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Saubere Sache

Bis 2050 will die Deutsche Bahn AG klimaneutral unterwegs sein. Ein Meißner Unternehmen hilft ihr dabei.

Die gelben Verteilerkästen von Photon gehören zum Standard an deutschen Bahnstrecken. Zwei Jahre dauerte deren Entwicklung, sagt Geschäftsführer Michael Brandhorst.
Die gelben Verteilerkästen von Photon gehören zum Standard an deutschen Bahnstrecken. Zwei Jahre dauerte deren Entwicklung, sagt Geschäftsführer Michael Brandhorst. ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Der Termin hat länger gedauert als gedacht. Es ging um die Zukunft der Deutschen Bahn AG, die angekündigt hat, bis 2050 ihre Züge klimaneutral rollen lassen zu wollen. „Und wir helfen ihr dabei“, sagt Michael Brandhorst selbstbewusst. Der gebürtige Hannoveraner ist seit dreieinhalb Jahren Geschäftsführer der Photon Meissener Technologies GmbH. Sie fertigt Strompunkte für die Deutsche Bahn.

Die gelben Kästen erinnern an einen Ladepunkt für ein Elektroauto und genauso funktionieren sie auch. Sie sollen in Bahnhöfen und Güterverkehrszentren installiert werden, überall dort, wo Züge längere Wartezeiten überbrücken müssen. „Heute laufen die Dieselmotoren der Züge im Stand einfach weiter, um eine Minimalmenge an Strom für die Rechner und Versorgungseinheiten zur Verfügung zu stellen“, sagt Michael Brandhorst. 

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Künftig sollen die vor allem im Güterverkehr eingesetzten Dieselloks abgestellt werden können und der benötigte Strom kommt aus der Dose. Ein kleines Computerprogramm, eine sogenannte App, zeigt dem Lokführer, wo es Strompunkte gibt und welche noch nicht belegt sind. Über eine Schnittstelle kann sich der Lokführer am Strompunkt anmelden und Energie entnehmen. Der Verbrauch wird automatisch abgerechnet. Das System soll nicht nur für Züge der Deutschen Bahn, sondern für alle Verkehrsunternehmen funktionieren, die im deutschen Netz unterwegs sind, sagt Michael Brandhorst.

Der Strompunkt ist eine Eigenentwicklung des Meißner Unternehmens, das auch Ladesäulen für Pkws und Elektrofahrräder baut. Zwei Jahre Entwicklungsarbeit und umfangreiche Tests waren nötig, bis nun die ersten Stromtankstellen ausgeliefert und montiert werden können.

So sehen die neuen Stromtankstellen für Dieselloks aus, die das Meißner Unternehmen an die Deutschen Bahn AG ausliefert. 
So sehen die neuen Stromtankstellen für Dieselloks aus, die das Meißner Unternehmen an die Deutschen Bahn AG ausliefert.  © Claudia Hübschmann

Auf die Frage nach dem Umfang des Auftrages der Deutschen Bahn lächelt Michael Brandhorst. Die AG ist ein großer und ein wichtiger Kunde für die sächsische Firma, die einst aus der Meißner Nachrichtentechnik GmbH hervorgegangen ist und heute 89 Mitarbeiter beschäftigt. Produkte von Photon findet der aufmerksame Bahnreisende überall.

Da gibt es die knallroten Notrufsäulen, mit denen jeder Bahnsteig ausgestattet werden muss, da sind die gelben Verteilerkästen für die Signaltechnik entlang der Strecke oder die Achszähler nach Weichen und Tunneln. Und selbst der ICE in seiner neuesten Baureihe 4, kommt von Photon. Ein Großteil der Seitenwände der Züge wird im Berliner Mutterunternehmen zusammengesetzt. Dort hat man sich auf Schweiß- und Lasertechnik spezialisiert, fügt unter anderem Karosserieteile für den Bentley zusammen.

Photon wird in diesem Jahr in Meißen rund zehn Millionen Euro Umsatz machen. Tendenz weiter steigend. „Denn wir sind im Bereich der Mobilität und damit in einem absoluten Wachstumsmarkt unterwegs“, sagt Michael Brandhorst. Mobilität versteht er dabei nicht allein im Sinne des Transports von Menschen und Gütern von A nach B. Es gehe vielmehr auch um Daten.

Das Meißner Werk, in dem einst die silber-magenta-farbenen Telefonzellen der Telekom montiert wurden, wird mit diesem Geschäftspartner künftig wieder enger zusammenarbeiten. Die Telefonzellen werden ein Revival erleben, ist sich Brandhorst sicher. Man brauche sie im Handyzeitalter nicht mehr zum Telefonieren, aber als Basisstation für das ultraschnelle 5G-Netz. „Wir werden die Telefonzellen der Telekom umrüsten“, so Michael Brandhorst.

Nachdem die Mobilfunklizenzen vor einigen Wochen versteigert worden sind, laufen die Planungen vermutlich bis 2022, sagt Brandhorst. Der Oberstleutnant der Bundeswehr hat sich daran gewöhnt, dass in seinem Geschäft Geduld gefragt ist. „An den beleuchteten Handläufen für den Bahnhof Stuttgart 21 entwickeln wir schon seit acht Jahren“, so der Unternehmer.

Die Sanktionen gegen Russland gibt es erst seit fünf Jahren. Sie belasten die sächsische Wirtschaft schwer, sagt Brandhorst. Betroffen sind vor allem Maschinen und Anlagenbauer. Ihre Ausfuhren haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwischen 2013 und 2018 um 60 Prozent abgenommen, lagen zuletzt bei nur noch 537 Millionen Euro. Auch Photon würde auf dem russischen Markt gerne aktiv werden. Michael Brandhorst kennt nach einem Beraterauftrag für die Russische Staatsbahn den enormen Investitionsbedarf.

Der Unternehmer hat sich deshalb gefreut, als Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) nach dem Besuch beim russischen Staatschef Putin eine Lockerung der Sanktionen forderte. Russland sei genauso wie die Türkei ein strategisch wichtiges Land für den Bahnverkehr der Zukunft, so Brandhorst. „Wenn wir Waren künftig umweltfreundlicher transportieren wollen, ist der Zug eine Alternative zu Schiff und Flugzeug, auch nach Asien.“

Sächsische Firmen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Über 240 gibt es, die Züge oder Bahntechnik herstellen. Das aber werde in einem Land der Automobilbauer leider oft übersehen.

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