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Sportclub Freital mit Olympia-Ambitionen

Der erste Präsident des SCF, Jörg Schneider, spricht über Herausforderungen und Hoffnungen beim neuen Schwergewicht der regionalen Sportszene.

Trägt ab 1. Juli Verantwortung für rund 1.500 Mitglieder im größten Verein des Landkreises: Jörg Schneider, bisher Vorsitzender bei Fusionspartner Hainsberger SV.
Trägt ab 1. Juli Verantwortung für rund 1.500 Mitglieder im größten Verein des Landkreises: Jörg Schneider, bisher Vorsitzender bei Fusionspartner Hainsberger SV. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die erste Hürde ist genommen: Seit Montag voriger Woche steht dank nahezu einstimmiger Mehrheit fest, dass sich Hainsberger SV, FV Blau-Weiß Stahl Freital und Motor Freital zum größten Sportverein im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zusammenschließen. Beträchtliche Erwartungen sind mit dem Großprojekt SC Freital, welches offiziell am 1. Juli startet, verknüpft. Sächsische.de sprach darüber mit Jörg Schneider, Noch-Vorsitzendem des Hainsberger SV, Chef der Technischen Werke Freital und bald erstem Präsident des SCF.

Herr Schneider, Glückwunsch zur Vereinshochzeit. Hatten Sie erwartet, dass fast alle Mitglieder zustimmen?

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Danke für die Glückwünsche. Wir waren gut vorbereitet, hatten die Pläne intern diskutiert und versucht, jeden mitzunehmen. Aber irgendwie hatte ich zugleich das Gefühl, dass alles fast schon zu glatt ablief. Das hatte ich so nicht erwartet.

War diese Skepsis auch der Grund, warum zur entscheidenden Versammlung die Presse ausgeschlossen wurde? Eigentlich müsste ein Verein, der Freitals Aushängeschild sein will, doch an Transparenz interessiert sein...

Das Problem war, dass wir - trotz der internen Vorarbeit - nicht wussten, wie die Stimmung werden würde. Es hätte ja passieren können, dass sich ein Mitglied auf die Satzung beruft. Und dann wäre womöglich das Argument gekommen: Hier waren Personen anwesend, die keine Vereinsmitglieder sind. Die Rechtslage war nicht trivial, da können schnell Fehler passieren. Wir wollten einfach jedes Risiko vermeiden.

Was waren intern die größten Fragezeichen? Gab es Bedenken bei den einzelnen Sparten, wie ihre Rolle in einem derart großen Verein aussehen würde?

Das war einer der wichtigsten Punkte. Wir schließen drei Klubs zusammen, alle mit Fußball-Abteilungen - was ja ohnehin schon die dominierende Sportart ist. Dass da Bedenken kommen, war klar. Ich denke aber, dass wir die ausräumen konnten. Für die einzelnen Sportarten geht es - mit Ausnahme eben der Fußballer - mehr oder weniger so weiter wie bisher. Sie behalten ihre Selbstständigkeit, auch hinsichtlich Mitgliedsbeiträgen, Spenden oder Sponsoren.

Es werden also keine Erfolge eingefordert von jenen Abteilungen, die ihren Schwerpunkt weiter eher auf Breiten- denn auf Leistungssport legen wollen?

Nein. Der Impuls in Richtung Leistungssport muss von den Sportlern und Trainern selbst kommen. Wenn dies gewollt ist, werden wir das unterstützen. Gleiches gilt aber auch für jene, die im Breitensport qualitativ gute Arbeit leisten wollen. Wir möchten als Verein eine Basis für beides schaffen.

Sie sprachen davon, in Freital gern mal wieder einen Olympia-Starter ausbilden zu wollen...

Wir hoffen, dass wir vielleicht in fünf oder zehn Jahren soweit sind. Wir wollen jungen Sportlern Möglichkeiten bieten, sich zu entwickeln und ihnen damit den Weg in die großen Landesstützpunkte ebnen - im Prinzip wie früher im DDR-Sportsystem die Delegierung von Talenten an Leistungszentren. Was gut für uns ist: Die Talente bleiben im Verein, starten also weiter für uns, auch wenn sie woanders unter besseren Bedingungen trainieren.

Welchen Abteilungen trauen Sie denn mittelfristig die größten Erfolge zu?

Im Schwimmen hoffen wir, uns nach einer Durststrecke wieder zu steigern. Wir haben da wirklich gute Leute im Betreuerstab und engagierte Eltern, ohne die es nicht gehen würde. Stark entwickelt hat sich unser Frauen-Volleyballteam, wo hervorragende Arbeit geleistet wird. Und auch im Bogenschießen wächst etwas heran.

Überregional am meisten Aufmerksamkeit verursachen die Fußballer. Künftig wird der SCF mit vier Männer-Teams antreten, die erste Auswahl kickt in der Landesliga. Wie sind hier die Pläne?

Ganz klar: Wir wollen höher. Die Frage ist, wie hoch. Prinzipiell haben wir in Freital ein starkes Umfeld, sei es hinsichtlich der Einwohnerzahl, der Nähe zu Dresden oder auch der Firmen, die sich engagieren.

Die nächsthöhere Klasse, die Oberliga, gilt allerdings als unattraktiv. Sprechen wir also vom Anspruch, es in die Regionalliga zu schaffen?

Ja, man muss weiterkommen. Aber da gehört nicht nur Wollen, sondern auch Glück hinzu. Klar ist: Wenn man mehrere Jahre in der Oberliga spielt, geht man kaputt.

War eigentlich von Anfang an klar, dass zur Fusion diese drei Vereine gehören werden - oder wurde auch an andere Klubs gedacht?

Ursprünglich waren es nur Stahl und wir vom Hainsberger SV. Dann überlegt man: Wie organisiert man das? Wo sollen die Fußballer spielen? Aufgrund der historischen Rivalität wäre kaum infrage gekommen, sich für einen der beiden Standorte zu entscheiden. Da sind wir dann an Motor herangetreten, und dort war man aufgeschlossen. Das Stadion des Friedens liegt zentral und hat ohnehin eine bessere Infrastruktur. Hinzu kommt aus Sicht der einzelnen Klubs, dass die organisatorischen Anforderungen ehrenamtlich kaum noch zu stemmen sind. Das betrifft nicht nur die Bürokratie - auch die Mitglieder erwarten eine gewisse Qualität. Die kann man nicht bieten, wenn man erst abends nach der Arbeit Zeit findet für die Vereinsaufgaben.

Es wird also eine hauptamtliche Geschäftsstelle geben?

Nicht sofort, aber das soll entstehen. Wir suchen einen Geschäftsführer - am besten einen Freitaler, der sich gut auskennt, etwas bewegen will und menschlich passt.

Mit welchem Budget plant ihr Klub?

Wenn man zusammenrechnet, was unsere Vereine bisher zur Verfügung hatten, sind wir - inklusive Fördermitteln - bei rund 400.000 Euro. Das wird weiter wachsen.

Das muss es wahrscheinlich auch?

Ja. Sehen Sie: Ein einziges Trainingslager etwa der Schwimmer schlägt mit 15.000 Euro zu Buche. Oder die Fußballer mit ihren vier Mannschaften - schon alleine für die Übungsleiter entstehen da einige Kosten. Und zwar nicht, weil die Trainer auf das Geld aus sind. Aber es ist einfach so, dass man nicht erwarten kann, dass sie bis zu viermal die Woche ohne Entschädigung zur Verfügung stehen.

Fehlen durch Corona Einnahmen?

Nein. Wir haben mit den meisten Sponsoren gesprochen. Die große Mehrheit unterstützt die Fusion und würde ihr Engagement teilweise auch verstärken wollen, sofern sich die wirtschaftliche Lage nicht weiter verschlechtert. Das hatte ich so ehrlich gesagt auch nicht erwartet.

Mit zunehmender Größe steigt auch für einen Sportverein die gesellschaftliche Verantwortung. Ist dies eine Rolle, die der SC Freital aktiv wahrnehmen will?

Das ist ein klares Grundanliegen des Vereins. Wir wollen die Stadt unterstützen und uns einbringen. Das gilt etwa bei Maßnahmen hinsichtlich Integration oder bei der Förderung von Kindern, die es nicht so einfach haben. Wir wollen den Freitalern auch generell ein Angebot machen, wie sie ihre Freizeit gestalten können. Uns ist bewusst, dass wir Verantwortung haben.

Welches Fazit würden sie gern zum zehnten Geburtstag des SCF ziehen?

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Aus drei mach eins: Mit dem Zusammenschluss entsteht der größte Sportverein im Landkreis. Die Mitglieder haben sich viel vorgenommen.

Dass wir für uns sagen können: Es war die Mühe wert, wir haben den Leuten Freude bereitet - und etwas für Freital getan.

Das Gespräch führte Stefan Brieger.

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