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Schlussstrich bei Stadtkernsanierung

30 Jahre lang floss viel Geld in Häuser, Straßen, Parkanlagen von Freital-Deuben. Jetzt läuft das Förderprogramm aus. Eine Bilanz.

Bunt statt grau-braun: Freitals Stadtteil Deuben ist durchsaniert.
Bunt statt grau-braun: Freitals Stadtteil Deuben ist durchsaniert. © Egbert Kamprath

Wer wissen möchte, wie sehr sich Freital seit der Wende verändert hat, muss nur mal das Fotoalbum heraus holen. Mit der Schwarz-Weiß-Optik kann man sich vielleicht noch anfreunden, nicht aber mit den holprige Straßen, bröckeligen Hausfassaden oder maroden Industriebetrieben. Der Stadtteil Deuben macht da keine Ausnahme - nach der Wende herrschte hier ein riesiger Sanierungsstau. Um die Erneuerung der Gebäude und Straßen anzuschieben, beschloss die Stadt 1991 ein Förderprogramm. Bund und Land zahlten Zuschüsse für zahlreiche Projekte. Nun wurde Bilanz gezogen. 

Der Anfang: Entkernung und Abriss

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Deuben - das war Anfang der Neunzigerjahre ein wilder Mix aus Wohnen, Handel und Industrie. Zum einen prägte eine Bebauung aus der Jahrhundertwende das Stadtbild. Den großen Bürgerhäusern an der Dresdner Straße schloss sie kleinteilige Wohnbebauung an Richtung Weißeritz und jenseits des Flusses an. Dazwischen immer wieder kleine Geschäfte, Werkstätten und Handwerksbetriebe. In Richtung Bahntrasse wiederum standen auch größere Fabrikkomplexe wie das Prüfgerätewerk am Goetheplatz. Auch die inzwischen abgerissene Lederfabrik und die Egermühle zählen zu Deuben. Allen gemeinsam war, dass die Bausubstanz stark gelitten hatte. Die Christuskirche beispielsweise war Ende der Achtzigerjahre rund zwei Jahre lang gesperrt, weil die Dachkonstruktion Schaden genommen hatte. 1994 wurde die Satzung für das Sanierungsgebiet rechtskräftig und damit flossen auch die Fördermittel. Zunächst ging es bei der nun anlaufenden Sanierungswelle auch um viele Abrisse. Weg kamen Gebäude, die nicht mehr zu retten waren. Baulücken entstanden zum Beispiel hinter dem heutigen Busbahnhof, an der Dresdner Straße, hinter dem Rathaus Deuben und an der Langen Straße.

Wie hier an der Wehrstraße sieht man, in welch schlechtem Zustand die Häuser waren. Von vielen Fassaden fiel der Putz.
Wie hier an der Wehrstraße sieht man, in welch schlechtem Zustand die Häuser waren. Von vielen Fassaden fiel der Putz. © Kögler

Die Erweiterung: 54 Fußballfelder groß

Bereits 1996 waren um die fünf Millionen Euro Fördermittel - damals rund zehn Millionen D-Mark - in das Sanierungsgebiet Deuben geflossen. An der langen Straße entstanden neugebaute Wohnhäuser mit Eigentumswohnungen und Tiefgarage. Das Deubener Rathaus wurde komplett saniert. Zahlreiche Hausbesitzer konnten Mithilfe der Fördermillionen Wohnhäuser rekonstruieren. Auch in die Infrastruktur floss viel Geld: So wurden Straßen und Fußwege erneuert, Plätze neu gestaltet und Grünanlagen angelegt. 1998 wurde das Sanierunsgebiet erweitert. Es umfasste nun 27 Hektar und wurde von der Krönertstraße, der Güterstraße, der Poststraße, der Döhlener Straße und der Weißeritz begrenzt. 2007 erfolgte eine abermalige Erweiterung um weitere neun Hektar. Es wurde nun auch der Bereich zwischen der Poisentalstraße, der Weißeritz, dem Neumarkt und der Bahnhofstraße einbezogen. Das Sanierungsgebiet hatte demnach eine Größe von gut 54 Fußballfeldern. Zum damaligen Zeitpunkt waren bereits 15 Millionen Euro Fördermittel an die Bauherren ausgezahlt worden. 

Auch ein Teil Döhlens wie hier das Gebiet um die Dresdner Straße, Leßkestraße, Bahnhofstraße wurde teil des Förderprogramms.
Auch ein Teil Döhlens wie hier das Gebiet um die Dresdner Straße, Leßkestraße, Bahnhofstraße wurde teil des Förderprogramms. © Miesel

Die Fortsetzung: Industrieruinen weichen

Die Erweiterung geschah vor allem im Hinblick auf zahlreiche Industrieruinen. Dort befanden sich Mitte der 2000er-Jahre immer noch die desolaten Überreste des Werks II der Plastverarbeitung, des Prüfgerätewerks Medingen sowie der alten Lufttechnik. Im Januar 2008 fiel zunächst der Teil des Prüfgerätewerks an der Leßkestraße. Später folgten die anderen Fabrikreste. 2012 fallen als letzte die Hallen und Anlagen der Lufttechnik. Brachen sind die Grundstücke allerdings bis heute. Nach wie vor ist das Areal zwischen Poisentalstraße, Leskestraße und Dresdner Straße für den Bau des neuen Stadtzentrums vorgesehen. 

Das Prüfgerätewerk Medingen, hier mit dem Betriebsteil am Goetheplatz, wurde im Zuge der Stadtkernsanierung abgerissen.
Das Prüfgerätewerk Medingen, hier mit dem Betriebsteil am Goetheplatz, wurde im Zuge der Stadtkernsanierung abgerissen. © Erhardt Freund

Das Ergebnis: Mehr als 100 Millionen Euro investiert

Im vergangenen Jahr lief das Förderprogramm aus, der Stadtrat hob daraufhin die Satzung für das Sanierungsgebiet auf. Insgesamt wurden rund 21 Millionen Euro Fördermittel für die Sanierung von Häusern, Straßen, Plätzen und Grünanlagen ausgezahlt. Davon kamen sieben Millionen Euro von der Stadt und knapp 14 Millionen Euro von Land und Bund. Geschätzt wird, dass mit allen Privatinvestitionen zusammengerechnet seit 1991 mehr als 100 Millionen Euro in die Deubener Bausubstanz gesteckt wurden. Davon profitierten komplette Straßenzüge, aber auch die Christuskirche und ihr Umfeld, das Weißeritzgymnasium und soziale Einrichtungen wie das Familienzentrum Regenbogen. Mehr als 70 Baumaßnahmen wurden von Privateigentümern durchgezogen. Dies betraf in allererster Linie Abriss, Sanierung und Umbau von Wohnhäusern. 

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