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Saubermänner putzen Wasserspeicher

Für die Reinigung werden die Behälter komplett entleert. Trotzdem soll das Trinkwasser nicht knapp werden.

© frank schmidt, an der aue 6, 046

Von Cathrin Reichelt

Sie sind von oben bis unten in weiße Anzüge gehüllt, wie die Kriminaltechniker, die einen Tatort untersuchen. Mit Verbrechen haben die Männer rund um Roland Hammer aber nichts zu tun. Bei ihnen geht’s um Sauberkeit – speziell um die des Trinkwassers.

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Damit die Qualität des Wassers immer gleich gut ist, steigen die Männer tagtäglich in Wasserspeicher, um diese zu reinigen. Bei ihnen dauert der Frühjahrsputz sozusagen das ganze Jahr. Elf Speicher haben sie sich zum Jahresendspurt vorgenommen. Das sind die Hochbehälter in Simselwitz, Dreißig, Ostrau, Kiebitz, Goldene Höhe und Klinge in Roßwein sowie in Wetterwitz. Dazu kommen das Wasserwerk Adamsstollen, die Druckerhöhungsstation Zschochau, das Pumpwerk Obersteina und die sogenannte Wasserfassung Möbertitz.

Großer logistischer Aufwand

Roland Hammer ist Gruppenleiter Trinkwasser für den Bereich Oschatz in der Niederlassung Döbeln der Oewa Wasser und Abwasser GmbH. Er kümmert sich darum, dass jeder Wasserspeicher regelmäßig gereinigt wird. „Dabei sind wir nicht nur für die Region Döbeln, sondern auch für Grimma und das Erzgebirgsbad Thalheim zuständig“, so Hammer. Er spricht von einem enormen logistischen Aufwand. Denn diese Reinigung führen nur drei Mitarbeiter aus, die dafür speziell geschult sind. Insgesamt sind sie für 44 Behälter verantwortlich. Der Hochbehälter am Holländer in Döbeln ist mit einem Fassungsvermögen von 4 500 Kubikmetern Wasser der Größte. Der kleinste Speicher steht in Großböhla. Er fasst nur 50 Kubikmeter Trinkwasser.

Jeden Speicher des Wasserverbandes Döbeln-Oschatz nehmen sich die Männer aller zwei Jahre vor. Die Größe des Behälters spielt bei diesem Rhythmus keine Rolle. „Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Kein anderes Produkt wird so häufig und intensiv kontrolliert“, meint der Gruppenleiter. Nicht nur für das Wasser seien die hygienischen Anforderungen hoch, sondern auch für dessen Speicheranlagen.

Bevor die kleine Putzkolonne in einen Behälter steigt, wird der komplett entleert. Das Wasser plätschert aber nicht in die Natur, sondern fließt langsam ins Netz, damit die Verluste so gering wie möglich ausfallen. Die Haushalte, die ihr Wasser eigentlich aus diesem Speicher bekommen, werden während der Reinigung aus einem anderen Behälter versorgt.

Handarbeit mit dem Schrubber

Nun kommen die weißen Anzüge zum Einsatz. Sie schützen den ganzen Körper. Nur das Gesicht bleibt frei. Wie zu Hause gehen die Männer mit Schrubber und Wasserschlauch zu Werke. Den Schrubber verlängern sie aber mit einem Teleskopstab und den Strahl aus dem Schlauch verstärken sie mit einer Düse. Eine spezielle Beleuchtung sorgt für die nötige Helligkeit in den stockdunklen Behältern.

„Jeder Behälter ist anders“, sagt Roland Hammer. „Der eine großzügig, der andere beengt. Der eine neueren Baujahrs, der andere schon ziemlich betagt.“ Deshalb gehöre es zur Arbeit der Gruppe, ebenfalls den allgemeinen Zustand des leeren Speichers zu begutachten. So schauen sich die Männer auch die Armaturen sowie die Einbauteile, die Be- und Entlüftung an und ob alles dicht ist.

Nur einen Tag dürfen die Saubermänner für ihre Arbeit benötigen. Haben sie ihren Job erledigt, wird der Speicher desinfiziert und mit Wasser befüllt. Bevor es wieder an die Haushalte abgegeben wird, nimmt das Gesundheitsamt eine Probe und kontrolliert die Qualität.