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Sauerei in Langebrück

Wildschweine verwüsten die Festwiese mitten im Ort. Offenbar geht es den Tieren zu gut.

© dpa

Von Thomas Drendel

Das sieht ja aus wie im Schweinestall. Manchem Langebrücker wird dieser Satz in den Sinn kommen, wenn er an der Festwiese neben dem Bürgerhaus vorbeikommt. Recht hat er. Denn Schweine sind für den Zustand der Wiese verantwortlich, genau Wildschweine. Mit ihren Rüsseln haben sie die Wiese gepflügt. „Es sieht schlimm aus. Rings um den Kinderspielplatz beispielsweise ist von Rasen nur noch wenig zu sehen“, sagt Christian Hartmann, Chef des Langebrücker Kegelvereins. Die Furchen ziehen sich weiter bis zur Kegelanlage des Vereins neben dem Bürgerhaus. „Die Tiere haben ganze Arbeit geleistet. Nach meinen Beobachtungen sind sie in den vergangenen fünf Nächten mindestens dreimal hier gewesen. Offenbar gefällt es ihnen hier auf der Festwiese, oder sie finden hier einen besonders reich gedeckten Tisch vor“, sagt der Langebrücker.

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Unklar ist, wie die Tiere dorthin gelangen. Die Wiese befindet sich ja nicht irgendwo am Rande Langebrücks, sondern quasi im Zentrum. Hans-Werner Gebauer, Ortschaftsrat der Linken, vermutet, dass die Wildschweine aus der Heide den Bahndamm entlangwandern, dann die Gleise überqueren und schließlich an der Festwiese ankommen. „Ich glaube eher, dass sie von dem Waldstück an der Weißiger Straße entlangwandern und dann durch den Viadukt marschieren. Von dort ist es nicht mehr weit bis zum Bürgerhaus“, sagt Christian Hartmann. Er hat das Thema bereits in der Langebrücker Verwaltungsstelle angesprochen. Doch hier kann man nichts tun. „Wir haben das Problem bereits an die Stadtverwaltung und an Sachsenforst weitergemeldet“, sagt der Langebrücker Ortsvorsteher Christian Hartmann (CDU). „Selbst können wir nicht zur Tat schreiten und beispielsweise etwas gegen die Tiere unternehmen“, sagt er. Bei Sachsenforst kennt man das Problem. „Uns werden gerade im Herbst immer wieder derartige Schäden gemeldet“, sagt Sprecher Klaus Kühling. Nach seinen Angaben finden die Tiere auf den Wiesen reichlich Würmer und Larven, die sie mit Vorliebe verspeisen. Klaus Kühling weist auf die regelmäßigen Jagden hin. „Förster und Jäger erlegen derzeit Rehe und auch Wildschweine. Dadurch werden die Bestände dezimiert, und die Schäden gehen dann sicher auch zurück“, sagt er. In der Dresdner Heide finden nach seinen Angaben im November noch zwei größere Jagden statt. Auch hier ist ein Ziel, den Bestand der Wildschweine zu vermindern.

Nach dem Leiter des Forstbezirkes Dresden Markus Biernath haben gerade in der Dresdner Heide die Wildschweinbestände stark zugenommen. „Wir können die Wildtiere zwar nicht genau ermitteln, aber die Zahl der Abschüsse zwischen April vergangenen Jahres und März 2013 lässt diesen Schluss zu“, sagt er. In diesem Zeitraum sind in der Dresdner Heide 168 Wildschweine erlegt worden. In den zwölf Monaten davor waren es lediglich 96. Weshalb der Bestand so zugenommen hat, darüber gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. „Vermutlich liegt es am milden Klima. Außerdem finden die Tiere ein gutes Futterangebot vor. Auf den Feldern werden viel Mais und Raps angebaut. Das mögen sie sehr“, sagt Markus Biernath. Mehr als jagen könne man die Wildschweine nicht. „Und das ist natürlich nur im Wald möglich. Auf Flächen wie der Festwiese in Langebrück ist das aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen.“ Andere Möglichkeiten, die Schweine vom Besuch der Festwiese abzuhalten, gibt es durchaus. „Denkbar sind Flatterbänder oder Reflektoren. Nur wird deren abschreckende Wirkung nicht lange anhalten. Wildschweine sind schlau und merken, was ihnen gefährlich ist und was nicht.“