Region."

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