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Holt Sarrasani den Tiger zurück?

Seit der Insolvenz ist Tigerin Kaya nicht mehr aufgetreten. Der Dresdner Magier sagt warum - und wehrt sich gegen das Wildtierverbot.

André Sarrasani trainiert mit Kaya für den großen Auftritt.
André Sarrasani trainiert mit Kaya für den großen Auftritt. © Christian Juppe

Tigerdame Kaya läuft gemütlich von einem Ende des Käfigs zum anderen. Lachs, da steht sie total drauf. Den gibt es zwischendurch als Leckerli. Aber derzeit hat sie vor allem ein Trainingsprogramm im Trocadero am Elbepark zu absolvieren: Sie muss fleißig üben, um mit André Sarrasani ab 22. November gemeinsam auf der Bühne aufzutreten. „Ich plane fest damit, dass Kaya auftreten kann“, sagt Sarrasani selbstbewusst. Eine Garantie könne er dafür selbstverständlich nicht geben.

Die vergangenen Jahre sah es ganz anders aus. Seit der Insolvenz von Sarrasanis Firma und seiner nachfolgenden Privatinsolvenz, fühlte er sich gejagt. Es fehlte das Markenzeichen des  Magiers: Auftritte mit Tigern. Die damals drei weißen Tiger Kaya, Ambra und Kijana gehörten zur sogenannten Insolvenzmasse. Sarrasani kaufte Kaya mit seiner neuen Firma zurück. Seitdem trainieren er und seine Lebensgefährtin Edit Slavova mit der Tigerdame.

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„Aber ich war im Kopf nicht frei“, erklärt Sarrasani. „Tiere spüren viel eher und sensibler als Menschen, wie du drauf bist.“ Aber auch seine Edit merkt ganz genau, wenn Sarrasani nicht komplett bei der Sache ist. Dann sagt sie: „Mach mal Pause, trink einen Kaffee.“ Denn, es sei gefährlich. „Wenn du im Kopf nicht komplett dabei bist, überträgt sich das auf das Tier“, sagt Sarrasani. „Kaya ist eine 260 Kilogramm schwere Raubkatze.“ Aber jetzt stimme das Verhältnis zwischen ihm und Kaya wieder.

Jetzt habe er wieder richtig Lust, mit dem weißen Tiger zu arbeiten. „Ich will die große Bühne wie in Las Vegas. Siegfried und Roy hat es ausgemacht, mit Tigern zu arbeiten.“ Genauso gehörten Raubkatzen auch zu Sarrasani, meint er.

Die Nummer, die Sarrasani mit Kaya zeigen will, ist klar. „Wir verwandeln eine ,wilde Dame‘ in einen wilden Tiger – also eine meiner Assistentinnen in Kaya.“ Wie das funktioniert, will er nicht verraten, das ist Magier-Ehre. Die Nummer selber sei für den Tiger nicht kompliziert. „Aktuell über wir vor allem, dass sie ruhig bleibt.“ Während der Proben auf der Bühne rufen Helfer etwas rein, klatschen oder es fällt auch mal eine Aluleiter um. Kaya darf sich nicht davon ablenken lassen. Denn einen 260-Kilo-Tiger kann niemand halten.

Panthermädchen Jada wird mit André Sarrasani auf jeden Fall zu sehen sein. 
Panthermädchen Jada wird mit André Sarrasani auf jeden Fall zu sehen sein.  © Christian Juppe

Eine wird auf jeden Fall auftreten: Jada. Die mittlerweile für eine Raubkatze Jugendliche, ist immer noch das jüngste Familienmitglied. Das schwarze Panthermädchen kam Anfang 2018 zu Sarrasani. Damals war das Leopardenbaby schwer krank. Sarrasani wurde von einem Tierpark nahe Paris angefragt, ob er sich um die Kleine kümmern könne. „Sie brauchte jemanden; die wussten, wir kennen uns mit Raubkatzen aus. Also haben wir sie hochgepäppelt.“ Sarrasani hat Jada auf der Bühne getauft, und sie tritt regelmäßig auf. „Derzeit plane ich zwei Auftritte mit Jada pro Show. Aber sie ist noch sehr jung, da kann man nicht sicher planen.“ Ein Auftritt pro Show sei aber unstrittig.

Eine klare Meinung hat Sarrasani auch zu dem aktuell diskutierten Wildtierverbot in Zirkussen. „Was ist ein Wildtier?“, fragt er. Tiger gibt es insgesamt noch 3.500 bis 4.000 weltweit. „Sie werden gejagt und verdrängt. Es gibt für sie, wie für viele andere Arten auch, keine ,freie Wildbahn‘ mehr.“ Ohne die Exemplare in Zirkussen und Zoos würden viele keine mehr zu sehen bekommen. In Zirkussen und Varietés leben viele Wildtiere seit mehreren Generationen in Obhut von Menschen. „Ihnen geht es häufig besser als in Zoos“, meint Sarrasani. Weil die Leute sich viel Zeit für die Tiere nehmen, sie individuell betreuen. Reisen würde ihnen nichts ausmachen, was häufig als Kritik andersherum angebracht wird. Deshalb wäre ein Verbot falsch.

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Selbstverständlich gebe es im Geschäft auch „schwarze Schafe“, die Tiere schlecht behandeln. Aber Sarrasani seien persönlich keine bekannt. „Wir sehen uns als Sprachrohr: Alle, die bei uns das Spiel zwischen Mensch und Tier sehen, wollen wir motivieren, auch etwas für Tiere zu tun – egal wie.“ Auch gehe von den Tieren keine größere Gefahr aus, weil sie sozusagen unter Menschen leben. „Während der Show müssen wir eher die Tiere vor den Menschen schützen als umgekehrt“, sagt Sarrasani. Es sein ein paar Mal vorgekommen, dass Besucher auf die Bühne kamen, weil sie auch mal einen Tiger streicheln wollten. Auch da warnt Sarrasani: Es bleibt eine Raubkatze. Er übernehme keine Garantie dafür, was im Zweifel passiert.

Die neue Show „XV magische Momente“ läuft bis zum 2. Februar 2020.
sarrasani.de

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