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Saure Seen und kranke Bäume

Umwelt. Südbrandenburg kämpft mit Hitze und Trockenheit. Aber die Vögel fühlen sich wohl.

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Von Ralf Krüger

Der Klimawandel macht sich in Südbrandenburg deutlich bemerkbar. Das Wasser wird knapp, auch die Feinstaubbelastung steigt, viele Bäume sind schon jetzt krank. Das sind die Kernaussagen des jetzt vorliegenden Umweltberichtes für das Land Brandenburg. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2005.

So leide insbesondere die Bergbaufolgelandschaft, aus der das Lausitzer Seenland entstehen soll, zunehmend unter Wassermangel, erklärte Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg. Es fehle Niederschlag, was den Spreewald zuletzt im Sommer 2006 an den Rand einer Katastrophe führte. Die Absenkung des Grundwassers durch den Bergbau hinterließ einen Entwässerungstrichter, der die riesige Fläche von mehr als 2000 Quadratkilometern umfasst. Am stärksten betroffen sind tagebaunahe Orte zwischen Lübbenau, Cottbus, Senftenberg und Boxberg. Zehn Jahre nach der Stilllegung der meisten Tagebaue besteht noch immer ein Grundwasserdefizit von etwa vier Milliarden Kubikmetern.

Flutung allein genügt nicht

Die gezielte Flutung der Tagebaurestlöcher führt zwar zu einem Wiederanstieg des Grundwassers, aber das hat in vielen Seen einen ph-Wert unter 4 zur Folge, der Sulfatgehalt ist dagegen viel zu hoch. Das Wasser ist „sauer“, was eine touristische Nutzung nur eingeschränkt möglich macht. Neutral wäre es bei einem ph-Wert von 7. Während etwa im Sedlitzer See und im Geierswalder See das Wasser noch stark sauer ist, weisen der Greifenhainer See und der Schönfelder See eine gute Wasserqualität auf. Um den Ilse-See, der vor den IBA-Terrassen in Großräschen entsteht, zu neutralen Werten zu verhelfen, seien „längerfristig Maßnahmen zur Nachsorge unumgänglich“, heißt es in dem Bericht. Im Klartext: Die Flutung allein reicht nicht aus. Es müssen massiv technische Verfahren zur Aufbereitung des Wassers eingesetzt werden.

Auch die Feinstaubbelastung steigt. Insbesondere in den Monaten Februar und März wurden im Jahr 2005 insgesamt 50-mal Überschreitungen der Grenzwerte festgestellt. Gemessen werden die Werte unter anderem in Cottbus, wo ein gesetzlich vorgeschriebener Luftreinhalteplan bereits umgesetzt wird. „Angesichts der im laufenden Jahr 2006 gemessenen Werte können wir leider keine Entwarnung geben“, so Freude. Im Vergleich zu dichter besiedelten Regionen sei Brandenburg jedoch deutlich weniger belastet.

Auch der kiefernreiche Wald krankt unter den Klimaveränderungen. Der Anteil von Bäumen mit deutlichen Schäden stieg seit 1999 um elf Prozent auf nunmehr 18 Prozent.

Zwei Drittel aller Bäume krank

Nur noch ein Drittel aller Bäume gilt als vollkommen gesund.Durch die prognostizierte Temperaturerwärmung verstärke sich der „Witterungsstress“ für die Bäume, heißt es im Waldbericht.

Doch es gibt auch positive Signale, insbesondere beim Vogelschutz. So habe sich die Situation seltener Arten wie See- und Fischadler oder Großtrappe weiter verbessert. Inzwischen leben in Brandenburg wieder 118 Seeadler-Paare. Mit 352 Vogelarten gibt es so viele wie in keinem anderen Bundesland.www.mluv.brandenburg.de