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Saunastreit geht in die heiße Phase

Die Sauna ist keine öffentliche Aufgabe. Hier gelten rein marktwirtschaftliche Bedingungen.

Von Daniela Pfeiffer

Hin und her überlegt hat sie, gerechnet und kalkuliert. Beim Bürgermeister ist sie gewesen, hat sich mit anderen Saunabetreibern unterhalten. Jetzt steht für Ramona Halke fest: Die Sauna am Waldbad kann sie nicht übernehmen. Die drohende Schließung der städtischen Einrichtung ist damit noch wahrscheinlicher geworden. Denn für die Stadtwerke rechnet sich der Betrieb nicht mehr.

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Nieskys Bürgermeister Wolfgang Rückert, zugleich Aufsichtsratsmitglied bei den Stadtwerken, erklärt: „Wir reden hier von einem jährlichen Defizit von 50000Euro. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum wir von vornherein ein reines Verlustgeschäft und damit höhere Steuern in Kauf nehmen sollen.“ Denn seit der Änderung des Steuergesetzes müsse die Stadt auch auf Verluste Steuern zahlen.

Rückert sieht daher nur zwei Wege, die Sauna am Waldbad zu retten. „Wir können das dicke Minus auf den Eintrittspreis umlegen, aber das würde eine so drastische Erhöhung bedeuten, dass keiner bereit wäre, sie zu zahlen.“ Mehr als 300Euro wären es nämlich pro Jahr, wenn man von einer durchschnittlichen Besucherzahl von 150Leuten ausgeht.

Deshalb setzt die Stadt auf die andere Variante: Ein privater Anbieter, der die Sauna übernimmt. Nachdem feststeht, dass es die jetzige Betreiberin Ramona Halke nicht wird, hoffe man auf einen der anderen Saunabetreiber in Niesky. Rückert: „Jemand vollkommen Neues ist für uns nicht vorstellbar.“ Doch in Niesky jemanden zu finden, scheint auch unmöglich. Mit Anke Poprawa, der Inhaberin der Waggonbau-Sauna, hat Ramona Halke bereits selbst gesprochen. „Ich hatte die Idee, dass wir uns zusammentun könnten“, so Halke. Doch das war nicht Poprawas Wunsch.

Auch Andreas Wende, Inhaber des Fitnessstudios „Do it“, zu dem auch eine Sauna gehört, will sich nicht bewerben. „Als Privater muss ich betriebswirtschaftlich denken und wirtschaftlicher als mit den Stadtwerken im Rücken, die Möglichkeiten der Subvention haben, könnte ich es nicht“, sagt Andreas Wende. „Für einen Privaten ist es fast unmöglich, diese Sauna kostendeckend zu betreiben. Dazu sind Wasser- und Energiebedarf zu immens.“ Für Niesky würde die Schließung der Waldbad-Sauna aber einen Verlust bedeuten, findet Wende. „Für die Stadt ist es immer schlecht, wenn etwas wegfällt.“

Vor allem die Stammgäste der Waldbad-Sauna sind derselben Meinung. „Das ist für uns eine soziale Einrichtung, die man nicht einfach zumachen kann“, sagt Willi Schulze. Der 79-Jährige geht seit 15Jahren in die Sauna. „Damit spare ich mir Arztkosten, das Inhalieren hält mich gesund.“ Jeden Donnerstag kommt er in seine Stammgruppe. Nach Sauna und Dampfbad trifft man sich in gemütlicher Runde noch am Stammtisch im Eingangsbereich, wo Ramona Halke schon Getränke bereitgestellt hat. Bier, Saft oder Tee – ganz nach Wunsch.

Jüngere sind schwer zu kriegen

Diesen Service und auch die Beratung von Ramona Halke und ihrer Kollegin schätzen die Stammgäste – überwiegend älteres Publikum – sehr. „Was mir fehlt, sind die Jüngeren. Aber die zu kriegen, ist schwer“, seufzt Ramona Halke. Zumindest auf junge Muttis hatte sie gesetzt. Sogar ein Spielzimmer für die Kinder war geplant. Dass daraus noch etwas wird, scheint unwahrscheinlich. Denn Stadt und Stadtwerke halten an ihrer Meinung fest. Da nützen auch 250Unterschriften gegen die Schließung nichts, die Halke gesammelt und dem Bürgermeister vorgelegt hat.