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Sarrasani: "Noch nicht lebensbedrohlich"

Der Magier aus Dresden spürt die Corona-Krise deutlich. Es gibt Absagen, aber auch Hoffnung.

Auch Magier André Sarrasani hat die Corona-Krise erwischt.
Auch Magier André Sarrasani hat die Corona-Krise erwischt. © Sven Ellger

Dresden. Noch in der Insolvenz und mit der abgelaufenen Dinner-Show gerade so ins Plus gekommen - insbesondere für Zirkus-Chef und Magier André Sarrasani kommt Corona zur Unzeit.

Er hat Aufträge verloren, die ihn bis zur neuen Dinner-Show im Winter über Wasser halten sollen. Aber auch jetzt will Sarrasani es packen und die nächste Krise überstehen.

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"Eine große Messe im Sommer in Hamburg ist abgesagt, für die wir gebucht waren und einige weitere Aufträge", berichtet Sarrasani. Auch der Vorverkauf für die neue Dinner-Show ist abgebrochen. "Die Leute haben natürlich jetzt anderes zu tun, als Tickets für den Winter zu kaufen."

Die Firma, deren Geschäftsführer André Sarrasani ist, ist in Kurzarbeit. "Im Winter, für die Saison, haben wir mehr Angestellte. Jetzt betrifft es fünf Mitarbeiter, inklusive mich."

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Sarrasani versucht, es positiv zu sehen. "Jetzt habe ich Zeit, das Zelt zu waschen und Reparaturen durchzuführen." Auch seine Geldgeber seien noch nicht nervös. Nach der Insolvenz der letzten Firma von Sarrasani, gefolgt von einer Privatinsolvenz, weil er alleiniger Gesellschafter war, wird die aktuelle Firma von Investoren getragen.

Mehr als eine Million Euro Schulden, der Wiederaufbau, um weitermachen zu können - für Sarrasani eine harte Zeit - und jetzt Corona : "Ich bin nur froh, dass wir die Saison bis Februar zu Ende spielen konnten, sonst hätten wir finanziell wieder richtig auf die Fresse bekommen."

So habe man aber eine gute Saison gehabt. "Finanziell haben wir ein wenig Speck auf die Rippen bekommen. Deshalb ist die Situation jetzt noch nicht lebensbedrohlich", sagt der Magier. Aber die Aufträge bis zum Winter sollten so viel Geld einbringen, dass er nicht an die Rücklagen muss. Ob das klappt, hänge davon ab, wie lange Veranstaltungen wegen Corona ausfallen.

Magische Momente: Sarrasani im Trocadero mit Tigerin Kaya.
Magische Momente: Sarrasani im Trocadero mit Tigerin Kaya. © (c) Christian Juppe

Im Oktober soll Sarrasani das Zelt und die komplette Logistik für ein europäischen Zirkus-Nachwuchs-Festival stellen. "Das ist nicht abgesagt und die Veranstalter planen auch weiter." Ebenfalls noch nicht abgesagt seien Buchungen von Firmenfeiern wie Jubiläen im Oktober und November. Sie sollen im Trocadero am neuen Stadtort zwischen Marienbrücke und Kongresszentrum stattfinden. Im Elbepark wurde sein Vertrag nicht verlängert.

Es gebe aber große Unsicherheiten für die Planungen der neuen Dinner-Show. "Wir wissen nicht, ob wegen Corona überhaupt noch internationale Künstler kommen", erklärt Sarrasani. "Vielleicht machen wir auch ein rein deutsches Programm, wenn wir überhaupt die Show machen können." Diese im Internet zu zeigen und das Essen zu liefern, sei schwierig. "Schließlich leben wir von Emotionen. Die Leute wollen die Gefahr spüren, den Schweiß riechen und die Raubkatzen aus der Nähe sehen", so Sarrasani.  

Tiger-Dame Kaya und Panther-Teenager Jada sind übrigens im Sommerdomizil in Ottendorf-Okrilla - wie immer außerhalb der Saison. Ihnen gehe es gut.

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"Wir müssen einfach abwarten", sagt Sarrasani. "So werden derzeit andere Dinge wichtiger. Es gibt beispielsweise mehr Zeit, sich um unsere Kinder und meine Mutter zu kümmern. Das ist doch auch gut."

Ob staatliche Hilfsprogramme am Ende ausreichen, um seinen und andere Zirkusse am Leben zu erhalten, hänge vor allem davon ab, wie lange die Krise andauert. Auch wenn Ausgangsbeschränkungen und Veranstaltungsverbote beendet sind, werde nicht sofort  alles wieder normal laufen. "Wir planen aber weiter für eine neue Show im Winter", sagt Sarrasani und macht sich Mut.

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